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Albumbesprechung Bee Gees - Spirits Having Flown

Interpret: Bee Gees

Titel: Spirits Having Flown

Erscheinungsjahr: 1979

Genre: Disco, Pop, Funk/Soul

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Spirits Having Flown ist der Titel des 15. Bee Gees Albums. Das Album erschien im Jahr 1979, sozusagen auf dem Höhepunkt der Popularität der Brüder Gibb, zuvor legten sie den überaus erfolgreichen Soundstrack zu Saturday Night Fever vor.

Spirits Having Flown gehört zu den erfolgreichsten Alben der Gibbs, es gelangte in praktisch allen wichtigen Charts auf Rang 1. Ebenso schafften die Singles Too Much Heaven, Tragedy und Love You Inside Out in den meisten Ländern die Spitzenposition. Die Verkaufszahlen des Albums liegen bei über 20 Millionen Einheiten.

Damit waren die Bee Gees sicherlich an einem ihrer Ziele angekommen: sie wollten so groß sein, wie die Beatles. Kommerziell waren sie damit auf Kurs, aber die Musikwelt ist schon etwas undankbar. Nach dem Album ging die Kurve nach unten, in den frühen 1980ern fanden die Bee Gees praktisch nicht mehr statt, was von der Band als böser Boykott der Industrie bzw. als eine Art Zensur empfunden wurde.

Vielleicht war ihr Style nicht mehr gefragt, aber möglicherweise lag es auch an dem Brüdertrio selbst. Schon bei den Aufnahmen zu dem Album schien es nicht mehr so richtig zu stimmen. Auch wenn alle drei Brüder als Songwriter genannt wurden, war vor allem Barry Gibb der Macher. Er schrieb den Großteil des Materials, produzierte es und sang in der Regel die Leadstimmen (nur auf Living together übernahm Robin die Leadstimme). Im Hintergrund war wohl am ehesten Robin Gibb am Prozess beteiligt, Maurice Gibb brachte sich (gesundheitsbedingt) nur bedingt ein.

Barry gab auch insofern den Kurs vor, als er mit dem Stempel der Discoband nicht leben wollte. Er wollte zeigen, dass die Bee Gees gute Popsongs schreiben können, Balladenkönige sind bzw. mit großem Bläsersatz auch als eine Art R&B bzw. Blue-Eyed Soul Truppe durchgehen konnten.

Tatsächlich war es so, dass die Band noch etwas im Fahrwasser des Saturday Night Fever Sounds war, sich aber doch deutlich weiterentwickelte. Das klang alles äußerst selbstbewusst, schon zu Beginn tritt die Band mit dem großangelegten Tragedy einen mächtigen Dance-Track los. Ebenfalls gut tanzbar waren daneben aber eigentlich nur Search Find und Love You Inside Out. Ihnen fehlen aber die großen Disco Elemente.

Eine andere Art Groove gibt es auf dem exzellenten Spirits (Having Flown) mit interessanten CSNY oder Steely Dan Vokalharmonien sowie dem fröhlich funky tänzelnden Living Together. Souliger mit Anleihen an Stevie Wonder groovt I'm Statisfied.

Und dann gibt es auch noch die Balladen: das soulige AOR Monster Too Much Heaven, das etwas schmalzige Reaching Out, das soul-gospelige Stop Think Again und Until.

Fazit Die Bee Gees gibt es bekanntlich in verschiedenen Soundformaten, ich mochte vor allem die frühen Bee Gees. In der Phase von Spirits Having Flown befand sich die Band nach dem Disco Megaseller Saturday Night Fever auf einer Wolke des Erfolgs. Barry Gibb löste sich trotzdem weitestgehend vom Erfolgs-Discosound, was durchaus ein gewisses Risiko darstellte. Er war damals aber in der Lage, jederzeit perfekte Popmusik abzuliefern. Das beste Beispiel ist der Titeltrack dieses Albums. Abseits davon bleibt (zumindest für mich) der sehr spezielle Falsett-Gesang, etwas aufgeblasene Balladen und ein insgesamt etwas überproduziertes Gesamtalbum. Die Verkaufszahlen und die allerorten zu findenden guten Kritiken weisen aber auf einen Meilenstein der Rockmusik hin. Nicht mehr und nicht weniger ist das Album dann auch, ob man die Bee Gees der Zeit nun mag oder nicht.

Trackliste

  1. Tragedy 5:03
  2. Too Much Heaven 4:55
  3. Love You Inside Out 4:11
  4. Reaching Out 4:05
  5. Spirits (Having Flown) 5:19
  6. Search, Find 4:13
  7. Stop (Think Again) 6:40
  8. Living Together 4:21
  9. I'm Satisfied 3:55
  10. Until 2:27

Rezensent: MP