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CD-Kritik Aquaplanage - Aquaplanage

Interpret: Aquaplanage

Titel: Aquaplanage

Erscheinungsjahr: 2008

Genre: Prog, AOR

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Aquaplanage ist der Titel des Debütalbums der gleichnamigen Band Aquaplanage aus Großbritannien. Das Album erschien im Jahr 2008, kommerziell war es nach meinem Kenntnisstand kein großer Erfolg.

Die Band bestand zum Zeitpunkt der Einspielung aus Robert Illesh (guitars, vocals, keyboards, orchestral arrangements, flute, programming), Steve Carney (lead vocals), Jon Bastable (bass guitar, samples) und Tom Dawe (guitar). Musikalische Gäste waren Max Hunt (Keyboards), Mitch Harwood (Drums, Vocals), Deborah Peake (Violine), Ruth McGibben (Viola) und Sophie Hurr (Cello). Interessant ist der Werdegang der Band: sie entstand aus der in Europa bekannten Yes-Coverband Fragile.

Eingespielt wurde das Album mehr oder weniger im Heimstudio von Robert Illesh, der produzierte das Album dort und ließ das Material später Mastern. Die von Kritikern oft bemängelte fehlende klare Ausrichtung der Band erklärte Illesh u. a. mit diesem Umstand. Nach seiner Ansicht hätte da ein externer Produzent oder auch ein Label helfen können, welches einem hier in der Regel etwas auf die Finger schaut. Andererseits machte er aber auch klar, dass gerade das Experimentieren mit verschiedenen Sounds und Techniken das sei, was ihm zusagt. Nun gut, machen wir uns erst mal ein Bild davon, was auf dem Album so drauf ist.

Die Songs

  • Ode To Grey Mornings entstammt einer Illesh-Idee von 1998, welche 2002 von Carney einen Text bekam. Musikalisch wurde die Story mit klassischem Prog der Marke Jethro Tull und Genesis umhüllt, die Gesangsharmonien haben etwas von Gentle Giant und Yes. Für meinen Geschmack ein gelungener Ritt durch die Proggeschichte mit schöner Geschichte und fünf gut verbundenen Sektionen. That's Prog.
  • Sands Of Time entführt in den Orient, erzählt wird die Geschichte eines Ägyptischen Sklaven. Interessanterweise ist der Track an sich sehr eingängig, hat etwas von symphonischem Mainstream Rock mit subtilen orientalischen Motiven. Meines Erachtens nicht so stark wie der Opener, aber alles andere als schlecht.
  • Nature's Sunday beginnt mit Ambientklängen, versandet dann im AOR und brandet zum Schluss noch einmal kurz auf. So wäre diese Story eines Jedermann schnell erzählt. Tatsächlich etwas beliebig das Ganze, guter Beginn und guter Schluss, aber etwas flacher Mittelteil.
  • Solara ist ein klassisches Prog-Instrumental mit Keyboards satt, die Band will mit diesem Arsenal das Mysterium des Universum beschreiben. Klingt tatsächlich wie ein Treffen von Wakeman, Emerson und Banks und entführt den Progfan ins Keyboard-Universum.
  • Aquaplanage ist das nächste Instrumental, musikalisch aber eine andere Hausnummer als Solara. Zu Beginn hat das etwas vom Electronic Ambient, in der Folge gesellen sich Nylongitarre, Chimes/Harfensounds und Streicher dazu. Insgesamt tendiert das in der Form Richtung Oldfield plus Esoterik- und Mittelalter Note.
  • Heaven's Gate nimmt vom Vorgänger den etwas versponnenen Ambientfaden auf. Mit dem einsetzenden Gesang erinnert die Band an Yes, der Song an sich nähert sich aber unvermeidlich dem AOR. Highlights sind für meinen Geschmack die schönen Interludes und das Outro.
  • A Song to Stand Above Them All brettert zunächst relativ hart los. Insgesamt nähert sich die Band wieder dem Mainstream, mal in der Form der späten 80s Yes, mal klingt es nach Styx. Insgesamt ein verwirrender Song, vielleicht weniger etwas für Progfans als vielmehr für Classic-Rock Fans.
  • Theme ist für meinen Geschmack eine weitere kleine Classic-Prog Perle. Für die Band ist es wohl ein wichtiger Song, der die Entstehung der Band musikalisch beschreibt. Das fließt leicht mäandernd vor sich hin, die Gitarrenlinien malen schöne Motive, die auch mal Richtung Orient/Asien weisen. Ein kleines lyrisches Highlight.
  • One Star ist, das machte die Band selbst auch klar, nicht mehr und nicht weniger als ein Weihnachtslied und sozusagen eine Hommage der Band an das Weihnachtslied im Progressive Rock, inspiriert etwa von Greg Lake oder Jethro Tull. Über so etwas kann man natürlich streiten, aber an sich ist es ein stimmiger Song und eben ein kleines Weihnachtsliedchen.

Fazit Aquaplanage mussten für dieses Album in Fachkreisen einiges an Kritik einstecken (vor allem in Progzirkeln). Hauptangriffspunkte sind die scheinbare Orientierungslosigkeit der Band zwischen klassischem Prog, Rock, AOR und Pop. An den Vorwürfen ist sicherlich etwas dran, sogar Gitarrist Illesh zeigte dafür in einem Interview ein gewisses Verständnis. Er begründete diese Ausrichtung dann auch, erklärbar nach seiner Meinung z. B. wegen der Eigenproduktion und seinem Interesse an verschiedenen Sounds und Techniken. Darüber hinaus sollte man bedenken, dass das Material über eine relativ lange Zeit entstand schon zu Zeiten als Fragile On The Road entstand. Die alten Yes-Wurzeln sind daher hörbar, leider auch in der von Hardcore Fans weniger geliebten späten AOR Phase der Band. Nun gut, auf der anderen Seite sind da gestandene Musiker unterwegs, die Musik auf dem höchsten Niveau präsentieren. Das ist praktisch durchgängig sehr unterhaltsam, die Highlights sind die Songs, welche im klassischen Prog zuhause sind. Das mit der Drift zum AOR funktioniert nicht, es hat im Grund bei keiner Progband je so richtig gut funktioniert. Trotzdem finde ich die oft etwas harschen Kritiken reichlich überzogen. Man hat hier immerhin das Debüt dieser Band vorliegen, da darf man noch auf der Suche nach dem ganz individuellen Stil sein. Letzten Endes kann man Aquaplanage als ein gutes Debütalbum (mit Luft nach oben) einer vielversprechenden Band bezeichnen.

Trackliste

  1. Ode to Grey Mornings (15:27)
  2. The Sands of Time (5:33)
  3. Nature's Sunday (8:13)
  4. Solara (5:10)
  5. Aquaplanage (6:20)
  6. Heaven's Gate (5:56)
  7. A Song to Stand Above Them All (5:07)
  8. Theme (3:10)
  9. One Star (3:52)

Rezensent: MP

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