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Albumbesprechung Renaissance - Azure d'Or

Interpret: Renaissance

Titel: Azure d'Or

Erscheinungsjahr: 1979

Genre: Art-Pop, Art-Rock

Bewertung: Wertung: 5 von 10 Sternen

(5/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Azure d'Or ist ein Album der Band Renaissance. Das Album wurde 1979 veröffentlicht. Eingespielt wurde es in der Mark II Besetzung mit Annie Haslam (lead & backing vocals), Jon Camp (bass, guitars, backing vocals, lead vocal auf Only Angels Have Wings), Michael Dunford (guitars), John Tout (keyboards) und Terence Sullivan (drums, percussion, backing vocals auf Golden Key).

Soundmäßig hatte sich die Band auf Azure d'Or ein gutes Stück von der (in Progkreisen hoch geschätzten) Musik früher Alben entfernt. Renaissance verzichteten auf längere Songs und setzten auf radiotaugliche kurze Songs zwischen drei bis fünf Minuten. Dazu gab es keine Orchestersounds mehr, diese wurden mehr oder weniger von John Tout auf den Synthies simuliert. Die beiden Vorgängeralben von Azure d' Or wurden kontrovers diskutiert und erhielten stellenweise schwache Bewertungen (vor allem Novella). Viele Fans kamen mit der Drift zum eingängigen Pop nicht zurecht, den die Band spätestens auf dem Album A Song For All Seasons vollzog. Genau dieses Album wurde aber zum erfolgreichsten Album der Band, die Single Northern Lights war einer der größten Hits der Bandgeschichte.

Irgendwie schien dieses Art-Pop Konzept von Renaissance aber überholt, zumindest in der auf Azure d'Or dargebotenen Form. Zu sehr kokettierte man mit Sounds des Vorgängeralbums und verlor sich in nichtssagenden Art-Pop Konzept jener Zeit. Die Band war damit auch an einem Scheideweg angekommen. John Tout und Terence Sullivan verließen Renaissance 1980 nach einer kurzen Tour. Aufgrund der enttäuschenden Verkaufszahlen von Azure D'Or kündigte die Plattenfirma der Band außerdem den Vertrag.

Die kritischen Stimmen kann man durchaus nachvollziehen, das Material war einfach nicht überzeugend genug. Der Song "Friends" etwa ähnelt der Erfolgssingle Northern Lights stark und erinnert in den Gesangsparts außerdem an Camel. Gerade der Vergleich mit Camel (aus der Breathless-Phase) scheint angebracht, man kann ihn auch auf Songs wie "Only Angels Have Wings" oder dem Instrumental "The Discovery" ziehen. Ob das gewollt war oder nicht bleibt offen. Aber damit klingen Renaissance natürlich etwas beliebig und austauschbar und vor allem klangen Camel besser und frischer.

Die Musik wirkt zudem sehr konstruiert und auf möglichst melodiöse Parts getrimmt. Das verliert sich oft in banalen Konzepten, rockiger auf "Secret Mission" (anfangs mit erstaunlichen Anleihen an die späten Genesis) und "Jekyll And Hyde", gemäßigter z. B. auf "The Winter Tree".

Anfangs macht auch "Golden Key" keine Ausnahme, der Song erinnert zu Beginn in erschreckender Weise an die seichten Moody Blues jener Zeit. Immerhin knüpft die Band im weiteren Verlauf stellenweise an frühere Tugenden an. Auch "Forever Changing" kann, mit dominierenden Akustikgitarren, an alte Tugenden erinnern. Ähnliches gilt für "Kalynda", wobei der Song im Refrain aus meiner Sicht eine gewaltige Abba Schlagseite hat.

Immerhin kommt zum Schluss das Highlight. "The Flood At Lyons" ist der abwechslungsreichste Song des Albums mit einigen progorientierten Motiven. Die Band deutet mit dem Song leider etwas spät an, was möglich gewesen wäre.

Fazit Renaissance gehören zu den unterbewerteten Bands des Prog- bzw. Art-Rock. Die Band brachte vor allem zu Beginn ihrer Karriere einige interessante Alben auf den Markt. Sie versuchten sich später in griffigeren Konzepten und landeten in der hier zu hörenden Form des Art-Pop/Art-Rock. Wie so viele Prog-Bands versuchten sich Renaissance damit im umsatzstarken Mainstream. Obwohl das Konzept auf dem Album A Song For All Seasons noch aufzugehen schien, gelang es der Band nicht, sich auf Dauer von x-beliebigen anderen Bands des Art-Rock absetzen zu können. Auf Azure D'Or präsentiert die Band zumindest keine nennenswerte Weiterentwicklung. Auch wenn die musikalischen Leistungen in Ordnung gehen, verliert sich die Band zu oft in netten, aber nichtssagenden Motiven. Stellenweise klingt der Synthie-Einsatz übertrieben, vor allem können die Synthie-Sounds nicht die Orchestersounds von früher ersetzen. Insgesamt fehlt es an richtig zündenden Ideen oder gar einem echten Ohrwurm. Azure d' Or ist keines der schlechtesten Bandalben, aber mit den Frühwerken der Band kann das Album nicht mithalten.

 

Trackliste

  1. Jekyll and Hyde 4:39
  2. The Winter Tree 3:03
  3. Only Angels Have Wings 3:41
  4. Golden Key 5:12
  5. Forever Changing 4:48
  6. Secret Mission 5:00
  7. Kalynda (A Magical Isle) 3:42
  8. The Discovery 4:24
  9. Friends 3:31
  10. The Flood at Lyons 4:55

Rezensent: MP