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Albumbesprechung Television - Marquee Moon

Interpret: Television

Titel: Marquee Moon

Erscheinungsjahr: 1977

Genre: Post Punk, Rock, Alternative Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Marquee Moon ist der Titel des Debütalbums der US-Band Television. Das Album erschien im Jahr 1977. In ihrem Heimatland reichte es nicht für die Billboard 200, dagegen erreichten Television in Großbritannien sowohl mit dem Album als auch den beiden Singles Prove It und Marquee Moon die Top 30. Schon im Jahr des Erscheinens wurde das Album in den meisten Polls sehr hoch gelistet, heute wird das Album zu den Meilensteinen der Rockmusik gezählt. Die Band war aber aufgrund des schlechten kommerziellen Erfolgs in den USA derart frustriert, dass sie sich im Jahr 1978 auflöste.

Eingespielt wurde das Album von Billy Ficca (Drums), Richard Lloyd (Gitarre, solo auf 1,4,5 und 6 sowie Gesang), Fred Smith (Bass, Gesang) und Tom Verlaine (Gitarre, solo auf 2,3,4,7 und 8, Keyboards, Leadgesang). Die Band war zu dem Zeitpunkt in der New York CBGB Szene eine echte Hausnummer. CBGB dieser Zeit bedeutete in der Regel etwas mit einem Bezug zur Punk-Musik. Aber die Band war weder eine Punk Band, noch war sie wirklich Teil der Post Punk Szene. Obwohl zu der Zeit der klassische Rock tot zu sein schien, klangen gerade Television sehr nach Classic Rock. Stellenweise wirkten ihre Arrangements sogar Prog-Rock like komplex, aber Television waren weder das eine noch das andere.

Nach Ansicht vieler Fachleute waren Television vor allem eine gute Gitarrenband, vielleicht eine der einflussreichsten jener Zeit. Interessant die gegensätzliche Herangehensweise von Verlaine und Lloyd: Verlaine versuchte viel und spielte "aus dem Bauch", während Lloyd seine Solobeiträge durchaus komponierte/ausnotierte. Vor allem The Edge soll tief beeindruckt gewesen sein, sein typischer Sound war u. a. ein Ergebnis des Spannungsspiels von Lloyd und Verlaine.

Ansonsten bildete vor allem Verlaine den bestimmenden Faktor in der Band. Er betätigte sich zusammen mit Andy Johns als Produzent, er schrieb den Großteil der Musik und textete das komplette Material. Dabei verzichtete er auf gängige Punk Klischees ebenso, wie auf romantische Classic Rock Themen. Im Grunde lieferte er eine Bestandsaufnahme des Lebens in Lower Manhattan, welche praktisch das gesamte Album in Form eines Konzeptalbums durchzieht.

Musikalisch wurde viel probiert, die Band hatte im Verlauf der Jahre einiges an Material erarbeitet. Vieles davon wurde wieder verwofen, bewährtes Material wurde allerdings übernommen (wie Friction, Venus, Marquee Moon), relativ neu im Studio entstanden z. B. Guiding Light und Torn Curtain.

Die Songs

"See No Evil" beginnt mit einem relativ klassischen Rockriff. Auch das Solo von Lloyd orientiert sich mehr oder weniger stark am klassischen 60s/70 Rock.

"Venus" war zu dem Zeitpunkt einer der ältesten Bandsongs, Verlaine hatte diesen Song angeblich schon vor Bandgründung geschrieben. Relativ witzig die Arpeggio-Figuren, die sich Kollege Slash vielleicht unbewusst reingezogen haben könnte. Die Basis bildet interessanterweise ein Pianothema, dessen linke und rechte Hand Verlaine auf zwei Gitarren übertrug.

"Friction" gehörte auch zu den älteren Bandsongs. Der Song klingt mit den für Verlaine typischen absteigenden Skalenläufe und squeezy Interludes leicht avantgardistisch.

Der ebenfalls ältere Song "Marquee Moon" beendete die A-Seite der LP. Der Song hatte im Original über 10 Minuten Laufzeit, für die LP wurde er kürzt (auf späteren CD-Releases gab es den Song in der Regel in Originallänge). Je länger der Song wird, umso stärker der Jam-Rock Charakter. Gerade in solchen Parts macht sich das bemerkbar, was viele Fachleute als eine Art Prog-Rock umschrieben.

"Elevation" war eine neuerer Track. Die Band spielte auf dem langsamen Song mit tricky Rhythmen, das gedoppelte Solo von Lloyd sollte einen Leslie Effekt erzeugen. Den hat letztlich aber Andy Johns durch Hin- und Herschwingen der Aufnahmemikros erzeugt.

"Guiding Light" war ein weiterer neuerer Song. Musikalisch präsentierte Verlaine allerdings eine etwas antiquierte Ballade, welche sich stark an vergleichbarem Material der 50s orientierte.

"Prove It" wird ebenfalls durch ein gutes 50s Feel geprägt. Die scheinbar spanisch anmutenden Arpeggioparts kennt man zumindest aus den 50ern bzw. frühen 60s (Stand By Me…).

"Torn Curtain" ist, nach Ansicht vieler Zeitzeugen, einer der getragensten Television Songs. Verlaine wollte eine Ballade schreiben, welche einen Gegensatz zur 50s Dur Ballade Guiding Light darstellen sollte. Das ist ihm in jedem Fall gelungen. Der Song ist, wie der letzte Song der A-Seite, ein vergleichsweise längerer Song mit einem gewissen Jam-Charakter und hier wiederum einer subtilen Prog-Note.

Fazit Was Tom Verlaine und seine Band mit Marquee Moon präsentierten, war eigentlich nichts ganz Neues. Immerhin schöpften sie "nur" aus dem Fundus der Rock und Popmusik von den 50ern bis zu den frühen 70ern. Allerdings war die Präsentation ziemlich einzigartig. Das Gitarrengespann Lloyd und Verlaine produzierte eine interessante Spannung, Verlaine verlieh den Songs mit seinem klagenden und leicht brüchigem Gesang eine individuelle Note. Und wenn eine Band bei Kritikern sowohl als Punk/Post Punk als auch Prog-Rock (!) durchgeht, dann muss es sich um ein besonderes Album handeln. Das ist Marquee Moon in jedem Fall.

Trackliste

  1. See No Evil 3:56
  2. Venus 3:48
  3. Friction 4:43
  4. Marquee Moon 9:58
  5. Elevation 5:08
  6. Guiding Light (Tom Verlaine und Richard Lloyd) 5:36
  7. Prove It 5:04
  8. Torn Curtain 7:00

CD reissue 2003 bonus tracks

  1. Little Johnny Jewel (Parts 1 & 2) 7:09
  2. See No Evil (alt. Version)4:40
  3. Friction (alt. Version) 4:52
  4. Marquee Moon (alt. Version) 10:54
  5. Untitled (instrumental)3:22

Alle Songs von Tom Verlaine sofern nicht anders notiert

Rezensent: MP