Southern Rock

Southern Rock ist ein Subgenre der Rockmusik. Dieser Musikstil kann im Prinzip direkt auf die USA eingegrenzt werden und stammt dort - Nomen est Omen - aus den Südstaaten. Stilprägend für den Southern Rock ist vor allem eine Mischung aus Rock&Roll, Country und Blues. Meistens spielen die Gitarren in diesem Musikstil eine sehr wichtige Rolle, viele Southern-Rockbands treten mit mindestens zwei Gitarristen auf (Bands wie Molly Hatchet oder Lynyrd Skynyrd wurden/werden meistens sogar mit drei Gitarristen gesehen).

Die Südstaaten der USA spielten ursprünglich eine wichtige Rolle für die Entstehung der Rockmusik, denn einige der wichtigsten Rock'n'Roller wie Elvis, Little Richard oder Jerry Lee Lewis kamen aus dem Süden. In vielen Quellen werden sie auch als frühe Vertreter des Southern Rock aufgezählt. Allerdings waren sie stilistisch doch eher dem Rock'n'Roll im Allgemeinen zuzuordnen. Nach dem Abebben des Rock'n'Roll wurde es aber musikalisch ruhig um den Süden, die stilprägenden Rockbands etwa des Beat oder Psychedelic kamen aus anderen Regionen bzw. anderen Ländern. Es schien fast so, als habe der Süden die Entwicklung der Rockmusik etwas verschlafen.

Dies änderte sich dann jedoch spätestens gegen Ende der 1960er. Denn mit dem Erscheinen der Allman Brothers Band im Jahr 1969 wird von Fachleuten die Geburt des Southern Rock festgelegt. Die Südstaaten mischten plötzlich musikalisch wieder mit. Was jedoch nach Meinung des Verfassers gerne unterschlagen wird, ist die Tatsache, dass die Südstaaten eigentlich nie ganz weg waren und schwerpunktmäßig schon seit Mitte der 1960er z. B. in Creedence Clearwater Revival eine äußerst potente Band am Start hatten. Die Band um John Fogerty muss zu den ersten Southern Rockbands gezählt werden. Fogerty verstand es blendend, eine rockige Symbiose aus Blues, Country, Rockabilly und Folk anzubieten. Mit seinem Swamp Rock legte er möglicherweise den Grundstein für den Southern-Rock. Allerdings macht eher die 1969 in Macon, Georgia gegründete Allman Brothers Band im Bezug auf Southern-Rock von sich reden. Sie wird in der Regel als erste typische Band des modernen Southern Rock bezeichnet. Stilistisch vermengte die Band um die Brüder Allman Blues, Jazz, Country und Folk sowie Anleihen aus der Klassik zu einer sehr groovigen Rockmusik. Die Band überraschte mit zwei Drummern, was bis heute immer noch sehr selten ist. Dazu prägte Duane Allman mit seinem beseelten Slidegitarrenspiel die Band. Sein Bruder Greg steuerte einen sehr bluesigen Gesang bei. Außerdem war das Zusammenspiel des zweiten Gitarristen Dickey Betts mit Duane Allman sehr bemerkenswert, vor allem die Twin-Leads mit den ungewöhnlichen Nonen-Intervallen. Eine weitere interessante Besonderheit der Allman Brothers war die Bandbesetzung aus schwarzen und weißen Musikern. Dies widersprach dem klassischen Bild der Südstaaten, welche als Hochburg der Schwarzenfeindlichkeit galten. So gesehen drückten die Allman Brothers am stärksten das aus, was der moderne Southern-Rock zeigen sollte: eine liberale Ausrichtung in den als rückständig geltenden Südstaaten. Mit dem 1971er Live Album At Fillmore East legte die Band einen Meilenstein der Rockmusik vor. Kurz später verunglückten sowohl Gitarrist Duane Allman als auch Bassist Berry Oakley tödlich. Die Band machte dennoch weiter und legte mit Brothers & Sisters im Jahr 1973 einen weiteren Meilenstein vor.

Parallel zu den Allman Brothers wurden Bands wie die Marshall Tucker Band und die Charlie Daniels Band bekannt. Beide Bands werden zum Southern-Rock gezählt, lagen stilistisch aber sehr viel näher am Country bzw. Countryrock als die Allman Brothers Band. Ab etwa 1973 bildeten sich weitere Southern-Rockbands heraus, welche insgesamt etwas an Härte zulegten. Die bekannteste Band ist sicherlich Lynyrd Skynyrd, welche mit Songs wie "Sweet Home Alabama" oder etwa "Free Bird" Meilensteine des Genres vorlegte. Heute wird Lynyrd Skynyrd von vielen Fans als eine der typischsten, wenn nicht gar als die Southern-Rockband schlechthin bezeichnet. Ihr Stil war rockiger und härter, weist aber auch viele Anteile an Country und Blues auf. In der Folge stießen Bands wie 38 Special, The Outlaws, Molly Hatchet oder Blackfoot dazu. Vor allem Blackfoot und Molly Hatchet legten musikalisch an Härte zu. Die Outlaws waren stärker Country orientiert, 38 Special spielte nur anfangs eine härtere Southern-Rock Variante, verabschiedete sich später aber mehr und mehr Richtung AOR. Weitere interessante Bands, die man dem Southern-Rock jener Zeit zuordnen kann sind zum Beispiel Point Blank oder Black Oak Arkansas. Musikalisch könnte man auch die ZZ Top der Anfangsjahre zum Southern-Rock zählen, auch wenn die Band im Grunde genommen als ein Synonym für den Texas-Rock zu sehen ist. Relativ melodische Varianten des Southern Rock boten zum Beispiel die Atlanta Rhythm Section oder die Doobie Brothers, während die Dixie Dregs eine eher progressive Rockband mit Southern-Rockwurzeln war.

In den 1980ern ließ das Interesse am klassischen Southern Rock etwas nach, was möglicherweise auch an der Auflösung einiger wichtiger Bands des Genres lag. Bemerkenswert war allerdings der Einfluss des Southern-Rock auf andere Genres. So werden z. B. Def Leppard häufig als eine Southern-Rockband bezeichnet. Das ist durchaus in Ordnung, zumal ihr melodischer Hard-Rock stellenweise an den Southern-Rock erinnern kann. In der Folge gab es weiterhin interessante Southern Rockbands, die aber nicht die ganz großen Erfolge feiern konnten und die stilistisch auch nicht immer direkten Bezug zum Southern Rock hatten (die Alternativeband Better Than Ezra etwa). Besser lief es in der Zeit eigentlich nur für die Georgia Sattelites, die einige gute Erfolge feiern konnten.

Eine der wenige alten Bands, die kontinuierlich ihr Programm durchzog und auch guten Erfolg hatte, war Molly Hatchet. Dies lag möglicherweise an der sehr harten Prägung ihrer Musik, welche die Band in Hard&Heavy Kreisen sehr beliebt machte.

In den 1990ern gab es ein Southern-Rock Revival. Hier dürften vor allem die Black Crowes einen großen Anteil an der Entwicklung gehabt haben. Die Band schaffte es, eine potente und energetische Variante des Southernrock anzubieten. Daneben waren Stevie Ray Vaughan und dessen Bruder Jimmie mit den Fabulous Thunderbirds erfolgreich. Beide ließen Southern-Rock einfließen, waren aber eher dem Texas Blues-Rock zuzuordnen. In der Folge entwickelte sich vor allem die härtere Variante des Southern-Rock gut. Viele Southernbands wurden so eher dem Hard-Rock/Heavy Metal als dem reinen Southern-Rock zugeordnet. Eine gewisse Ausnahme machen hier vielleicht Projekte des Ozzy Gitarristen Zakk Wylde, der mit Black Label Society und Pride & Glory zwar harte Varianten des Southern-Rock anbot, aber dennoch viel vom ursprünglichen Southern Rock durchschimmern ließ. Dies gilt in noch stärkerem Maß für den Allman Brothers Gitarristen Warren Haynes mit seinen Soloalben bzw. Projekten mit der Band Gov't Mule.

Insgesamt findet sich in der aktuellen Musikszene der Southernrock immer wieder. Viele der alten Bands haben sich wieder zusammengerauft und spielen heute wieder mehr oder weniger im Southern-Rockstil (Lynyrd Skynyrd, Blackfoot, Allman Brothers, Molly Hatchet, 38 Special usw.). Außerdem werden etlichen Bands, die man eher dem Alternative-Rock zuordnet, durchaus Southern Wurzeln nachgesagt. Eines der bekanntesten Beispiele dürfte die momentan sehr angesagte Band Kings Of Leon sein.