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Albumbesprechung Dr. Feelgood - Down By The Jetty

Interpret: Dr. Feelgood

Titel: Down By The Jetty

Erscheinungsjahr: 1975

Genre: Pub-Rock, Rock'n'Roll, Blues-Rock

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Down by the Jetty ist der Titel des Debütalbums der englischen Band Dr. Feelgood, das Album erschien im Jahr 1975. Zu dem Zeitpunkt hatten sich die 1971 gegründeten Dr. Feelgood einen guten Ruf als Liveband erspielt, sie gehörten außerdem zu den ersten wichtigen Pub-Rockbands Londons bzw. Englands.

Down By the Jetty ist ein besonderes Album, es gilt heute als Zierde jeder Plattensammlung. Die Band nahm das Album Mono auf (eigentlich Pseudo-Mono - die Musik wurde einfach in die Mitte gemischt und man nutzte kein Stereopanorama), um einen möglichst authentischen Sound zu erzeugen. Außerdem wurde das Album praktisch Live, also mit First Takes ohne Overdubs, eingespielt. Das Album war zum Zeitpunkt des Release nicht sehr erfolgreich, es wird im Nachhinein aber zu einem der wichtigen Alben des Pub-Rock gezählt bzw. allgemein zu den besten Rock'n'Roll Alben der 1970er.

Im Vergleich zu späteren Alben fällt die große Anzahl an Eigenkompositionen auf, die in der Regel vom Gitarristen Wilko Johnson stammen. Neben Wilko trat die Band in der klassischen Besetzung mit Lee Brilleaux (vocals, guitar, harmonica), John B. Sparks ( bass guitar) und The Big Figure (drums) an. Außerdem wirkten Bob Andrews und Brinsley Schwarz als Saxofonisten auf dem Track Bonie Maronie/Tequila mit.

Mit dem Album legte die Band den Grundstock für ihren späteren Sound. Die Rhythmusfraktion mit Sparko und The Big Figure spielte auf den Punkt, Lee Brilleaux sang originär und steuerte amtliche Harpbeiträge bei. Über allem, das muss man festhalten, schwebt Wilko mit seinem, vom Ex-Pirat Mick Green adaptierten, rhythmisch zackigen Gitarrespiel. Dabei klingt die Band, meines Erachtens, auf dem Debütalbum etwas mehr nach Blues-Rock denn Rock'n'Roll. Dennoch spielen Dr. Feelgood die meisten Songs mit einem gehörigen Drive ein.

Die Songs

  • "She Does It Right" eröffnet das Album im klassischen Dr. Feelgood Stil. Ein kernig groovender Song mit Rock'n'Roll Feeling und einer gewissen Härte, klassischer Pub-Rock eben.
  • "Boom Boom" ist ein gerne gecoverter John Lee Hooker Song. Im direkten Vergleich etwa zu den Animals schneiden Dr. Feelgood verdammt gut ab, die Harpparts von Brilleaux sind heiß.
  • "The More I Give" ist eigentlich ein harmloser Song im typischen späten Rock'n'Roll- bis Beatstil. Hier wird klar, wie wichtig Wilkos Spiel für die Band war, der Song lebt in seinen Soloausflügen auf.
  • "Roxette" gehört zu den wichtigen Songs von Dr. Feelgood, es ist wieder so ein typischer Feelgood Song mit minimalistischer Struktur und scheppernden offbeat-Gitarrensounds.
  • "One Weekend" ist flotter eingespielt, gesanglich erinnert das wieder an den Rock'n'Roll. Die Gitarrensounds transportieren den Song aber in die Jetztzeit.
  • "That ain't the Way to Behave" geht weit zurück in der Zeitrechnung, das klingt nach Blues und Gospel. Ein, auch für Dr. Feelgood, recht bluesiger Song. Witzigerweise erinnert der Gesang hier irgendwie an Ringo Starr.
  • "I Don't Mind" gibt wieder Gummi, die Band rumpelt schön über einen bluesigen Rock'n'Roll.
  • "Twenty Yards Behind" ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie wichtig Dr. Feelgood für den Punk bzw. New Wave waren. Die Band jagt im Off-Beat, fast in Ska Manier, über einen 12-Bar Blues. Das ist klasse und wegweisend.
  • "Keep it out of Sight" klingt wiederum ganz anders, der Song erinnert mit seinem verschleppten schweren Groove fast an frühen bluesigen Hard-Rock.
  • "All through the City" hüpft und springt nach dem verschleppten Vorgänger fröhlich vor sich hin. Da muss beim Anhören einfach Spaß aufkommen.
  • "Cheque Book" stammt von Mickey Jupp, die Band interpretiert diesen Song so, als wäre es ihr eigener Song.
  • "Oyeh!" ist ein Instrumental, welches vom Pirates Gitarristen Mick Green stammt. Er ist, so würde ich es sehen, der Ziehvater von Wilko. Das hört man hier durchaus heraus, wobei der Song insgesamt nach 1960er Beat klingt.
  • Den Abschluss macht ein Live Medley der Klassiker "Bonie Moronie/Tequila". Es zeigt die Livequalitäten der Band, der Song fällt aber m. E. im Vergleich zum restlichen Material etwas ab.

Fazit Down By The Jetty ist ein Kultalbum. Das Album dokumentiert die Entstehung einer Pub-Rock Legende und es zeigt diese Band in absoluter Höchstform. Wer weiß, warum das Album 1975 kommerziell nicht so gut lief. Heute wissen wir mehr: dieses Album ist ein Must Have für jeden, der sich für Blues-Rock bis Pub-Rock interessiert. Die Band spielte aus meiner Sicht kein stärkeres Album ein. Obwohl sie mehr oder weniger auf 12-Bar Blues Schemata setzt, klingen Dr. Feelgood äußerst variabel und stilgerecht rau. Besser geht es in dem Genre kaum.

 

Trackliste

  1. She Does It Right
  2. Boom Boom (John Lee Hooker)
  3. The More I Give
  4. Roxette
  5. One Weekend
  6. That Ain't No Way To Behave
  7. I Don't Mind
  8. Twenty Yards Behind
  9. Keep It Out Of Sight
  10. All Through The City
  11. Cheque Book (Mickey Jupp)
  12. Oyeh! (Mick Green)
  13. Bonie Maronie / Tequila (Larry Williams) / (Danny Flores) - Liveaufnahme

Re-release 2006

CD 1 Remaster Mono

  1. She Does It Right
  2. Boom Boom (Hooker)
  3. The More I Give
  4. Roxette
  5. One Weekend
  6. That Ain't No Way To Behave
  7. I Don't Mind
  8. Twenty Yards Behind
  9. Keep It Out Of Sight
  10. All Through The City
  11. Cheque Book (Jupp)
  12. Oyeh! (Green)
  13. Bonie Moronie / Tequila (Williams) / (Flores) - (Live)
  14. (Get Your Kicks On) Route 66 (Bobby Troup)
  15. I'm a Hog for you Baby (Jerry Leiber and Mike Stoller)
  16. Stupidity (Solomon Burke)
  17. She Said Alright
  18. Oyeh! - alternative version

CD 2 Remaster in Stereo plus Bonustracks

  1. She Does It Right
  2. Boom Boom (Hooker)
  3. The More I Give - alternative version
  4. Roxette
  5. One Weekend
  6. That Ain't No Way To Behave
  7. I Don't Mind - alternative version
  8. Twenty Yards Behind - alternative version
  9. Keep It Out Of Sight
  10. All Through The City
  11. Cheque Book (Jupp)
  12. Oyeh! (Green)
  13. I'm a Hog for you Baby (Lieber, Stoller)
  14. Stupidity (Burke)
  15. She Said Alright
  16. Oyeh! - alternative version
  17. Tore Down (Sonny Thompson) - (Live)
  18. Don't You Just Know It (Huey Piano Smith/Johnny Vincent) - (Live)
  19. My Babe (Willie Dixon) - (Live)
  20. The More I Give - (Live)
  21. It's My Own Fault Darlin' (B.B. King/Jules Taub) - (Live)
  22. Bonie Moronie / Tequila (Williams) / (Flores) - (Live)
  23. Rock Me Baby (B. B. King/Joe Josea) - (Live)

Rezensent: MP.