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Albumbesprechung John Mayall - Blues From Laurel Canyon

Interpret: John Mayall

Titel: Blues From Laurel Canyon

Erscheinungsjahr: 1968

Genre: Blues-Rock

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Blues from Laurel Canyon ist ein Album von John Mayall. Es erschien im Jahr 1968, kurz nachdem Mayall die Band Bluesbreakers auflöste. Mit dabei waren Mick Taylor (Gitarre), Colin Allen (Drums) und Stephen Thompson (Bass). Mayall betätigt sich als Sänger und spielt außerdem Mundharmonika, Orgel und Gitarre. Auf dem Song First Time Alone ist auch Gitarrist Peter Green mit von der Partie.

Eine gewisse Besonderheit des Albums ist sicherlich die Tatsache, dass John Mayall alle Songs selbst komponierte. Aufgenommen wurde in England, auch wenn Mayall sich auf seine Wahlheimat Laurel Canyon in den USA bezog und sozusagen seine Erlebnisse während eines Besuches erzählt.

Das Album war kommerziell eigentlich nicht sehr erfolgreich. Im UK schaffte Mayall nur Rang 33 der Charts, in den USA reichte es für Rang 68 der Charts. Das war - gemessen an den Bluesbreakers Platzierungen - nicht sehr gut. Aber die Kritiken für das Album waren meistens gut. Es wurde als sehr gelungen bewertet und wieder einmal hatte Mayall in dem damals blutjungen Mick Taylor einen Spitzengitarristen dabei. Für den kommerziellen Misserfolg machen viele Fachleute technische Probleme verantwortlich. Die ersten Alben wurden in Mono produziert, was eigentlich nicht mehr zeitgemäß war. Und die ersten Stereoausgaben trennten die Instrumente ziemlich rigide auf die Stereokanäle. Das klang nicht besonders gut.

Andererseits waren einige Dinge am Album bemerkenswert fortschrittlich - zumindest für den Bereich Blues bis Blues Rock. Relativ ungewöhnlich war zum Beispiel die Nutzung von Musique concrete Elementen wie den Flugzeuggeräuschen, welche sehr flüssig in den Song Vacation überleiten. Grundsätzlich gab es auf der Originalschallplatte auch praktisch keine hörbare Trennung zwischen den Songs - alles ging ineinander über. Auch das war noch nicht ganz so verbreitet.

Eröffnet wird das Album von den oben erwähnten Flugzeuggeräuschen. Mayall erzählt vom Flug London - L. A. Danach übernehmen die Drums den Rhythmus. Mick Taylor spielt faszinierende Leads ein. Das Outro leitet mit Orgelsounds über in Walking On Sunset - einen klasse shuffelnden Blues. Nach dem groovigen Spaziergang über den Sunset erreicht Mayall den Laurel Canyon - musikalisch funktioniert das übergangslos. Der Slow Blues Laurel Canyon Home beschreibt die ruhige Stimmung der Gegend. Wieder geht es ohne vernehmbare Pause in den nächsten Song 2401 (wohl die Hausnummer von Zappa, den Mayall besuchte). Das ist ein treibender Boogie mit tollen Slideparts von Taylor. Mit Ready To Ride folgt dann wieder ein Slow Blues. Auch hier groovt die Band sehr schön. Und dann wird mit einem kurzen Pianointro der Track Medicine Man eingeleitet. Ein ungewöhnlich instrumentierter Song mit einem Rhythmus, der durchaus an das Trommeln von Indianern erinnert. Somebody's Acting Like A Child baut auf einem Bluesschema auf, klingt aber wie eine Jam-Rocksession. Mayall bringt sich hier mit einem bemerkenswerten Harpsolo ein.

Seite 2 wurde vom fulminanten Gitarrenintro zu The Bear (gemeint ist der damalige Sänger von Canned Heat - Bob Hite) eröffnet. Das klingt klasse und abgefahren. Der Song selbst ist ein knochentrockener Blues mit tollen Beiträgen von Taylor, der hier auch das eine oder andere Countryelement einbringt. Miss James (gemeint ist die reale Person Catherine James) klingt sehr jazzig, vor allem wegen der extrem verhallten Orgel. Der Song geht dann in den fast schon ergreifenden Song First Time Alone über. Das klingt ungemein schön - nicht nur wegen der gefühlvollen Leads von Peter Green, der hier als Gast mitwirkt. Long Gone Midnight ist dann noch mal ein langsamer und leicht jazziger Blues. Fly Tomorrow ist, mit fast 9 Minuten, der längste Track des Albums. Der Song beschreibt den Abschied von Mayall aus L.A. Nach einem ruhigen Intro legt die Band zu und jammt los, was das Zeug hält um zum Schluss wieder das ruhige Introthema aufzunehmen.

Fazit Blues From Laurel Canyon ist ein starkes Album. Für mich gehört es zu den besten Arbeiten von Mayall. Die Songs sind alle gut bis sehr gut. Die instrumentalen Leistungen sind bemerkenswert. Und da muss man keinen herausheben -Thompson (wie Taylor damals auch noch extrem jung) ist am Bass so gut wie es Allen an den Drums ist. Mick Taylor zeigt sehr gute (für das damalige Alter überragende) Leistungen an der Gitarre und Mayall gibt sich auch keine Blöße - er überzeugt an der Harp ebenso wie an den Keyboards und selbst sein Gesang klingt erstaunlich gut. Aus meiner Sicht kann man das Album durchaus zu den wichtigen Alben des Jahres 1968 zählen.

Trackliste

  1. Vacation (2:47)
  2. Walking On Sunset (2:50)
  3. Laurel Canyon Home (4:33)
  4. 2401 (3:42)
  5. Ready To Ride (3:32)
  6. Medicine Man (2:43)
  7. Somebody's Acting Like A Child (3:27)
  8. The Bear (4:40)
  9. Miss James (2:30)
  10. First Time Alone (4:49)
  11. Long Gone Midnight (3:27)
  12. Fly Tomorrow (8:59)
bonus tracks
  • 2401 (3:56) [Single version]
  • Wish You Were Mine (8:36) [Live '68]

Rezensent: MP

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