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Albumbesprechung The Smiths - The Queen Is Dead

Interpret: The Smiths

Titel: The Queen Is Dead

Erscheinungsjahr: 1986

Genre: Rock, Post Punk

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

The Queen Is Dead ist der Titel des dritten Studioalbums der Smiths. Veröffentlicht wurde das Album im Jahr 1986. Im UK erreichte die Band Rang 2 der Charts, in den USA ging es bis auf Rang 70 der Billboard 200. In Kanada erreichte die Band Rang 28 der Charts.

Wie z. B. das Debütalbum, so wird auch The Queen is Dead von Kritikern als eines der wichtigsten Smiths Alben betrachtet und wird daher auch in der Regel als ein Meilenstein der Rockmusik bezeichnet. Sänger Morrissey sah das im Nachhinein übrigens anders. Gegenüber dem Magazin Q äußerte er sich im Jahr 1994 in etwa so:

The Queen Is Dead ist nicht unser Meisterwerk. Ich sollte es wissen. Ich war da. Ich lieferte die Sandwiches.

Na ja, der gute alte Morrissey. Aber seine Botschaft enthält immerhin ein Körnchen Wahrheit. Denn der Chef im Ring ist, zumindest nach meinem Empfinden, ganz klar Johnny Marr. Er prägte die Alben mit seinen vielschichtigen Gitarrenarrangements, er war zudem für einen Großteil der Kompositionen verantwortlich. Viele der Songs entstanden auf einer Tour im Jahr 1985. Marr schrieb das Material und arbeitete die Songs während der Soundchecks mit Rourke und Joyce aus. Der Albumtitel bezieht sich auf die Novelle Last Exit To Brooklyn von Hubert Selby jr., deren zweiter Teil den Titel The Queen Is Dead trägt. Der Titel nimmt außerdem auf eine Szene in Shakespeare's Macbeth Bezug.

Die Songs

  • The Queen is Dead scheint eine lange Geschichte zu haben. Marr sagte einmal, dass er an diesem Song schon seit seinen Teenagertagen arbeitete. Das Ergebnis war eine relativ zeittypische Nummer mit den etwas überladenen Gitarrenarrangements.
  • Frankly, Mr. Shankly war gem. Marr der erfolglose Versuch, die Stimmung des Sandy Shaw Hits Yesterday's Man neu abzubilden. Er wollte für den Song Linda McCartney am Piano haben, was nicht klappte. Auch die erste Aufnahme mit einem Trompeter wurde wieder eingestampft. Scheinbar lief nichts so wie geplant, man musste den Song letzten Endes in den Wessex Studios London noch einmal neu einspielen. Das Ergebnis war ein netter Wave-Pop Song mit einer subtilen Reggae Note.
  • I Know It's Over ist eine Ballade, welche stellenweise etwas langweilig wirkt und erst Richtung Ende besser wird. Umgekehrt wäre besser gewesen…
  • Never Had No One Ever ist ein weiterer Song, welcher einer älteren Johnny Marr Idee entstammt. Inspiration waren die Stooges mit dem Song I Need Somebody. Hier lohnt es sich, auf den textlichen Beitrag von Morrissey zu achten. Es geht um seine Ängste als Teil einer Einwandererfamilie (aus Irland) in Manchester, wo er sich praktisch nie sicher vorkam. Bemerkenswert, da Morrissey später die Immigration per se als eines der großen Probleme des UK bewertete und in einem Interview 2016 den umstrittenen Politiker Nigel Farage als einen freiheitlichen Vordenker (!) bezeichnete.
  • Cemetry Gates schaffte es relativ spät auf das Album, da Marr mit der Gitarrenarbeit überhaupt nicht zufrieden war. Morrissey überzeugte ihn vom Gegenteil. Eine gute Wahl, denn der Song kann überzeugen.
  • Bigmouth Strikes Again gehört zu den bekannteren Smiths Songs und zu den besten Songs des Albums. Ein flotter und unterhaltsamer Song mit genialen Gitarrenarrangements Marrs.
  • The Boy with the Thorn in His Side wurde als erste Single ausgekoppelt und erreichte Rang 23 der UK Single Charts. Morrissey bezeichnete ihn als einen seiner Lieblings-Smiths Songs und ausnahmsweise liegt er mit der Einschätzung ganz gut.
  • Vicar In A Tutu setzt den Reigen an sehr guten Songs fort, ich würde ihn sogar an die Spitze auf dem Album setzen. Diese witzige und mitreißende Nummer ist zumindest mein Highlight der Platte.
  • There Is a Light That Never Goes Out zitiert Textstellen vom Song Lonely Planet Boy der New York Dolls, bezüglich der Gitarrenarbeit ließ sich sich Johnny Marr vom Stones Cover Hitch Hike inspirieren.
  • Some Girls Are Bigger Than Others ist ein Beispiel dafür, dass Morrissey auch innerhalb der Band nicht ganz unumstritten war. Immerhin machte Marr später einmal klar, dass er in diesem Fall die Musik dem Text in jedem Fall vorzöge (sehr diplomatisch ausgedrückt). Auch für mich schlägt die Musik die textliche Botschaft um Längen.

Fazit Halten wir uns zunächst an einigen unverrückbaren Fakten fest: The Queen Is Dead wird von Musikfachleuten in der Regel als eines der wichtigen Alben der Rockmusik bezeichnet. Dabei werden in der Regel vor allem Morrisseys Texte und sein Charisma hervorgehoben, daneben Marrs vielschichtige Gitarrenarbeit. Letzteres würde ich als die wichtigste Zutat bezeichnen, ohne Marrs Arrangements wäre das Gros der Songs mittelmäßig. Über Morrisseys Output (textlich und gesanglich) kann man trefflich diskutieren. Aber egal wie man es dreht und wendet, The Queen Is Dead ist eines der besten Smiths Album und muss daher zu den Meilensteinen der Rockmusik gezählt werden.

Trackliste

  1. The Queen Is Dead 6:24
  2. Frankly, Mr. Shankly 2:17
  3. I Know It's Over 5:48
  4. Never Had No One Ever 3:36
  5. Cemetry Gates &xnbsp;2:39
  6. Bigmouth Strikes Again 3:12
  7. The Boy with the Thorn in His Side &xnbsp;3:15
  8. Vicar in a Tutu 2:21
  9. There Is a Light That Never Goes Out 4:02
  10. Some Girls Are Bigger Than Others 3:14

Alle Songs Johnny Marr/Morrissey, Intro zu The Queen Is Dead von Take Me Back to Dear Old Blighty/A.J. Mills, Fred Godfrey und Bennett Scott.

Rezensent: MP