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Review Kristoffer Gildenlöw - Rust

Interpret: Kristoffer Gildenlöw

Titel: Rust

Erscheinungsjahr: 2013

Genre: Art-Rock, Folk/Prog

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Rust ist der Titel des Solo-Debüts von Kristoffer Gildenlöw. Das Album wurde am 24. Mai 2013 über Glassville Records im Vertrieb von Alive veröffentlicht.

Der Name Gildenlöw ist eng mit der Prog-Metal Band Pain Of Salvation verknüpft. Daniel Gildenlöw ist Kopf der Band, sein Bruder Kristoffer Gildenlöw war bis 2006 als Bassist in der Band. Multiinstrumentalist Kristoffer arbeitete nach dem Weggang u. a. mit der Band Dial. Außerdem nutzte er die Zeit, um an diesem jetzt veröffentlichten Album zu arbeiten.

Zur Realisierung holte sich Kristoffer u. a. folgende Musiker: Ruud Jolie (Gitarren, Mandoline), Fredrik Hermansson (Keyboards), Ola Heden (Keyboards), Jeroen Molenaar (Drums), Paul Coenradie (Gitarren), Ben Mathot (Violine) und Maartje Broekman (Cello) sowie eine ganze Reihe an SängerInnen.

Wer eine Art Pain Of Salvation Album erwartet, dürfte etwas enttäuscht werden. Schon auf dem Dial Debütalbum Synchronized deutete Gildenlöw an, dass er auf noch ruhigere Töne setzt als sein Bruder. Auf seinem Solo-Debüt geht er noch weiter und präsentiert intime und vergleichsweise minimalistische Arrangements.

Die Songs

  • "Callout" eröffnet das Album zunächst mit sparsamen Drums, sahnigen Basstupfern und Pianoklängen, Gildenlöw singt darüber mit einer Telefonstimme. Schön gemacht ist die späte Steigerung im Song, die wie ein Mix aus Nick Cave, HIM und David Gilmour klingt.
  • Auch auf "Believe" kommen Erinnerungen an David Gilmour auf. Die extrem chorusgeschwängerten Gitarrensounds und die subtilen Slides erinnern zumindest an Pink Floyd aus der Meddle/Dark Side Phase.
  • "Desire" setzt primär auf Pianosounds und relativ komplexe Vokalparts. Interessant wirkt die Supertramp School ähnliche Steigerung mit Pianoparts und Schulhofsounds.
  • "Follow Me Down" klingt ganz anders. Der Song erinnert an proglastige Folkbands der frühen 1970er, die polyphonen Vokalpassagen verstärken diesen Eindruck.
  • "OverWriter" wird zu Beginn mit Didgeridoo Sounds unterlegt, im weiteren Verlauf präsentiert Gildenlöw wieder ein intimes Arrangement, welches vor allem von Piano- und Vokalparts lebt.
  • "Längtan" ist wieder ein eher folkiges Arrangement. Ich gehe davon aus, dass uns Gildenlöw hier etwas von der schwedischen Kultur nahebringen möchte. Alleine durch die Gesangsparts schafft Gildenlöw das und präsentiert ein enorm dichtes Werk, das stellenweise ergreifend wirkt.
  • "Heroes" erinnert grundsätzlich etwas an Neil Young, durch die zusätzlichen spacigen/sphärischen Sounds wird zudem einen gewisse Nähe zu Pink Floyd aufgebaut.
  • "Save My Soul" ist wieder ein Song, der vor allem von den Gesangsparts und der Pianobegleitung lebt. In der Solostimme erinnert Kristoffer etwas an Ville Vallo, wunderbar sind die üppigen polyphonen Vokalarrangements drumherum.
  • Den Titelsong "Rust" baut Gildenlöw um die Erzählstimme einer Frau auf. Instrumental wird der Song von Pickingparts und Leadgitarrenparts in einem Mix aus Oldfield/Gilmour/Knopfler bestimmt.
  • "Story Ends" gehört wieder zu den Songs mit einem minimalistischen Aufbau, dieses mal getragen vom E-Piano und Gildenlöws Gesang. Auch hier verströmt die nordische Stimmung eine leichte Melancholie.
  • "Living Soil" bildet einen interessanten Abschluss. Der Song klingt stimmungsmäßig fast schon versöhnlich, das Arrangement wirkt vergleichsweise üppig und angenehm komplex mit einer Tendenz zum Neo-Prog.

Fazit Gildenlöw präsentiert mit Rust ein sehr persönliches Album, das man sich aus meiner Sicht etwas erarbeiten muss. Was auf Anhieb möglicherweise sehr ruhig und minimalistisch wirkt, entfaltet bei mehrmaligem Hören ständig neue Nuancen. Das geht dann emotional recht tief und will erlebt (oder erhört?) werden, so ein Album ist nichts für den schnellen Genuss. Wer sich darauf einlässt, wird m. E. mit tollen Stimmungen und raffinierten Arrangements belohnt.

Trackliste

  1. Callout 6:22
  2. Believe 4:30
  3. Desire 4:13
  4. Follow me down 4:31
  5. OverWinter 4:36
  6. Längtan 2:19
  7. Heroes 5:12
  8. Save my soul 4:57
  9. Rust 7:31
  10. Story ends 5:50
  11. Living Soil 4:20

Rezensent: MP