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Albumbesprechung S.Y.P.H. - 4. LP/S.Y.P.H.

Interpret: S.Y.P.H.

Titel: 4. LP/S.Y.P.H.

Erscheinungsjahr: 1981/2012

Genre: Avantgarde

 

Rezension/Review

4. LP oder einfach nur S.Y.P.H. ist der Titel des vierten Albums der deutschen Band S.Y.P.H. Der Original-Release war 1981, 1998 gab es den ersten Re-Release als CD. Nun wird das Album über MIG bzw. das Unterlabel HiD( Hergestellt in Deutschland) neu aufgelegt. Ab 29.06.2012 soll es eine CD-Edition geben, zusätzlich wird es wohl einen Pack mit CD und LP geben.

S.Y.P.H. entstanden um 1977 während des Punkbooms. Erste Konzerte ab es vor allem bei Punk-Festivals, die Band wurde in der Regel als Punkband bezeichnet. Aber die Band wollte schon früh vom reinen Hauruckpunk weg. Das Interesse an experimenteller Musik war groß, zumal die Band immer wieder mit Holger Czukay von Can zusammenarbeitete, was auch für das Material dieser LP gilt. So gesehen überrascht es nicht so sehr, dass man auf diesem Album reine Experimentalmusik mit einem guten Hau Can erwarten kann - aber keinen Punk.

Czukay produzierte das Album zusammen mit Harry Rag. S.Y.P.H. existierten zum Zeitpunkt der Realisierung als Band nicht mehr, dennoch gibt es ein Line-Up, eingespielt wurde das Material schwerpunktmäßig in der Besetzung Harry Rag (git, voc), Uwe Jahnke (git, voc), Jürgen Wolter (bass) und Uli Putsch (drums). Außerdem war Holger Czukay an Bass, Percussion und Horn beteiligt.

Letztlich scheint es sich in starkem Maß um die Verwertung alter Aufnahmen zu handeln. Schon zum zweiten S.Y.P.H Album tat sich Harry Rag mit Czukay zusammen. Er wollte weg vom Hauruck-Punk und wollte eigentlich ein experimentelles Album aufnehmen. Das wurde jedoch nicht realisiert. Rag hielt an der Idee des experimentellen Rock fest und tat sich mit Czukay zusammen, um diese 4. LP von S.Y.P.H im Jahr 1981 einzuspielen. Dazu nahm man sich auch noch einmal den alten Song Little Nemo vor und nutzte einige Teile für die Neuaufnahme. So entstand eine, mehr oder weniger, instrumentale LP einer inexistenten Punkband im Punkboom, der eigentlich nur noch in Deutschland ein Punkboom/Punkboomchen war.

Das klingt so verwirrend und verquer, wie es die Musik des Albums war. So hört man auf den ersten drei Tracks "Die Deep", "Hänschen Horror" und "Lämmerschwanz" nur eine Aneinanderreihung von Klängen und Geräuschen ohne Struktur. Kaum anders klingt "Satarasch", wobei es hier zu den Klängen eine Art Drumgroove gibt.

Am interessantesten wirken auf dem Album die beiden längsten Tracks "Nachbar" und "Little Nemo". Beide tendieren zu einer Art minimalistischem Avantgarde mit Anleihen an Can-Musik. Allerdings fehlen beiden Songs die genialen Zündungen, welche der Can-Motor immer mal wieder von sich gab.

Fazit Das ist harter Tobak, was den Hörer hier erwartet. Wir befinden uns im Bereich Avantgarde und damit in einem grenzwertigen Bereich. Was für den einen hohe Kunst ist, ist für den anderen einfach nur Mist. Bezüglich der 4. LP von S.Y.P.H kann ich mich beim besten Willen nicht zu einem klaren Urteil durchringen. Irgendwie verstehe ich den Output nicht, mir wird auch die Intention nicht so richtig klar. Klar ist: musikalisch bemerkt man den Einfluss von Czukay, vor allem auf den beiden Longtracks Nachbar und Little Nemo. Von daher könnte der Can-Fan hier fündig werden. Die Kurztracks stellen aber nicht mehr als Füllmaterial bzw. eine Art Resteverwertung dar.

 

Trackliste

  1. Die Deep (01:18)
  2. Hänschen Horror (01:11)
  3. Lämmerschwanz (01:54)
  4. Nachbar (12:39)
  5. Satarasch (02:52)
  6. Little Nemo (18:03)

Rezensent: MP