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Albumbesprechung Mario Cottarelli - prodigiosa macchina

Interpret: Mario Cottarelli

Titel: prodigiosa macchina

Erscheinungsjahr: 2007

Genre: Prog-Rock

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Prodigiosa macchina ist ein Album des Italienischen Multiinstrumentalisten Mario Cottarelli. Cottarelli (Jahrgang 1956, geboren in Cremona) kam über das Schlagzeug zur Gitarre und lernte außerdem noch Orgel spielen. In den frühen 1970ern befasste er sich näher mit der Harmonielehre und begann dann auch Songs zu komponieren. Stilistisch war er damals wohl extrem von den klassischen englischen und italienischen Progrock-Bands beeinflusst. Ende der 1970er wollte Mario ein eigenes Album aufnehmen, aber zu der Zeit war die Zeit der großen Prog-Bands vorbei und keiner wollte mehr ein Prog-Album produzieren. Nach einem Biologiestudium und verschiedenen musikalischen Arbeiten erwachte sein Interesse für den Prog anscheinend im Jahr 2005 wieder. Er machte sich an die Neuaufnahmen seiner alten Werke und brachte 2007 sein Debütalbum prodigiosa macchina heraus.

Durch diese Einleitung wird schon einmal klar, was einen musikalisch erwartet - klassischer Prog. Das besondere an dem Album ist sicherlich die Tatsache, dass Mario Cottarelli alles selbst eingespielt hat und auch selbst eingesungen hat. Das ist an sich bemerkenswert. Schon die Songaufteilung erinnert an viele Bands der frühen 1970er. Ein Song hätte damals eine komplette LP-Seite ausgefüllt. Dazu gibt es zwei Songs, die damals zusammen die zweite LP-Seite ausgefüllt hätten. Das war schon extrem gebräuchlich für das Genre.

Der Titelsong prodigiosa macchina ist mit fast 22 Minuten der längste Song des Albums. Der Song ist über die gesamte Länge sehr abwechslungsreich aufgebaut und erinnert immer wieder an klassischen englischen und italienischen Prog. Die Xylophonparts haben etwas von Oldfield. Im Mittelteil gibt es einen Part, der an King Crimson erinnert. Außerdem gibt es immer wieder leicht jazzige Anleihen. Der Mix aus rockigen Parts und ruhigeren Parts klingt über die gesamte Länge schön und abwechslungsreich. Ich würde den Song, trotz der Länge, fast schon als kurzweilig bezeichnen.

Il pensiero dominante klingt ganz interessant. Stilistisch erinnert Cottarelli anfangs an den klassischen ELP Sound, tendiert später aber stärker Richtung klassischer Genesis Sound. Wieder präsentiert Cottarelli viele interessante Parts mit rhythmisch interessanten Motiven.

i cori della via lattea ist der kürzeste Song des Albums. Cottarelli erinnert anfangs an klassischen Space Rock mit psychedelischen Einflüssen, die Lines danach erinnern soundmäßig wieder stark an Genesis. Das klingt erhebend und fast schon majestätisch schön. Die folgenden Orgelparts und die Wechsel von ruhigen und treibenden Parts wirken äußerst abwechslungsreich. Insgesamt stellt i cori della via lattea, aus meiner Sicht, den schlüssigsten und stärksten Track des Albums dar.

Fazit Musikalisch lässt sich Cottarelli nicht lumpen. Die Synthesizer- und Orgelparts klingen traditionell und gut, auch die Gitarrenparts sind gut eingespielt. Die Rhythmusarbeit klingt, sowohl hinsichtlich der Basslines als auch der Drums, abwechslungsreich. Die Songs sind sehr abwechslungsreich und interessant gemacht. Schwerpunkt der Melodieinstrumentierung sind die Tasteninstrumente, was dem klassischen Progfan sicherlich sehr entgegenkommt. Ich hatte oben schon geschrieben, dass ich es bemerkenswert finde, wenn man alles selbst einspielt und produziert. Auch Multiinstrumentalisten weisen aber zwangsläufig die eine oder andere Schwäche auf. Die liegt bei Cottarelli am ehesten im Instrument Gesang. Der klingt zwar eigenständig und sehr typisch italienisch, wirkt hier aber stellenweise etwas unpassend. Andererseits klingt die Stimme eben auch nicht untypisch für italienischen Prog bzw. allgemein für italienische Musik. Die Krux wird klar, wenn man den instrumentalen Song i cori della via lattea anhört, der ohne Vocals auskommt. Insgesamt legt Cottarelli aber ein sehr gutes Album vor, welches in erster Linie Freunde klassischen Prog-Rocks ansprechen dürfte. Ich persönlich ziehe meinen Hut vor dieser One-Man Show.

Trackliste

  1. prodigiosa macchina 21:50
  2. il pensiero dominante 11:30
  3. i cori della via lattea 8:02

Rezensent: MP

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