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CD-Kritik Bucket Boys - Leavin' Gail

Interpret: Bucket Boys

Titel: Leavin' Gail

Erscheinungsjahr: 2011

Genre: Americana, Roots-Rock

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Leavin' Gail ist ein Album der Bucket Boys. Das mittlerweile siebte Album der Band erschien im Oktober 2011. Wenn von den Bucket Boys die Rede ist, dann fallen in erster Linie Begriffe wie Diesel And Dust, Highway, Route 66 und ähnliches. Es geht um Roots Rock bzw. Americana mit einem Mix aus Rock, Tex-Mex, Blues und etwas Country. Es ist der Soundtrack der Straße, dem man jeder US-Band zutraut, aber eigentlich keiner deutschen Band. Surprise: die Bucket Boys stammen aus Deutschland - aus Mönchengladbach um genau zu sein.

Was heißt in dem Fall Roots-Rock und Americana? Beim ersten flüchtigen Reinhören nimmt man Sounds in Richtung Tito & Tarantula aus After Dark Zeiten wahr, gesanglich fühlt man sich immer wieder an Willy De Ville erinnert. Bei genauerem Hinhören, muss man hier auch etwas weiter greifen. Die Band bekennt sich zum legendären Herman Brood, eine Sache, die man durchaus hören kann. Und sie bleibt stilistisch nicht in reinen Americana-Statements hängen.

Die Bucket Boys schielen zu keiner Zeit auf einen Innovationspreis, was der gewählten Stilistik aber eher zuträglich ist. Von deutschen Bands hört man eine solche Musik nicht gerade oft und vor allem nicht in der Authentizität. Das möchte ich gleich einmal vorwegnehmen. Denn bei den Bucket Boys stimmt so ziemlich alles. Musikalisch wirkt die Band homogen. Das gilt für die Instrumentalen Beiträge einschließlich des herrlich launigen Gesangs von Michael Lange. Auf Track 10, 15 und 16 singt Helge Lange in ähnlicher Weise, jedoch deutlich unterscheidbar zu Michael Lange. Die Parts von Petra Lange bilden, meines Erachtens, manchmal einen zu scharfen Kontrast zu den männlichen Gesangsparts. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.

Die Songs:

  • "Mr. Satin Love" bringt es musikalisch gleich auf den Punkt - cleane und perlende Gitarrenparts, ein DeVille ähnlicher Gesang. Das ganze wird durch einen herrlich relaxten Tex-Mex unterlegt - einen der amerikanischsten Tracks deutschen Ursprungs, die ich bislang hören durfte.
  • "Daydreams" geht nach indianischem Getrommel vergleichbar weiter, bietet rhythmisch aber mehr Abwechslung.
  • "Sittin' On My Backseat" wirkt wie ein Mix aus Tito und R.E.M.
  • Mit "Sweet Love" folgt gewissermaßen ein erster Ausbruch. Der funky Song wirkt auf mich wie ein Mix aus Red Hot Chili Peppers und Herman Brood.
  • "Santa Muerte" klingt, nomen est Omen, düster. Gerade hier erinnert mich die Band enorm an den seligen Herman - der Gesang von Langer klingt schön nach Brood, die Gitarrenparts erinnern durchaus an Riffs des genialen Dani Lademacher zu Saturday Night Zeiten.
  • Der Titelsong "Leavin' Gail" tendiert mit cleanen, tremologeschwängerten Singlenoteparts wieder stark in Richtung Americana - mit einer angenehmen Prise Blues und ersten deutlich angezerrten Riffs im Bridge/Refrainpart.
  • "Secret Life" erinnert mich, trotz der hispanischen Anzählung, mehr an eine Mix aus Brood und Ian Dury aus den späten 1970ern, denn an Tex Mex.
  • "She Is Young" verfügt wieder über eine ordentliche Prise Tex-Mex plus rockigen Riffs.
  • "I'm The Only" rockt schleppend und schwer, hier gibt es relativ stark angezerrte Gitarrensounds.
  • "Tequila" hängt, kaum überraschend, praktisch komplett im Tex Mex. Dazu gibt es schöne genretypische Akkordeonsounds und schrägen, alkoholgeschwängerten Gesang von Helge Lange mit witzigen Kazooparts.
  • "Wild" beginnt wie ein altes Gitarreninstrumental aus den 1950ern/1960ern mit einer gewissen Prise Surfrock und Anleihen an alte Filmmelodien - schöne Idee.
  • Angehängt sind hier noch fünf Tracks der Acoustic-Sessions der Band. Dabei wirken die Songs Cowboy und Leavin' Gail akustisch sehr jazzig mit einem deutlichen Latinflair. Schön groovig kommt Nightcoast daher, etwas unterschwellig unterstützt durch Maultrommelsounds. Summertime ist eine der hunderttausend Coverversionen dieses Jazzklassikers. Trotz Tex-Mexfeeling und interessanter Performance - irgendwann wird es mir zuviel mit Summertime. Zum Abschluss gibt es noch eine nette Ode an Irgendjemandes Girl.

Fazit Bei Alben aus dem Bereich Americana, Roots Rock und Co. kommt es weniger auf Innovation an, als vielmehr auf eine authentische Interpretation der Musik. Und wenn man die Bucket Boys ohne Hintergrundwissen anhört, würde man in jedem Fall eine US-Band vermuten. Das spricht für die Band und ihren authentischen Sound. Ich kenne bei weitem nicht jede deutsche Band, aber die Bucket Boys gehören meines Erachtens zu den deutschen Bands, die am originärsten nach Americana bzw. Roots-Rock klingen. Viel mehr muss man zu dem Album nicht sagen. Die Mönchengladbacher überzeugen - vor allem in der elektrischen Abteilung - vollauf.

Mehr Infos zur Band und zur CD: Bucket-Boys Website

Trackliste

  1. Mr. Satin Love 4:18
  2. Daydreams 3:16
  3. Sittin' On My Backseat 4:34
  4. Sweet Love 2:48
  5. Santa Muerte 4:31
  6. Leavin' Gail 2:34
  7. Secret Life 3:04
  8. She Is Young 3:25
  9. I'm the Only 3:18
  10. Tequila 5:31
  11. Wild 2:34

Acoustic session bonus tracks

  • Cowboy 3:24
  • Leavin' Gail 2:36
  • Nightcoast 3:12
  • Summertime 3:51
  • My Girl 1:36

Rezensent: MP