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CD-Kritik: Herbert Grönemeyer - Schiffsverkehr

Interpret: Herbert Grönemeyer

Titel: Schiffsverkehr

Erscheinungsjahr: 2011

Genre: Rock

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Schiffsverkehr ist das dreizehnte Studioalbum von Herbert Grönemeyer. Das Album wurde am 18. März 2011 veröffentlicht. Wie kaum anders zu erwarten, erreichte Schiffsverkehr Rang 1 der deutschen Albumcharts. Allerdings musste sich Grönemeyer einiges an negativer Kritik gefallen lassen, viele Fans zeigten sich enttäuscht vom Album.

Dabei liegt es nicht an mangelnder musikalischer Qualität, allerdings wurde Grönemeyer vorgeworfen, er halte sich doch zu sehr an althergebrachtes.

Grönemeyer selbst hat die Songs auf dem Album Schiffsverkehr als

druckvoll und kompakt

beschrieben. Für Grönemeyer stellt Schiffsverkehr

Neubeginn und zugleich Rückbesinnung

dar. Einerseits hat er nach eigenen Angaben die Phase der Trauer überwunden, andererseits ist das Album eine Rückkehr zu alten Sounds der 80er Jahre. Der Kreis, so meint man, schließt sich. Der Albumtitel scheint Programm zu sein. Schiffe bedeuten, nicht nur für Grönemeyer, Freiheit und Aufbruch. Die Aufnahmen wurden im Stockholmer Studio von Benny Andersson eingespielt. Dort hatte Herbert einen schönen Blick auf den Schiffs- und Bootsverkehr in den Schären und konnte sich inspirieren lassen. Die Streicher wurden im legendären Londoner Abbey-Road-Studio aufgenommen, der Mix erfolgte in den nicht minder legendären Ladyland-Studios in New York.

Schiffsverkehr zeigt einen klassischen Grönemeyer, der zu wuchtigen Rhythmen in seinem gewohnt holprigen und harten Deutsch singt. Was allerdings auffällt, sind gewisse textliche Plattheiten. Grönemeyer textete nicht immer grandios, aber doch mit einer gewissen Aussagekraft. Auf Schiffsverkehr ergeht er sich aber mehr als einmal in etwas platten Reimen.

Musikalisch zeigt sich Grönemeyer relativ breit aufgestellt. Er klingt nicht unmodern, nähert sich aber auch 80er Jahre Sounds und geht gerne mal weiter zurück in der Zeitrechnung. "Kreuz meinen Weg" etwa bildet einen Mix aus Electro und Rock'n'Roll. "Fernweh" schöpft aus dem klassischen Rockabilly, der Song groovt gut.

Balladen gibt natürlich auch, das gehört bei Grönemeyer einfach dazu. Eigentlich bilden sie sogar eine seiner Stärken. "Unfassbarer Grund" ist ein gelungenes Liebeslied. Etwas dramatischer wirkt "Deine Zeit", wo sich Grönemeyer mit der Demenzerkrankung seiner Mutter auseinandersetzt. Grönemeyer kann hier durchaus an die großen Balladen früherer Jahre anknüpfen.

Den Mut zum großen Soundtrack beweist Grönemeyer mit dem symphonischen "Erzähl mir von Morgen". Der Song wurde sogar für The American genutzt. Politischer wirkt "Auf dem Feld", Herberts Auseinandersetzung mit dem Afghanistan Krieg. Die bittere Aussage wird musikalisch druckvoll und durchaus aggressiv/wütend umgesetzt. Ein schöner Mix aus Pianoballade und bewegtem Song ist "Zu Dir". Musikalisch etwas verunglückt wirkt der Song "Wäre Ich Nur Feige", der dafür textlich überzeugt. Grönemeyer kann auch mit dem funky groovenden Song "Lass Es Uns Nicht Regnen" nicht entscheidend zulegen. Verschmitzt und selbstironisch wirkt der Song "So Wie Ich". Hier gibt es auch einen Hiddentrack, dessen Funktion sich mir, wie so oft bei Hiddentracks, nicht offenbart. Vor allem passen beide Teile nicht zusammen. Wie man lesen kann, ist die Idee tatsächlich aus einer Not geboren worden. Grönemeyer wollte den Track "November" unbedingt auf dem Album haben, war sich aber auch klar, dass er den Titel nicht in den Kontext einpassen kann. So gesehen geht es in Ordnung. Immerhin: beide Songs einzeln betrachtet klingen ganz gut.

Fazit Der Meister schwächelt, so könnte man es zumindest den oft zu lesenden schwächeren Bewertungen des Albums Schiffsverkehr entnehmen. Aber ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Grönemeyer legte zwar schon stärkere Alben vor, aber ein Totalausfall ist Schiffsverkehr nicht. Vor allem kann sich Herbert auch mit diesem Material locker an der Spitze deutschsprachiger Rockmusiker halten.

Trackliste

  1. Schiffsverkehr 3:58
  2. Kreuz meinen Weg 3:46
  3. Fernweh 3:30
  4. Unfassbarer Grund 2:53
  5. Deine Zeit 3:50
  6. Erzähl mir von morgen 4:35
  7. Auf dem Feld 3:43
  8. Zu Dir 3:56
  9. Wäre ich einfach nur feige 3:31
  10. Lass es uns nicht regnen 3:50
  11. So wie ich 4:17
  12. November (Hidden Track) 4:07

Rezensent: MP

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