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Albumbesprechung The Strawbs - Bursting At The Seams

Interpret: The Strawbs

Titel: Bursting At The Seams

Erscheinungsjahr: 1973

Genre: Soft-Rock, Folk-Rock

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Bursting at the Seams ist der Titel eines Albums der englischen Band Strawbs. Das Album erschien 1973 und dürfte mit Rang 2 in den UK Album Charts das erfolgreichste Album der Band gewesen sein. Zudem waren die ausgekoppelten Singles Lay Down und Part Of The Union die erfolgreichsten Songs der Band.

Die Strawbs bestanden zum Zeitpunkt der Einspielung aus Dave Cousins ( lead vocals, backing vocals, acoustic guitar, electric guitar, banjo), Dave Lambert (lead vocals, backing vocals, acoustic guitar, electric guitar), Derek "Blue" Weaver (organ, piano, mellotron), John Ford (lead vocals, backing vocals, bass guitar) und Richard Hudson (backing vocals, drums, sitar). Allerdings war es das letzte Album in der Besetzung, denn zwischen Ford/Hudson und Dave Cousins kam es zu Spannungen, die sich letztlich im Weggang von Ford und Hudson entluden. Kurz später verließ außerdem Keyboarder Weaver die Band.

Musikalisch lag dieses Album ein gutes Stück entfernt von dem, was die Strawbs zu Beginn ihrer Karriere ausmachte. Gelobt für ihre einfallsreiche folkorientierte Musik, in welche die Band Elemente von Jazz bis Klassik einfließen ließ, kam die Band hier mehr oder weniger im eingängigen Soft-Rock/Pop an.

Die Songs

  • "Flying" schwelgt zwischen Folk und Soft-Rock, interessant dabei der kurze Mittelteil mit einer folklastigen Grundrichtung und den dicken Mellotronwänden. Da kommt kurzzeitig sogar Progfeeling auf.
  • Jegliche Komplexität dagegen fehlt dem Folk-Rock Song "Lady Fuschia". Eigentlich ein angenehmer Track, der jedoch etwas höhepunktlos vor sich hinplätschert.
  • "Stormy Down" legt diesbezüglich in negativer Form zu. Diesen flachen und unverbindlichen Popsong mit Countryflair und verunglücktem Gesang würde ich als schwächsten Song des Albums bezeichnen.
  • Relativ gut gelungen dagegen ist das Doppelpack "The River" und "Down By The Sea". Beide Songs kann man im Zusammenhang sehen, für das Remaster wurde The River daher auch vor Down By The Sea gepackt. Gerade auf letzterem bietet die Band viel, gegen Ende wird das volle Orchesterprogramm geboten.
  • "Part of the Union" wirkt im Anschluss jedoch wie ein Fremdkörper. Der umstrittene Protestsong (der stark von Woody Guthries Union Maid inspiriert war) wirkt wie eine Schlager/Pop Hymne. Die funktioniert für sich alleine gut, der Song will aber bei aller Soft-Rock Tendenz nicht auf das Album passen. Letzten Endes war es mit Rang 2 der UK Charts aber der erfolgreichste Strawbs Song überhaupt.
  • "Tears and Pavan" ist als zweiteilige Songsuite angelegt. Neben The River/Down By The Sea der nächste längere Song und erneut Beleg dafür, dass die Band nicht nur Pop konnte. Das ist episch breit angelegt, manchmal vielleicht etwas sehr dramatisch (irgendwie kommt mir beim Hören spontan Demis Roussos in den Sinn). Besonders gut gelungen ist die stellenweise fröhlich folkige Pavane.
  • The Winter and the Summer ist der einzige Beitrag von Dave Lambert. Schade eigentlich, denn der Song überzeugt mit seinem folkigen Charme und ist wieder ein Song, der auf seine Weise eine gewisse Brücke zum Prog zu schlagen scheint. Zumindest manchmal, denn mit Einsetzen der Drums wird es stellenweise etwas poporientiert banal.
  • Lay Down war neben Part Of The Union eine der bekanntesten Singles der Band. Anders als Part Of The Union passt der kräftige Folk-Rock besser auf das Album.
  • Thank You bildet einen etwas sonderbaren Abschluss. Weaver und Cousins bedanken sich mit Kinderchorunterstützung artig. So etwas brachten englische Acts zu der Zeit immer wieder gerne auf Alben unter. Das wirkt natürlich mit Kinderchor immer irgendwie bezaubernd, aber welche Rolle der Song nun im Gesamtkonzept spielen soll, ist unklar.

Fazit Bursting At The Seams ist das erfolgreichste Album der Strawbs. Ob es das beste Album der Band ist, muss man individuell für sich entscheiden. Aus meiner Sicht wechseln Licht und Schatten ab. Manche Songs verbreiten ein schönes, wenn auch unverbindliches Popflair. Neben den durchaus charttauglichen Songs blitzen immer wieder interessante Momente der Prog-Vergangenheit (sofern man sie der Band überhaupt bescheinigen kann) auf. Das wirkt manchmal etwas bombastisch und dramatisch, aber gerade Tears and Pavan sowie Down By The Sea mit The River stellen neben dem ordentlichen Dave Lambert Song The Winter And The Summer und dem zeitgemäßen Lay Down die Highlights der Platte dar.

Trackliste

  1. Flying (Dave Cousins) 4:49
  2. Lady Fuschia (Richard Hudson, John Ford) 3:59
  3. Stormy Down (Cousins) 2:45
  4. Down by the Sea (Cousins) 6:17
  5. The River (Cousins) 2:21
  6. Part of the Union (Hudson, Ford) 2:54
  7. Tears and Pavan 6:35
  • Tears (Cousins)
  • Pavan (Cousins, Hudson, Ford)
  1. The Winter and the Summer (Dave Lambert) 4:07
  2. Lay Down (Cousins) 4:31
  3. Thank You (Blue Weaver, Cousins) 2:11

1998 Remaster Bonustracks

  • Will You Go (Traditional)
  • Backside (Cousins, Hudson, Ford, Lambert, Weaver)
  • Lay Down (Single version) (Cousins)

Auf dem Remaster wurde außerdem die Reihenfolge von Track 4 und 5 (Down By The Sea und The River) gedreht.

Rezensent: MP