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Albumbesprechung Frank Zappa - Hot Rats

Interpret: Frank Zappa

Titel: Hot Rats

Erscheinungsjahr: 1969

Genre: Jazz-Rock

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Hot Rats ist der Titel eines Albums von Frank Zappa. Das Album wurde 1969 veröffentlicht. Für Zappa selbst dürfte dieses Album der Durchbruch gewesen sein. In Großbritannien erreichte das Album immerhin die Top 10, was die beste Platzierung eines Zappa Solo-Albums war. In den USA dagegen hielt sich der Erfolg in Grenzen, es reichte dort gerade einmal für den Einstieg in die Billboard-200-Charts.

Zappa Alben sind grundsätzlich sehr spezielle Alben. Das gilt auch für Hot Rats, obwohl Zappa gerade für dieses Album kurzzeitig enttäuscht Abschied von seiner Art Avantgarde nahm. Zappa zeigte sich enttäuscht vom geringen Zuschauerzuspruch für seine avantgardistischen Vorgängeralben und versuchte sich hier in einem, für seine Verhältnisse, relativ eingängigen Album. Heute wird das Album allgemein dem Jazz-Rock zugeordnet. Fachleute sind sich nicht ganz einig, ob das im selben Jahr erschienene Bitches Brew von Miles Davis das erste Jazz-Rock/Jazz-Fusion Album der Geschichte ist oder Hot Rats von Zappa. Egal wie man die Frage nun beantwortet: Zappa gilt seither auch als einer der Initiatoren des Jazz-Rock.

Hot Rats wurde ein nahezu komplett instrumentales Album (Ausnahme das von Captain Beefheart gesungene Willie The Pimp) und zugleich ist Hot Rats ein für Zappas Verhältnisse erstaunlich eingängiges Album. Obwohl er sich oft in langen Improvisationen erging, verzichtete Zappa weitestgehend auf die patchworkartigen Collagen und Musique Concrete Elemente, mit denen er zuvor ausgiebig experimentierte. Nicht unwichtig ist außerdem, dass Zappa auf Hot Rats auf die damals neueste Studiotechnologie setzte. Das war zu der Zeit die 16-Spur Maschine, die ihm enorme Möglichkeiten offerierte.

Wie erwähnt ist Hot Rats als Soloalbum von Zappa zu bezeichnen. Vor Release hatte er die Mothers Of Invention aufgelöst, auf dem Album war aber in Ian Underwood (Piano, Pipe Organ/Organus Maximus, Flöte, Klarinetten, Saxofone) ein alter Wegbegleiter dabei. Mit dabei waren außerdem Captain Beefheart (Gesang auf Track 2), Sugarcane Harris (Violine), Jean-Luc Ponty (Violine), die Drummer John Guerin, Paul Humphrey und Ron Selico sowie die Bassisten Max Bennett und Shuggy Otis. Interessant ist der Name Shuggy Otis. Shuggy ist der Sohn des berühmten Johnny Otis. Den hatte Zappa als eine Art Bandleader ins Boot geholt und über Johnny Otis kam der Kontakt zu Shuggy, aber auch zu Sugarcane Harris, zustande.

Die Songs

  • "Peaches en Regalia" wirkt wie eine kurze Ouvertüre. Zappa packte die Möglichkeiten damals verfügbarer Technik in den Song und präsentierte ein dichtes Arrangement zwischen Jazz-Rock und Prog Rock. Der Song gehört zu den Klassikern im nicht gerade kleinen Zappa Katalog.
  • "Willie The Pimp" ist der einzige nicht rein instrumentale Song des Albums, den Gesang übernimmt Captain Beefheart. Wie Peaches En Regalia gehört Willie The Pimp zu den bekanntesten Zappa Songs. Der Song erzählt von Zuhälter Willie, der seine Frauen feilbietet. Ein bissiger und gleichzeitig witziger Song. Musikalisch bietet Zappa einen bunten Strauß aus Riffrock, klassisch anmutenden Jazz-Basslines, bluesigen Violinparts, kratzigen Scatparts von Beefheart sowie einen ausgiebigen Solopart des Meisters himself.
  • "Son of Mr. Green Genes" ist als Fortsetzung des Songs Mr. Green Genes vom Album Uncle Meat zu sehen. Wieder ein Song mit einem üppigen jazz-rockigen Arrangement, dazu gibt es wieder ausgiebige (rockige) Soloparts von Zappa.
  • "Little Umbrellas" ist noch klarer strukturiert, paradoxerweise ist der Song aber recht komplex aufgebaut. Es ist wieder so ein Song, der zwischen Jazz-Rock und Prog-Rock tänzelt.
  • "The Gumbo Variations" ist der Kernsong des Albums. Dieser Jam-Song läuft über 16 Minuten. Zu relaxten Basslines gibt es viele improvisiert wirkende Solobeiträge. Hier dürfen sich neben Zappa auch Saxofonist Ian Underwood, Violinist Sugarcane Harris sowie in kleinere Maß Drummer und Bassist einbringen. Die Gumbo Variations stellen zeitgemäße Jazz-Rockkunst dar, würde ich mal sagen. Aber für heutige Maßstäbe ist es auch ein verdammt langer Track.
  • "It Must Be A Camel" ist ein weiterer kurzer Song. Der Song ist wiederum komplex aufgebaut und, im direkten Vergleich etwa zu Little Umbrellas, nicht ganz so eingängig.

Fazit Zappa legte mit Hot Rats einen Meilenstein der modernen Rockmusik vor. Ob es nun das erste Jazz-Rock Album der Geschichte ist oder nicht, erscheint dabei fast schon nebensächlich. Im Erscheinungsjahr war es zweifellos etwas relativ Neues und Zappa kann man damit getrost auch als Pionier des Jazz-Rock (und vielleicht sogar des Prog) bezeichnen. Was er als Komponist vorlegt, hat einfach eine spezielle Klasse. Und Zappa bewies bei der Auswahl der ins Studio bestellten Musiker ein mehr als gutes Händchen. Den guten Ruf und guten Erfolg des Albums dürfte m. E. vor allem Zappas Zugeständnis an den Hörer ausgemacht haben. Auf seine Art ist Hot Rats, wenngleich mit ein paar Längen versehen, einer der besten Zugänge ins nicht immer einfach zu verstehende Zappa Universum.

Trackliste

  1. Peaches En Regalia 3:37
  2. Willie The Pimp 9:16
  3. Son Of Mr.Green Genes 09:00
  4. Little Umbrellas 03:03
  5. The Gumbo Variations 16:57
  6. It Must Be A Camel 05:16

Hinweis: Die Lauflängen der Songs auf der Original-Platte unterscheiden sich von den Laufzeiten der CD-Version

Rezensent: MP

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