Anzeige

Albumbesprechung Wishbone Ash - Nouveau Calls

Interpret: Wishbone Ash

Titel: Nouveau Calls

Erscheinungsjahr: 1987

Genre: Instrumental, Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Nouveau Calls ist der Titel eines Albums der Band Wishbone Ash. Das Album erschien im Jahr 1987.

Das Album erschien in der klassischen Wishbone Ash Besetzung mit Martin Turner (Bass, Lead-Gesang), Ted Turner (Gitarren, Gesang), Andy Powell (Gitarren, Gesang) und Steve Upton (Drums). Das kam für Wishbone Ash Fans nach der langen Funktstille einer Sensation gleich. Die Hoffnungen waren sehr groß, dementsprechend enttäuscht waren die meisten Fans dann von dem, was Nouveau Calls brachte.

Es war ein besonderes Album. Die Band bestand in der Form schon lange nicht mehr, die Jungs standen meines Wissens auch nicht mehr in Kontakt. Miles Copeland suchte für das Label IRS bzw. dessen Sublabel No Speak gute und vor allem zugkräftige Instrumentalcombos und erinnerte sich bald an Wishbone Ash, die er früher managte. Upton und Powell waren nicht abgeneigt. Auch Martin Turner war grundsätzlich offen, er stellte jedoch Bedingungen: die Originalbesetzung sollte es sein und er wollte das Album produzieren. Die Originalbesetzung bedeutete neben Martin Turner, Upton und Powell auch Ted Turner. Der war wohl schwerer zu überzeugen, zumal er in den USA lebte und dort gerade umzog. Nach gutem Zureden sagte aber auch Ted Turner zu.

Nun ging es an das Album, welches auch für Wishbone Ash eine ungewöhnliche Sache war. Ein komplett instrumentales Album war auch für die diese Band etwas Besonderes, dem man mit dem Wortspiel Nouveau Calls Tribut zollte (Nouveau Calls ähnelt in der englischen Aussprache No Vocals, Nouveau steht aber auch für Neu/Neuartig).

Powell und Martin Turner schrieben den Großteil der Songs und die Band war letztlich wohl ebenso zufrieden mit dem Output wie Labelchef Miles Copeland. Martin Turners freute sich gem. seinen Erinnerungen an den allgemein guten Kritiken. Die Wahrheit sieht vielleicht nicht ganz so rosig aus. Bei Kritikern stieß dieses Album auf wenig Gegenliebe, viele Fans kamen mit der rein instrumentalen Ausrichtung eher schlecht zurecht und insgesamt muss man das Album kommerziell als einen Flop bezeichnen. Dafür war die folgende 1988er Tour ein großer Erfolg und Nouveau Calls läutete damit eine große Reunion der Band ein (was später leider in bitteren Streitereien endete, aber das ist eine andere Sache…).

Musikalisch enttäuschen die Jungs eigentlich nicht. Da treffen alte Qualitäten und Sounds auf die von Martin Turner erwähnten individuellen Weiterentwicklungen. Da schlägt sich natürlich auch in der Nutzung des Equipments aus, die Gitarrensounds erinnern mich oft an die Effekte des damals gerne benutzten Alesis Quadraverb.

Qualitativ würde ich das Album spontan dreiteilen. Da sind einmal äußerst gut gelungene Instrumentals wie Tangible Evidence, Clousseau, In The Skin, Something's Happening in Room 602 und The Spirit Flies Free. Die pendeln zwischen groovigem Rock bis hin zu fast schwelgerisch-hymnischen Gefühl auf The Spirit Flies Free. Danach würde ich Tracks wie Soho To Sunset, Arabesque, Johnny Left Home Without It und Real Guitars Have Wings ansiedeln. Diese Tracks klingen gut, erreichen aber nicht die Klasse der vorgenannten Gruppe. Dann wären noch die beiden Songs Flags Of Convience und A Rose Is A Rose, welche doch mehr Längen als aufregende Momente aufweisen.

Fazit Mit der Grobeinteilung wird relativ klar, wie meine Einschätzung ist: better than the average. Aber dazu muss ich einmal mehr sagen: ich mag Gitarrenmusik. Davon gibt es hier, wie zu erwarten, eine Menge und es ist eine Art Transposition des alten Sounds in die Neuzeit. Man denke sich z. B. Instrumentals von New England, nutze neues Equipment und erhält einen vergleichsweise anderen Sound. Das sind aber immer noch Wishbone Ash, ein Jeff Beck auf Guitar Shop klingt im Vergleich dazu fast schon brachial. Bei Wishbone Ash strömt das immer diese gewisse perfekte Leichtigkeit aus und manchmal verliert sich die Band dann auch irgendwo in instrumentaler Schönheit. Aber das ist auch eine Art Trademark dieser Band. Nouveau Calls ist am Ende eben Wishbone Ash ohne Gesang…

Trackliste

  1. Tangible Evidence 4:22
  2. Clousseau 3:41
  3. Flags of Convenience 4:32
  4. From Soho to Sunset 3:27
  5. Arabesque 4:31
  6. In the Skin 4:52
  7. Something's Happening in Room 602 3:34
  8. Johnny Left Home Without It 3:40
  9. The Spirit Flies Free 3:45
  10. A Rose is a Rose 3:40
  11. Real Guitars Have Wings 3:13

Rezensent: MP