Anzeige

Albumbesprechung U2 - No Line On The Horizon

Interpret: U2

Titel: No Line On The Horizon

Erscheinungsjahr: 2009

Genre: Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

No Line on the Horizon ist das zwölfte Studioalbum der Band U2. Es erschien im Februar 2009 nach einer recht langen Pause. Nach Bandangaben begannen die Arbeiten zum Album schon im Jahr 2006. Die Arbeiten wurden an unterschiedlichen Orten durchgeführt, die Band holte sich irgendwann wieder Brian Eno und Daniel Lanois mit ins Boot, die sich beide in den Songwritingprozess einbringen durften.

Das Album selbst muss wieder einmal als recht guter Erfolg bezeichnet werden. Auch wenn die Kritiker nicht durchgängig begeistert waren, so verkaufte sich das Album im Downloadzeitalter vergleichsweise gut. In 30 Ländern schoss das Album von 0 auf 1, das ist nach wie vor mehr als beachtlich. Dennoch zeigte sich die Band später von den Verkaufszahlen enttäuscht. Vor allem Bono war enttäuscht, dass No Line On The Horizon z. B. im UK nicht einmal 30% der Zahlen von How to Dismantle erreichte. The Edge sah es nicht so eng. Er bemerkte richtigerweise, dass das Album aufgrund fehlender großer Hits über die Jahre reifen würde und sich der Wert des Albums für Musikhörer erst dann offenbaren wird. Da hat The Edge recht, es geht um Inhalte und nicht um Umsätze, Herr Bono.

Die Songs

Der Titelsong "No Line On The Horizon" und "Magnificient" knüpfen musikalisch an die Vorgängeralben an, wobei man den Arrangements die Mitarbeit von Eno und Lanois anmerkt. "Moment of Surrender" und "Unknown Caller" thematisieren Drogen und Drogensucht. Moment Of Surrender wurde angeblich in einem Take aufgenommen und ist, nach seinen Angaben, Bonos Lieblingssong. Unknown Caller erinnert aufgrund der Gitarrenvoicings etwas an die Joshua Tree Phase. "I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight" ist ein Track von Eno, welchen die Band aber noch nachbearbeitete. Der Text beinhaltet Parts von Obamas Wahlprogramm.

"Get on Your Boots" lebt vom Gitarrenriff von The Edge. Der Song geht gut ab und knüpft da an, wo Vertigo aufhörte. "Stand Up Comedy" besteht aus einem Mix diverser Ideen. Man fügte zum Beispiel den "For Your Love" Chorus ein und nahm letztlich eine rohere Version des Songs aufs Album, die nicht ganz so künstlich gestückelt klang. "Fez - Being Born" klingt sehr experimentell und orientalisch. Aus meiner Sicht dürften sich Eno und Lanois hier sehr stark eingebracht haben. "White as Snow" basiert auf dem Traditional "Veni, veni, Emmanuel". Der Song ist anfangs experimentell gestaltet, danach bleibt der Song ruhig und balladesk. "Breathe" hat Bezug zu James Joyce's Novelle Ulysses. Musikalisch erinnert das an die 1960er mit einem gewissen Who-Touch. "Cedars of Lebanon" befasst sich mit dem Thema Krieg. Die Melodie basiert auf dem Sample Against The Sky, einen Song den Eno und Lanois für ein Harold Budd Album geschrieben hatten.

Fazit Dass Bono von den Verkaufszahlen enttäuscht war, überrascht mich ehrlich gesagt nicht. Der Mann scheint doch sehr am Geschäft interessiert zu sein. Das ist letztlich aber egal, es kommt auf den musikalischen Output an. Und da würde ich The Edge vollumfänglich zustimmen: dem Album fehlen die ganz großen Hits, es lebt von der Gesamtheit der Songs. Und die ist gut. U2 experimentieren mit diversen Stilen, die Hinzunahme von Eno und Lanois hat dem Album sichtlich gut getan. Heraus gekommen ist ein schönes Album, auf dem U2 immer wieder aus einzelnen Schaffensphasen zitieren - von Boy über Unforgettable Fire und the Josuah Tree bis hin zu Achtung Baby oder dem Vorgänger How To Dismantle An Atomic Bomb. Und das alles, ohne großartig anachronistisch zu werden.

Trackliste

  1. No Line on the Horizon 4:12
  2. Magnificent 5:24
  3. Moment of Surrender 7:24
  4. Unknown Caller 6:03
  5. I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight 4:14
  6. Get on Your Boots 3:25
  7. Stand Up Comedy 3:50
  8. Fez - Being Born 5:17
  9. White as Snow 4:41
  10. Breathe 5:00
  11. Cedars of Lebanon 4:13

Rezensent: MP