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CD-Kritik Björk - Medulla

Interpret: Björk

Titel: Medulla

Erscheinungsjahr: 2004

Genre: Art-Pop, A-Capella, Avantgarde

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Medúlla ist das sechste Studioalbum von Björk, das Album erschien im Jahr 2004. Björk war zu dem Zeitpunkt schon als eine besondere Vokalartistin bekannt, auf diesem Album ging sie aber praktisch zur Gänze im A Capella Gesang auf. Damit landete sie einen Volltreffer - in etlichen Nationen ging es auf Rang 1 der Albumcharts, es gab zwei Grammy Nominierungen und die Kritiker waren äußerst zufrieden mit Björks Output.

Das Album ist schon etwas Besonderes. Zum einen besteht es, wie erwähnt, mehrheitlich aus A-Capella Musik. Björk gab sich inhaltlich außerdem angriffslustig und ging politisch durchaus in die Vollen. Unter anderem nahm sie klare Positionen zum Thema Rassismus und dem sehr speziellen Patriotismus in den USA nach den Anschlägen vom 11. September ein.

Die Songs

  • "Pleasure Is All Mine" wirkt mit den dichten Gesangsharmonien emotional und sakral, aber auch etwas schräg.
  • "Show Me Forgiveness" präsentiert Björk Solo. Sie singt ganz nach ihrem Gusto, der Song wirkt daher etwas sperrig, ist aber gut gelungen
  • "Where Is the Line" wirkt vor allem über dicke Chöre, Beatboxes und interessante Gesangslines
  • "Vökuró" wird von Björk auf isländisch mit Unterstützung des Icelandic Choir dargeboten. Mit den pastoralen Chören wirkt der Song folkig.
  • "Öll Birtan" ist ein kurzer Titel, der experimentell klingt. Björk nutzt hier die Vorzüge der Mehrspurtechnik und singt gegen sich selbst an.
  • "Who Is It (Carry My Joy on the Left, Carry My Pain on the Right)" wirkt mit eingängigen Melodien, dem Beatboxing und Backgroundchören fröhlich und relativ poporientiert.
  • "Submarine" ist ein Duett mit Robert Wyatt, wobei Wyatt m. E. etwas mehr im Zentrum des Geschehens steht als Björk.
  • "Desired Constellation" bietet subtile, synthieähnliche Sounds und den Sample einer Textzeile von Hidden Place (vom Album Vespertine).
  • "Oceania" wirkt groovig, überrascht aber auch mit außergewöhnlichen Backgroundchören, die ein sirenenartiges Ozeanfeeling hervorrufen.
  • "Sonnets/Unrealities XI" ist erneut ein kurzes Versatzstück mit schöner Melodie und pastoralen Chören.
  • "Ancestors" gehört zu den wenigen Songs mit einer Instrumentierung, hier ist es eine subtile Pianostruktur. Darüber summt sich Björk einen ab, es gibt wenig gesprochenen Text. Das klingt manchmal wie eine Biene im Flug und/oder eine dem Wahnsinn nahe Frau, Avantgarde a la Björk eben.
  • "Mouth's Cradle" besitzt eine interessante Repeatingfigur vom Synthie, darüber gibt es üppige Gesangsstrukturen mit sakralen Backgroundchören.
  • "Miðvikudags" ist ein minimalistischer Song, der aufgrund der klaren Struktur fast kinderliedähnlich wirkt.
  • "Triumph of a Heart" wirkt auf mich am modernsten, durch den omnipräsenten Einsatz des Beatboxing geht das stark in Richtung Dancefloor.

Fazit Medulla bietet keine Schonkost, aber wer würde das von Björk auch erwarten. Es ist letztlich ein typisches Björk-Album: entweder man liebt es oder man hasst es. A-Capella ist zudem eine sehr spezielle Sache und manchmal schwere Kost. Aber wieder einmal muss man sich eingestehen, dass Björk auch aus so einer Idee jede Menge herausholen kann. Dabei hat das Album nichts mit klassischem A-Capella Pop a la Flying Pickets zu tun, Björk ist Avantgarde. Sie singt das, was aus ihr herauskommt. Das ist mal eingängig, mal schräg. Auch für dieses Album gilt: entweder man hält es für Kunst oder Kitsch. Aus meiner Sicht ist es Kunst, aber es wirkt fast zwangsläufig auch etwas monoton. Nur Gesang, das ist einfach ein harter Tobak. Björk wird auch mit dem Album polarisieren, das dürfte zumindest sicher sein.

Trackliste

  1. Pleasure Is All Mine 3:26
  2. Show Me Forgiveness 1:23
  3. Where Is the Line 4:41
  4. Vökuró Jórunn Viðar, Jakobína Sigurðardóttir 3:14
  5. Öll Birtan 1:52
  6. Who Is It (Carry My Joy on the Left, Carry My Pain on the Right) 3:57
  7. Submarine 3:13
  8. Desired Constellation (Björk, Olivier Alary) 4:55
  9. Oceania (Björk, Sjón) 3:24
  10. Sonnets/Unrealities XI (Björk, E. E. Cummings) 1:59
  11. Ancestors (Björk, Tagaq) 4:08
  12. Mouth's Cradle 4:00
  13. Miðvikudags 1:24
  14. Triumph of a Heart 4:04

Japan/I Tunes Bonus Track

  • Komið 2:02

Alle Songs von Björk, sofern nicht anders vermerkt. Der Text von Sonnets/Unrealities XI basiert auf einem Gedicht von E. E. Cummings.

Rezensent: MP

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