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Albumbesprechung Lee Ritenour - Six String Theory

Interpret: Lee Ritenour

Titel: Six String Theory

Erscheinungsjahr: 2010

Genre: Instrumental, Blues, Jazz-Fusion, Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Six String Theory ist ein Album von Lee Ritenour. Genauer gesagt ist das 2010 erschienene Album ein von Rit initiiertes Album. Ritenour dazu:

Ich bin wahrscheinlich auf mehr Tracks dabei als irgendjemand sonst. Aber ich spiele nicht auf jedem Track mit, weil es hier nicht um mich geht - es geht um die Gitarre.

Tatsächlich spielt Rit vergleichsweise wenig Material ein und kaum ein Song stammt von ihm. Ritenour lädt sich zum Album eine illustre Schar an Musikern ein. Schauen wir mal auf die Liste der, neben Rit, beteiligten Musiker (in Klammern die Tracks, um die es geht):

Gitarristen/Sänger

John Scofield (1), Keb´ Mo´ (2, 9), Taj Mahal (2), Pat Martino (3), Joe Bonamassa (4), Robert Cray (4), Steve Lukather (5, 6, 11), Neal Schon (5, 6), Slash (5), George Benson (7, 8), B.B. King (9), Vince Gill (9), Johnny Lang (9), Joe Robinson (10), Andy McKee (11, 12), Mike Stern (13), Tomoyasu Hotei (13), Guthrie Govan (14), Shon Boublil (15)

Weitere beteiligte Musiker

Melvin Lee Davis (Bass 1, 13), Harvey Mason (Drums 1, 2, 9), Larry Goldings (Orgel 1, 5, 6, 14 und E-Piano 2, 4, 9), Nathan East (Bass 2, 9), Joey de Francesco (Orgel 3, 8), Will Kennedy (Drums 3, 8, 11), Vinnie Colaiuta (Drums 4, 5, 14), Tal Wilkenfeld (Bass 4, 5, 6), Jimmy Johnson (Bass 11, 12), Paulinho da Costa (Perc 11, 12), John Beasley (Keyb 11, 12, 13), Simon Philips (Drums 13)

Ritenour zur Geschichte des Albums:

Eines Tages hatte ich diese Vision, möglicherweise inspiriert durch You Tube. Dort kannst du Stunden damit verbringen, die unglaublichsten Gitarristen unter der Sonne anzusehen. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ich mich für so viele Stilistiken interessiere. Für mich schien es interessant, einige große Gitarristen auf einem Album zusammen zu bringen. Aufgrund meines Backgrounds sah ich mich als geeignet, das Album zu produzieren.

Captain Fingers Ritenour feiert mit diesem Album also das Instrument, welches ihm Erfolg und Ruhm brachte. Das Booklet verspricht eines der größten Gitarrenalben, welches je gemacht wurde und einen musikalischen Bogen, der von Jazz über Klassik bis Rock und Blues reicht. Bezüglich des Spektrums kann man das alles unterstreichen, ob es nun das größte Gitarrenalbum aller Zeiten ist, muss jeder für sich selbst beurteilen.

Ritenour eröffnet mit dem Westcoast Fusion Song "Lay it down", der relativ spannend klingt. Vor allem John Scofield trägt zur Spannung bei, Sco klingt völlig anders als Rit, was eine angenehme Reibung bringt.

Dem Blues wird auf dem Album viel Raum zugestanden. Keb Mo'("Am I wrong"), Bonamassa/Cray ("Give me one Reason") und der legendäre B. B. King mit Johnny Lang/Keb Mo'/Vince Gill ("Why I sing the Blues") spielen relativ traditionellen Blues ein, Blues-Rock gibt es von Lukather ("68") und mit dem "Freeway Jam".

Den Jazz bedienen George Benson sowie Pat Martino. Beide geben ihre Visitenkarte ab, ihre Gitarrenbeiträge wirken aber etwas brav.

Sehr präsent ist auf dem gesamten Album Toto-Gitarrist Steve Lukather, den Rit als eine Art Bruder bezeichnet. Lukather fungiert als Co-Produzent und wirkt u. a. auf den Songs "68", "Freeway Jam" und "In Your Dreams" mit. Luke brachte auch Slash und Neal Schon mit zu den Aufnahmen.

Ein gewisses Highlight moderner Gitarre liefert Guthrie Govan ab. Govan gehört zu der Riege an Musikern, welche über YouTube berühmt wurden. Interessant und bezeichnend für Govans Fähigkeiten ist eine Begegnung zwischen Joe Bonamassa und Govan. Bonamassa, nachdem er Guthrie bei den Aufnahmen zu "Fives" gesehen hatte:

Mann, ich spielte das ganze letzte Jahr nicht so viele Noten wie Du auf diesem Song.

Govan entgegnete:

Ja, aber du spieltest die richtigen Noten!

Beide haben natürlich recht. Govan spielt verdammt viele Noten, irgendwie klingt das erzwungen schnell und nicht notwendigerweise perfekt. Fives hat er schon mehrfach nuancierter und besser eingespielt. Aber der Dialog zeugt auch vom Respekt, den die Musiker sich entgegenbringen. Hier scheint alles eitel Sonnenschein zu sein.

Neben den eher elektrischen Ausritten kümmert sich Ritenour auch um die Akustikfraktion.

Eher unbekannt war bis dato Shoon Boublil. Der gewann einen Wettbewerb und wurde deshalb für das Album ausgewählt. Boublil steuert Legnani Capricen (also Klassikmaterial) bei. Die spielt er sehr sauber ein, es klingt aber auch wenig spektakulär.

Eine andere Seite bietet der Fingerpicker Joe Robinson. Der junge Australier brachte die Anwesenden mit seinem schnellen Picking anscheinend etwas aus der Fassung. Ritenour über die Gefühlsregungen bei Steve Lukather:

Luke war derart beeindruckt von Robinson, dass er aus Spaß ein Gruppenfoto mit allen Beteiligten für das Cover forderte, auf dem alle Joe Robinson eine Pistole an seinen Kopf halten sollten.

Mehr akustisches Material gibt es von bzw. mit Andy McKee. Der gehört auch zu den Gitarristen, auf die Ritenour über You Tube kam. Ritenour dazu:

28 Millionen Views können nicht lügen. Sein Mix von Melodie und Rhythmus auf der Akustischen ist cool.

Die daraus resultierenden Songs "Shape of my Heart" mit Ritenour, Lukather und Andy McKee sowie "Drifting" wirken angenehm, aber weitaus weniger halsbrecherisch als die Beiträge von Robinson.

Fazit Ritenour präsentiert mit seiner Six String Theory ein interessantes Gitarrenalbum. Das ist stilistisch sehr breit angelegt und bei der Menge und Bandbreite findet jeder seine Favoriten und andererseits Beiträge, die weniger gut gefallen. Technisch geben sich die beteiligten Musiker keine Blöße, aber irgendwie fehlen mir die absoluten Highlights. Die technischen Überflieger sind Guthrie Govan und Joe Robinson. Beide spielen verdammt schnell, bei Govan ist es fast etwas zuviel des Guten. Musiker wie Scofield und Mike Stern werten das Album auf, ihre Beiträge sind leider etwas kurz. Insgesamt ist die Six String Theory ein Album, welches für Gitarrenfreunde unbedingt empfehlenswert ist. Ansonsten dürfte sich die Zielgruppe jedoch in Grenzen halten.

 

Trackliste

  1. Lay it down (Ritenour) Ritenour li, Scofield re. 5.58
  2. Am I wrong (Keb´Mo´) Taj Mahal re., 4.07
  3. L.P. (Ritenour), Ritenour li, Martino re, 4.50
  4. Give me one Reason (Tracy Chapman) Bonamassa 1. Hälfte, Cray 2. Hälfte 5.14
  5. 68 (Lukather), Schon 1. Solo li, Lukather 2. Solo re., Slash Mitte. 4.58
  6. In your Dreams (Ritenour, Lukather) Ritenour 1. Solo Mitte Li., Lukather 2. Solo Mitte re, Abschluss: Schon li, Ritenour Mitte, Lukather li. 5.56,
  7. My one and only Love (Mellin, Wood) alles Benson 1.44
  8. Moon River (Mancini, Mercer) alles Benson 4.57
  9. Why I sing the Blues (B.B. King, Dave Clark) Introfills King, erster Gesang und Gitarre Keb' Mo, zweiter Gesang und Solo King, Dritter Gesang und Solo Vince Gill, vierter Gesang und Solo Johnny Lang 6.34,
  10. Daddy Longlicks (Joe Robinson) Joe Robinson 1.54
  11. Shape of my Heart (Sting, Miller) Ritenour Nylon String, Lukather E-Gitarre, Andy McKee (Ac. Steelstring) 4.48
  12. Drifting (McKee) Andy McKee 3.40
  13. Freeway Jam (Middleton) Ritenour li, Hotei Mitte, Stern re. 1 Solo 4.56
  14. Fives (Govan) Guthrie Govan 4.33
  15. Caprices Op 20, No 2 and 7 (Legnani) Shoon Boublil 3.30

Rezensent: MP