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Albumbesprechung Moriarty - Epitaph

Interpret: Moriarty

Titel: Epitaph

Erscheinungsjahr: 2015

Genre: Americana, Alternative Folk, Blues, Bluegrass

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Epitaph ist der Titel eines Albums der Band Moriarty. Das Album soll bei uns am 08.05.2015 erscheinen.

Moriarty kommen aus Frankreich (wobei ein Großteil der Besetzung wohl US-Wurzeln hat). Ihr Debütalbum Gee Whiz erreichte 2007 auf Anhieb Gold in Frankreich. Epitaph ist, nach The Missing (2011) und Fugitives (2014), das vierte Album der Band. Das Album scheint ein Ergebnis von "Erinnerungsfetzen und musikalischen Bruchstücken" der jüngeren Vergangenheit zu sein. Es handelt sich um Fragmente und Ideen, welche mal on the road festgehalten wurden oder in der Stille eines abgelegenen Hauses im Elsass bzw. in der Wahlheimat der Band in Paris.

Musikalisch präsentieren Moriarty alles andere, als man aus Frankreich typischerweise erwarten würde. Das Land ist zwar nicht arm an guten Zydeco Bands, aber Moriarty musizieren mit ihrem speziellen Americana Mix schon in einer Nische. Inhaltlich scheint es sich um einen persönlich Roadmovie zu handeln, sinnbildlich liefern Moriarty eine Art Reise durch die Grenzbereiche zwischen Diesseits und Jenseits. Daher, so Moriarty, schien der Titel Epitaph als eine Art gedachtes Spottlied auf den Tod nur sinnvoll.

Geprägt wird der Sound durch die instrumentale Vielfalt einerseits und eine gleichsam sparsame Instrumentierung andererseits sowie die Stimme von Rosemary (Moriarty) Standley. Standley passt sich in einzigartiger Weise der jeweiligen Blaupause der Band an, hört sich so mal nach den typischen 70s Folk- oder Countrysängerinnen an. Je stärker die Band im klassischen bluesigen Americana Idiom musiziert, umso einzigartiger wird ihr Gesang. Ich habe lange überlegt, an wen mich das musikalisch erinnert und bin irgendwann tatsächlich bei Bob Hite und Canned Heat gelandet. Aber da dürfte jeder seine eigenen Vergleiche ziehen, interessant ist es allemal.

Vier Songs stammen aus einer Vertonung von Bulgakows "Der Meister und Margarita" für das französische Radio ("When I Ride", "Across From My Windows", "Long Live The (D)evil" und "Fire Fire"). "When I Ride" macht dabei den groovig rockigen Auftakt des Albums. Beschwingt und leicht wirkt ironischerweise das Loblied auf den Teufel bzw. das Übel schlechthin auf "Long Live The (D)evil". Scheinbar aus einer ganz anderen Welt kommt "Across From My Windows", es klingt wie ein Mix aus Australien und New Orleans. "Fire Fire" ist auch so ein Song, der alleine aufgrund der Instrumentierung eine weltmusikalische Note aufweist und in der Form als eine Art Alternative Folk bezeichnet werden kann.

Die beiden Songs "Milena" und "Maybe A Little Lie" wurden nach Angaben der Band in einem abgelegenen Haus im Elsass aufgenommen. Beides sind atmosphärisch vertonte tragische Frauengeschichten, getragen von E-Piano und Gesang bzw. angedickten komprimierten Gitarrensounds und Gesang.

In ihrer festen Umgebung in Paris entstanden nach Angaben der Band das leicht bedrohlich wirkende "History Of Violence" und das lässig groovende "Diamonds Never Die".

So richtig on The road entstand die Geschichte vom "Ginger Joe", welche der Band bei einem Trip durch Kyoto einfiel. Auf "Fluren und Untergeschossen der Theater und Clubs oder den düsteren Hotelzimmern" lagen wohl die Wurzeln zu "Reverse (Anger)" und "GI Jesus".

Fazit Epitaph wirkt auf mich ambivalent und doch schlüssig. Die Songs sind leicht zugänglich, aber auch schrullig und sperrig. Man ist schnell vertraut mit der Musik und fühlt sich permanent an Bekanntes erinnert, trotzdem trägt die Musik jederzeit etwas Einzigartiges mit sich. Ob es das vom Guardian einmal beschriebene Musical Wonderland ist, möchte ich so nicht sagen. Aber es kommt nahe dran, man muss die spezielle Stimmung nur lange genug auf sich wirken lassen.

Trackliste

  1. When I Ride 3:54
  2. Reverse (Anger) 2:55
  3. History Of Violence 3:39
  4. Long Live The (D)evil 3:57
  5. Milena 3:23
  6. Diamonds Never Die 4:23
  7. Ginger Joe 3:23
  8. Maybe A Little Lie 3:50
  9. Across From My Windows 3:59
  10. G.I. Jesus 3:24
  11. Back In Town 3:11
  12. Fire Fire 3:45
  13. Long Is The Night 4:58

Rezensent: MP