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Albumbesprechung James Taylor - Sweet Baby James

Interpret: James Taylor

Titel: Sweet Baby James

Erscheinungsjahr: 1970

Genre: Singer Songwriter, Folk, Country

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Sweet Baby James ist das zweite Album des US-Singer Songwriters James Taylor. Das Album erschien im Jahr 1970 und bedeutete den Durchbruch für James Taylor. 1971 gab es eine Grammy Nominierung für das Album des Jahres, die ausgekoppelte Single Fire And Rain gehört zu Taylors erfolgreichsten Songs.

Das Album wurde, wie das Debütalbum, von Peter Asher produziert. Allerdings ließ man Taylor mehr Freiräume. Das ermöglichte interessante Gegensätze zwischen dem Poeten mit der Akustikgitarre und Taylor mit subtiler Bandinstrumentierung und Bläsersätzen. Als Unterstützung holte man sich einige bekannte Studiocracks. Vor allem das Aufkommen an Bassisten ist beachtlich (Leland Sklar, Randy Meisner, John London und Bobby West am Kontrabass). Taylor bekam außerdem Unterstützung von Carole King (Piano, Vocals), Danny Kortchmar (Gitarre) und Russ Kunkel (Drums), Red Rhodes (Steel-Gitarre), Jack Bielan (Blasinstrumente) und Chris Darrow (Fiddle, Violine).

Neben der Bandinstrumentierung lebt das Album ein Stück weit von den Gegensätzen unverbindlicher Cowboy Romantik und der klassischen Taylor Welt aus gefühlter und gewollter Einsamkeit, innerer Zerrissenheit und dem Hang zur Naturromantik. Das heißt, die typisch melancholische bis schwermütige Grundstimmung Taylors ist vorhanden, es ist aber auch Raum für leichtere Stimmungen und sogar Humor.

Die Songs

  • Der Titelsong "Sweet Baby James" bildet zu Beginn einen Signature Song des Albums. Der nette Singer Songwriter Song weist eine gute Country (und Western) Note im ¾ Takt auf. Obwohl nie ausgekoppelt, gehört Sweet Baby James zu den bekanntesten James Taylor Songs.
  • "Lo And Behold" ist ein schöner Song, der mit dem typischen laid-back Akustik Taylor beginnt, im weiteren Verlauf aber einen klaren Groove mit einem Soul-Bluesigen Anflug erhält.
  • "Sunny Skies" wirkt locker und etwas unverbindlich. Es ist einer der Songs, der vor allem den Naturromantiker Taylor zum Vorschein kommen lässt.
  • "Steamroller" (eigentlich Steamroller Blues) ist eine Blues Parodie. Der Song zeigt Taylor von seiner witzigen bis bissigen Seite. Man könnte den Song als eine Art Kollegen Bashing gegen die damals nicht immer guten weißen Blues Bands betrachten. Ob ironisch oder nicht: den Blues hat die Nummer und unterhaltsam ist sie allemal.
  • Mit der "Country Road" beschreibt Taylor eine Straße, welche zum McLean Hospital führt. Ebenda wurde Taylor 1965 wegen Depressionen behandelt. Für Taylor war Country Road ein wichtiger Song, er hatte ihn lange in seinem Live-Repertoire.
  • "Oh! Susanna" ist ein legendärer Folk-Song von Stephen Foster. Die Version von Taylor ist äußerst interessant aufgebaut, sie pendelt zwischen klassischen Pickingphrasen und jazzigem Comping.
  • "Fire and Rain" erreichte damals Rang drei der Billboard 100, es folgten unzählige Coverversionen anderer Künstler (von Al Jarreau und Blood Sweat And Tears über Pink bis hin zu Nana Mouskouri und Vicky Leandros!). Ein vielschichtiger Song, in dem Taylor den Tod seiner ehemaligen Freundin Suzanne, seinen Kampf mit Drogensucht und Depressionen und letztlich eine Rückschau auf den Weg zu Ruhm und Glück beschreibt. Fire And Rain ist einer der stilprägenden Songs der frühen 1970er Singer Songwriter Szene.
  • "Blossom" wirkt sehr verspielt und locker, ist aber auch mit melancholischen Zwischentönen gespickt.
  • "Anywhere Like Heaven" ist ein Song, der an den Titelsong erinnert. Das gilt vor allem für die durch die Steelguitar erzeugte Country Note, der Song selbst ist jedoch im geläufigeren 4/4Takt geschrieben.
  • "Oh Baby, Don't You Loose Your Lip On Me" ist ein kurzer Akustik-Blues. Ein unverbindlicher Song, den man als eine Art Lückenfüller betrachten kann.
  • Die "Suite for 20 G" wurde von Taylor als Anspielung darauf geschrieben, dass man ihm die Fixsumme von 20.000 Dollar für die Fertigstellung des Albums garantierte. Er packte die Ideen für drei Songs zusammen, um mit diesem Song das Album zu komplettieren und die versprochene Summe zu erhalten. Der Song ist dementsprechend ein eher unverbindlicher Song, der an Popsounds der späten 1960er erinnert.

Fazit Sweet Baby James gehört zu den Meilensteinen der Rock und Popgeschichte. So ein Album kann Fluch und Segen zugleich sein. Taylor definierte den klassischen Singer Songwriter der frühen 1970er, er legte zumindest eine Blaupause für viele Kollegen vor. Taylor legte damit aber auch ein Album vor, welches ihn praktisch für alle Zeiten definierte: der Mann mit der weichen und warmen Stimme, den etwas mollgetränkten Songs, und einer nicht immer sehr aufregenden Mixtur aus Folk, Country, Gospel und Blues. Aus der Nummer kam Taylor nie mehr so richtig raus, auch wenn er sicherlich mehr zu bieten hatte. Man kann praktisch wahllos ein Album aus Taylors Diskografie ziehen und erhält in der Regel ein ordentliches Album. Trotz einiger schwächerer Momente (wie der Suite For 20G), hat Taylor aber selten besser als hier geklungen.

Trackliste

  1. Sweet Baby James 2:54
  2. Lo and Behold 2:37
  3. Sunny Skies 2:21
  4. Steamroller 2:57
  5. Country Road 3:22
  6. Oh! Susanna (Stephen Foster) 1:58
  7. Fire and Rain 3:20
  8. Blossom 2:14
  9. Anywhere Like Heaven 3:23
  10. Oh Baby, Don't You Loose Your Lip on Me 1:46
  11. Suite for 20 G 4:41

Alle Songs von James Taylor, sofern nicht anders notiert.

Rezensent: MP

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