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CD-Kritik Björk - Debut

Interpret: Björk

Titel: Debut

Erscheinungsjahr: 1993

Genre: Art-Pop, House/Trip-Hop

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Debut ist das zweite Studioalbum der Isländerin Björk, es erschien im Jahr 1993. In der Regel wird dieses Album als das offizielle Debütalbum der Sängerin bezeichnet. Dabei fällt ihr erstes Album Björk aus dem Jahr 1977 unter den Tisch - vielleicht weil es eine relativ unausgegorene Sammlung von Coverversionen aus Folk und Rock enthielt.

Auf Debut arbeitete Björk eng mit dem Produzenten Nellee Hooper zusammen, der fünf Songs zusammen mit Björk schrieb. Inhaltlich geht es vor allem um Zwischenmenschliches, musikalisch ließ Björk auf Debut vor allem moderne Groovestile wie Trip Hop, Hip Hop und House einfließen. Außerdem waren gewisse Jazz-Einflüsse zu bemerken. Das lag daran, dass Björk Jazzmusiker darum bat, für das Album Jazz-Arrangements zu schreiben.

Debut wurde zu einem überraschenden Erfolg für Björk. In den UK-Charts erreichte sie Rang 3, in Kanada gab es immerhin Gold für das Album. Nur in den USA lief das Album anfangs nicht so gut. Allerdings konnten die Verkaufszahlen über die Jahre zulegen und Björk bekam in den USA im Jahr 2001 immerhin Platin für Debut.

Dennoch war man anfangs vor allem in Großbritannien sehr angetan vom Stil der jungen Isländerin, wobei man in der Regel ihren außergewöhnlichen Gesangsstil lobte. Aber es gab auch etwas zurückhaltendere Kritiken, welche dann in der Regel die fehlende Rockattitüde bemängelten. Björk selbst äußerte sich später eher zurückhaltend zum Album und bewertete es als nicht so gelungen, wie folgende Alben.

Die Songs

  • "Human Behaviour" besitzt ein gewisse Tribalnote, die sich durch den Song zieht. Darüber legt Björk ihre Gesangslinien, die unaufdringlich zwischen eingängigen und schrägen Passagen pendeln.
  • "Crying" nutzt einen witzigen Rhythmuspattern, der auch von einem billigen Keyboard stammen könnte. Dieser House/Technorhythmus in Verbindung mit den jazzigen Pianomotiven klingt recht interessant.
  • "Venus as a Boy" klingt mit eingängigen Streichersounds und den Vibraphonparts einerseits kommerziell, ist aber aufgrund der minimalistischen Struktur dennoch keine Mainstreamware.
  • "There's more to life than this" tendiert rhythmisch wieder zum House. Björk singt über den durchgängig gleichen Beat - der Gesang wurde auf der Toilette aufgenommen.
  • "Like Someone in Love" ist das Cover eines Jazz Songs von 1944. Björk versprüht tatsächlich ein äußerst authentisches Barjazzfeeling, bekommt aber auch hier die Kurve um modern genug zu klingen.
  • "Big Time Sensuality" ist wieder eine House Geschichte. Der Song klingt recht eingängig und kann nicht so recht überzeugen.
  • "One day" könnte man rhythmisch dem Trip Hop zuordnen. Wieder geht der Song o. k, kann sich aber nicht nachhaltig absetzen.
  • "Aeroplane" ist eine der interessantesten Nummern des Albums. Der Groove wirkt lässig und hat wenig mit House oder Hop zu tun. Dazu gibt es interessante Bläserparts, welche dem Song einen schrägen jazzigen Charakter verleihen.
  • "Come to me" ist erneut ein gefällig groovender Song mit minimalen Anleihen am smoothigen Jazz.
  • "Violently Happy" wurde ein recht großer Erfolg und lief in der Clubszene in London rauf und runter. Im Prinzip liefert Björk hier eine minimalistischen tanzbaren Popsong, der damit bei den Massen auch gut ankommen konnte.
  • "The Anchor Song" besitzt, wegen des Bläsereinsatzes, eine gewisse Ähnlichkeit zu Aeroplane. Interessant dabei ist vor allem das Frage- und Antwortspiel zwischen Björk und den Bläsern.
  • "Play Dead" ist ein vergleichsweise opulenter Song mit Streichersounds und schönen Keyboardsounds. Mit der klaren Struktur klingt der Song wie ein moderner Popsong der besseren Art.

Fazit Björk liefert mit Debut ein Debüt ab, das eigentlich keines ist. Es war ihre zweite Scheibe, die aber von der Musikwelt als Debüt angesehen wird. Nun ist Björk eine Musikerin, die polarisiert . Vor allem ihre stimmlichen Beiträge werden gerne kontrovers diskutiert. Aber eines kann Björk - überraschen. Sie macht in der Regel immer das, was ihr gerade so in den Sinn kommt. Diese extrem individuelle Note bemerkt man auf diesem Debütalbum noch nicht ganz so stark. Björk klingt zwar individuell und stellenweise etwas avantgardistisch, nutzt aber doch viele gängige Styles und Muster. Mir persönlich ist es etwas zuviel House und Hop. Musikalisch hätte es was anderes sein dürfen, aber Björk zeigt, dass sie auch im Dancebereich bestehen kann.

Trackliste

  1. Human Behaviour 4:10
  2. Crying 4:52
  3. Venus as a Boy 4:42
  4. There's More to Life Than This (Recorded live at the Milk Bar Toilets) 3:21
  5. Like Someone in Love 4:33
  6. Big Time Sensuality 3:57
  7. One Day 5:24
  8. Aeroplane 3:54
  9. Come to Me 4:55
  10. Violently Happy 4:59
  11. The Anchor Song 3:32

International Bonus Track

  • Play Dead 3:56

Japan Bonus Track

  • Atlantic 2:04
  • Play Dead 3:58

Rezensent: MP