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Review Mike Stern - All Over The Place

Interpret: Mike Stern

Titel: All Over The Place

Erscheinungsjahr: 2012

Genre: Jazz-Fusion

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

All Over The Place ist der Titel eines Albums des US-amerikanischen Gitarristen Mike Stern. Das Album erschien 2012. Mike Stern gehört zur Oberliga moderner Jazz/Jazz-Fusion Gitarristen. Nach seinem Engagement bei Miles Davis und einigen Arbeiten mit anderen Künstlern legte Stern 1986 sein erstes Soloalbum Upside Downside vor. Mit diesem Album festigte Stern seine Position unter den Top-Gitarristen des modernen Jazz, den Song After You könnte man mittlerweile zu den Standards (zumindest für Gitarristen) zählen. Stern legte in der Folge weitere recht erfolgreiche Solo-Alben vor, dafür gab es einige Grammy-Nominierungen und Auszeichnungen in diversen Fachmagazinen.

Was Stern nach Meinung vieler Fachleute vor allem ausmacht, sind zwei Faktoren: breite, atmosphärische cleane Sounds mit viel Chorus und fuzzy Leads (die gerne rockorientiert klingen dürfen). Beides präsentiert er seit vielen Jahren ziemlich zuverlässig. Allerdings hat er sich zuletzt in eine Stilrichtung entwickelt, die neben aufregendem Jazz-Rock und Atmo-Balladen eine gute Portion unverbindlichen Westcoast-Fusion bietet. Alles das präsentiert Stern auch auf diesem Album.

Wie gewohnt stellt sich für die Aufnahme einmal mehr ein Who Is Who der Szene ein. Vor allem die Anzahl an hervorragenden Bassisten ist beeindruckend mit dabei sind Esperanza Spalding, Richard Bona, Victor Wooten, Anthony Jackson, Dave Holland, Tom Kennedy, Will Lee und Victor Bailey. Irgendwie scheint Stern eine Affinität zu Bassisten zu haben, die Anzahl großer Bassisten mit denen er schon kollaborierte ist zumindest mehr als beachtlich. Neben der illustren Schar an Bassisten macht sich auch die weitere Besetzung gut: Jim Beard (keyboards), Randy Brecker (Trompete), Leni Stern (Rhythmusgitarre), Kenny Garrett, Chris Potter, Bob Frenceschini und Bob Malach (Saxofone), Dave Weckl, Keith Carlock, Lionel Cardew, Al Foster und Kim Thompson (Drums).

Die Songs

  • Seine Verbeugung vor Bassisten beginnt Stern mit dem Opener "AJ", einer Hommage an Anthony Jackson. Musikalisch gibt es klassische Stern Chorus-Atmosounds, cleane und verzerrte Gitarrensoli, aber leider auch eine gute Portion unverbindliche Westcoast Leichtigkeit.
  • "Cameroon" scheint eine weitere Ode an einen Bassisten zu sein, hier an Richard Bona, der aus dem Kamerun stammt. Der steuert Sprechgesang bei, was dem Song eine Weltmusikkomponente verleiht. Wieder gibt es alle typischen Stern-Zutaten, und wieder wünscht man sich etwas mehr…
  • "Out of the Blue" ist ein klassischer Moll-Blues mit einigen schönen Momenten, sei es Leni Stern an der Malian Ngoni, Sterns Gitarrensolo oder Randy Breckers Trompetenbeiträge. Der Song nimmt den Hörer in jedem Fall besser mit, als die beiden Vorgänger.
  • "As Far As We Know" ist die erste Ballade. Mit Sprechgesang und Latin-Flair klingt das zwar jederzeit angenehm, aber der Song erstarrt irgendwie doch in Schönheit. Stern hat im Bereich Balladen die Messlatte selbst sehr hoch gelegt und er erreicht keine Höchstform.
  • "Blues for Al" dürfte Drummer Al Foster gewidmet zu sein, der hier auch den Platz an den Drums einnimmt. Der legt einen Groove vor, der einem ungemein vertraut vorkommt. Wieder fällt die Nähe zum unverbindlichen Westcoast Fusion auf, was in dem Fall leider auch eine Art gepflegte Langeweile bedeutet.
  • Stern legt mit "OCD" zu. Dieser Song knüpft immer wieder an den klassischen Jazz-Fusion an, besitzt mehr Reibung als die Songs zuvor und sprüht im direkten Vergleich geradezu vor Energie.
  • Leider flacht die Kurve mit der zweiten Ballade "You Never Told Me" wieder ab. Um Piano, Gitarre und subtile Percussions präsentiert Stern einen netten Song, dessen Stimmung aber wiederholt von Fusion-Synthiesounds aus der Kiste zerstört wird.
  • "Half Way Home" legt wieder zu, wieder gibt es zumindest etwas mehr Reibung mit Blues-Feeling und ordentlichem Groove. Stern selbst agiert wesentlich druckvoller mit einer guten Blues-Rock Attitüde.
  • "Light" versprüht Karibikflair, was in dem Fall in eine Art Jazz-Pop mit reichlich Fahrstuhlmusikcharakter eingebettet wird.
  • Besser funktioniert das mit "Flip Side". Der Song groovt lässig, Stern steigert sich und scheint sich endlich warm zu spielen.
  • Das gilt vor allem, weil er abschließend mit "All Over the Place" den für meinen Geschmack stärksten Track des Albums vorlegt. Stern deutet nachdrücklich an, was er kann. Und damit meine ich druckvollen Jazz-Rock mit Betonung auf Rock und abwechslungsreichem Aufbau.

Fazit Wenn Mike Stern ein neues Album aufnimmt, ist die Erwartungshaltung groß. Zumindest mir geht es so. Ich erwarte von Stern nicht permanente Höchstleistungen mit deftig rockigen Leads und chorusgetränkten Atmo-Sounds. Dennoch gehe ich mit der Grunderwartung an seine Alben, dass ich von Stern aufregenden Jazz-Rock, klassischen Jazz und die eine oder andere lyrische Ballade zu hören bekomme. Er bietet hier von allem etwas, aber doch vom Guten zu wenig. Die beiden Balladen verpuffen, zumindest im direkten Vergleich mit lyrischen Balladen wie After You. Das ist mir persönlich etwas zu viel Easy-Listening. Schade, dass Stern so sehr auf bewährtem Material der Vorgängeralben aufbaut. Etwas mehr in Richtung All Over The Place wäre schön gewesen. Dieses Album mit derart exzellenten Musikern ist natürlich weit entfernt von schlechter Musik. Stern hält zumindest die Qualität der Vorgängeralben und dürfte mit dem Album bei seinen Fans gut ankommen. Ich persönlich hadere damit, dass viel mehr möglich gewesen wäre.

 

Trackliste

  1. AJ
  2. Cameroon
  3. Out of the blue
  4. As far as we know
  5. Blues for Al
  6. OCD
  7. You never told me
  8. Half way home
  9. Light
  10. Flipside
  11. All over the place

Rezensent: MP

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