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CD Besprechung Westernhagen - Williamsburg

Interpret: Westernhagen

Titel: Williamsburg

Erscheinungsjahr: 2009

Genre: Deutsch-Rock

Bewertung: Wertung: 5 von 10 Sternen

(5/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Williamsburg ist ein Album von Westernhagen, welches im Oktober 2009 veröffentlicht wurde. Wieder ließ sich Westernhagen vier Jahre Zeit für das neue Album. Nachdem Westernhagen mittlerweile das 6. Lebensjahrzehnt überschritten hat, wollte er sich Träume verwirklichen. Er begab sich zu den Wurzeln des Rock in die USA und suchte gute Musiker. Tatsächlich konnte er einige Studiomusiker für das Album gewinnen. Aber ich denke, er hätte gerne den einen oder anderen richtig bekannten Musiker gehabt. Das hat nicht funktioniert. Allein Bryan Adams dürfte dem breiten Publikum bekannter sein - aber der steuerte lediglich Photos für das Cover bei.

Die Songs:

Mit dem Opener Hey, Hey macht Westernhagen sein Ansinnen wahr. Das klingt nach swampigem Bluesrock. Musikalisch geht das in Ordnung - textlich und gesanglich passt es nicht immer optimal. Auch Schinderhannes frönt musikalisch dem US-Rock. Auch hier gibt es musikalisch nicht viel auszusetzen. Während der Gesang soweit in Ordnung geht, offenbaren sich textlich wieder einige Schwächen. Mit beiden Füssen auf dem Boden lässt stark nach. Musikalisch klingt der Song sehr klischeebehaftet, textlich passt wenig. Komm Schon klingt wie eine Mischung aus Stoppok und Helge Schneider - wobei beide Musiker alleine glaubhafter gewesen wären. Auch Liebeswahn kommt nicht aus dem Mittelmaß heraus. Es handelt sich zweifellos um eine nettes Stück für Akustikgitarre, aber irgendwie kann Westernhagen nicht überzeugen. Typisch du erinnert an den frühen Westernhagen. Das klingt ordentlich und erinnert angenehm an alte Zeiten.

Leider enttäuscht Zu Lang Allein wieder komplett. Der Song zündet überhaupt nicht. Wir haben die Schnauze voll überrascht dafür positiv. Der Text passt gut zur Musik, die Slidegitarre-Beiträge sind erste Sahne. Zu dem Song Heute Nacht fehlen mir die Worte. Die alten Schmalzklischees schmerzen fast schon etwas. Obwohl Westernhagen mit Liebe Stinkt musikalisch mit einem guten Swamp-Rock wieder zulegt, passt auch hier die textliche Integration nicht gut. Den Refrain würde ich als misslungen bezeichen. Ein Mann zwischen den Zeilen ist netter Deutschrock, während Aus Dir Mutter etwas unaufregend an alte Balladen erinnert.

Fazit Die Grundkonzeption von Williamsburg ist vielversprechend. Westernhagen ging in die USA, holte sich dort professionelle musikalische Mitstreiter und wollte ein stark nach USA klingendes Album machen. Das klappt nicht durchgängig. Allen durchaus gelungenen Anleihen an Blues, Swamp und New-Orleans Feeling zum Trotz, gräbt Westernhagen auch tief in der eigenen Geschichte. Leider kann er in keiner Richtung komplett überzeugen. An den Musikern liegt es nicht. Die kommen perfekt und sehr professionell auf den Punkt. Auch die Produktion ist gut. Aber Westernhagen ist Westernhagen. Sein Gesang ist und bleibt Geschmackssache. Textlich funktioniert es auf Williamsburg weniger gut. Das ist mittlerweile zu einem grundlegenden Problem geworden - die Texte fügen sich einfach nicht in die Musik ein. Wo er früher mal locker einen ordentlichen Text mit einem coolen Song zusammenbrachte, demonstriert Westernhagen heute mehr Schwächen als Stärken.

Trackliste

  1. Hey, Hey
  2. Schinderhannes
  3. Mit Beiden Füssen Auf Dem Boden
  4. Komm Schon
  5. Liebeswahn
  6. Typisch Du
  7. Zu Lang Allein
  8. Wir Haben Die Schnauze Voll
  9. Heute Nacht (Feat. Della Miles)
  10. Liebe Stinkt
  11. Ein Mann Zwischen Den Zeilen
  12. Aus Dir Mutter

Rezensent: MP

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