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Albumbesprechung Steve Hackett - Please Don't Touch

Interpret: Steve Hackett

Titel: Please Don't Touch

Erscheinungsjahr: 1978

Genre: Prog-Rock, Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Please Don't Touch ist der Titel des zweiten Studioalbums von Steve Hackett. Das Album erschien 1978.

Es war sein erstes Soloalbum nach dem Weggang von Genesis. Einer der Gründe für Hacketts Ausscheiden bei Genesis war wohl, dass man seine Songbeiträge nicht genug zu schätzen wusste. Daher kann man dieses Album auch als eine Art Entladung vieler Ideen sehen, welche sich zuvor ansammelten. Da Hackett offiziell raus war, war hier auch (im Gegensatz zu seinem ersten Soloalbum) offiziell kein Genesis Mitglied mehr dabei. Dafür wirkt die Liste an anderen Gastmusikern beeindruckend: dabei waren z. B. als Gastsänger Maria Bonvino, Randy Crawford, Feydor, Richie Havens, Dale Newman, Dan Owen und Steve Walsh von Kansas. Ebenfalls von Kansas kam Drummer Phil Ehart. Als weiterer Drummer war Chester Thompson dabei (der später die verbleibenden Genesis-Mitglieder Live verstärken sollte), außerdem hatte Steve Hackett einmal mehr seinen Bruder John dabei.

Also: ein Album praktisch ohne ehemalige Weggefährten, außerdem eines, welches vielleicht die Trennung von Genesis klarmachen sollte. Tatsächlich klang Please Don't Touch auf Anhieb weniger nach den klassischen Genesis, die waren aber zu dem Zeitpunkt ja auch schon weit entfernt von ihren Wurzeln.

Die Songs

  • "Narnia" zeigt schon einmal etwas von der Abkehr der ganz progressiven Themen. Getragen von einer 12-String Gitarre und Steve Walshs Gesang klingt das schon etwas nach AOR, dennoch ist Hackett damit ein interessanter Song gelungen. Das Songthema ist übrigens beeinflusst vom Kinderbuch The Lion, The Witch And The Wardrobe von C.S. Lewis.
  • Ein Tribut an die Schriftstellerin Agatha Christie ist das kurze "Carry on up the Vicarage (A musical tribute to Agatha Christie)". Witzig die Idee mit der Spieluhr, die verfremdeten Stimmen stammen von Hackett. Im Gegensatz zu Narnia ein etwas skurriler Song.
  • "Racing In A" verdeutlicht etwas die oben genannte lange Entstehungszeit des Albums mit unterschiedlichsten Einflüssen. Dadurch entsteht hier ein Patchworkartiger Song, einerseits ziemlich komplex, andererseits auch sehr eingängig.
  • "Kim" wird als ein zentraler Song in Hacketts Solokarriere gehandelt, tatsächlich schuf er damit ein kleines akustisches Meisterwerk.
  • Weitestgehend akustisch hält es Hackett auch auf "How Can I". Wieder ein interessanter Song, denn Richie Havens singt das Thema recht kraftvoll und erinnert dennoch irgendwie an Peter Gabriel. Die Songstruktur an sich, vor allem in Bridge und Refrain, hat irgendwie etwas von den Beatles.
  • "Hoping Live Will Last" ist eine soulige Ballade, gesungen von Randy Crawford und dennoch mit gewissen Anleihen zu alten Genesis Sachen. Ein interessanter Mix, vielleicht etwas schwülstig in den Streicherpassagen.
  • Rund um den überragenden Titelsong "Please Don't touch" baute Hackett eine Art Songzyklus auf, zu dem "Land Of Thousand Autumns", "Please Don't Touch" und "The Voice Of Necam" gehören. Ein rein instrumentales Vergnügen, auf dem Hackett ein vielschichtiges Stimmungsbild zeichnet.
  • "Icarus Ascending" beendet das Album, getragen von Richie Havens Gesang, etwas melancholisch und mit einigen klassischen Genesis-Zitaten. Vielleicht ein kleiner Overload an Ideen, aber sonst gut gelungen.

Fazit Hacketts zweites Album war im direkten Vergleich zum Solodebüt abwechslungsreicher. Abwechslungsreicher vor allem deshalb, weil er sich hier immer wieder vom klassischen Prog löste und Richtung Mainstream tendierte. Das funktioniert vergleichsweise gut, auch wenn ich persönlich den proggigen Hackett favorisiere. Trotzdem gibt es auch an seiner anderen Seite wenig zu mäkeln.

Trackliste

  1. Narnia (Gesang: Steve Walsh) 4:05
  2. Carry on Up the Vicarage (Gesang: Steve Hackett) 3:11
  3. Racing in A (Gesang: Steve Walsh) 5:07
  4. Kim 2:13
  5. How Can I? (Gesang: Richie Havens) 4:38
  6. Hoping Love Will Last (Gesang: Randy Crawford) 4:23
  7. Land of 1000 Autumns 1:38
  8. Please Don't Touch 3:39
  9. The Voice of Necam 3:11
  10. Icarus Ascending (Gesang: Richie Havens) 6:27

2005 remaster bonus tracks

  • Narnia (Gesang: John Perry) 3:36
  • Land of 1000 Autumns / Please Don't Touch (live) 7:53
  • Narnia (Alternate version) 4:30

Rezensent: MP