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CD-Kritik Beppe Crovella - What's Rattlin' On The Moon?

Interpret: Beppe Crovella

Titel: What's Rattlin' On The Moon?

Erscheinungsjahr: 2010

Genre: Electronic

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

What's Rattlin' On The Moon ist ein Album von Beppe Crovella, das im Jahr 2010 bei Moonjune Records erschien. Der Untertitel A Personal Vision of the Music of Mike Ratledge macht klar, um was es hier geht: eine persönliche Interpretation der Musik von Mike Ratledge. Der war bekanntlich Mitglied der legendären Soft Machine. Die Idee zu diesem Projekt stammt wohl vom Moonjune Labelchef Leonardo Pavkovic.

Soft Machine gehören zu den stilprägenden Bands im Fusion bzw. im psychedelisch geprägten Fusion, anfangs sicherlich auch des Prog-Rock. Soft Machine spielen eine große Rolle für das Label Moonjune und Labelchef Pavkovic. Es gab zuletzt einige Tribute-Alben und Pavkovic benannte sein Label nach einem Soft-Machine Song. Er scheint sehr interessiert daran zu sein, die Erinnerungen an die Band aufrecht zu halten. Seine Bekanntschaft zu Arti E Mestieri und hier zu Beppe Crovella führte zur Umsetzung dieses Tribute-Albums.

Crovella legte zuletzt ein reines Piano Album vor. Auch auf What's Rattlin On The Moon konzentriert sich Crovella auf Tasteninstrumente, die außerdem in erster Linie analoger Art sind (wenn man das so sagen kann): Mellotron, Orgel, E-Piano, Clavinet und Piano/Fügel. Soft Machine nur mit Tasteninstrumenten, das klingt interessant. Auch wenn Ratledge als Fan analoger Instrumente bekannt war, so überrascht diese Instrumentierung von Crovella schon etwas. Crovella nimmt sich in der Form zehn Ratledge Kompositionen vor. Die Songs stammen etwa aus der Phase von 1969 bis 1975. Der Opener "Tarabos" beginnt mit atmosphärischen Electronic-Sounds. Die Mellotronfiguren erinnern danach stark an King Crimson, was einen interessanten Mix ergibt. "ChloŽ and the Pirat" orientiert sich vergleichsweise stark am Original. Der Song beginnt mit Ostinato Linien, die Flötenähnlichen Motive klingen interessant. Der Song erinnert mit seinem minimalistischen Aufbau an Terry Riley und klassische deutsche Electronic-Acts. "All White" sucht weniger die Nähe zum Original, klingt aber mit seinen fast lyrischen Pianoparts und den spacigen bis proggigen Mellotronsounds äußerst interessant. Auch "The Man Who Waved At Trains" besitzt mit den mäandernden Linien und Melodien wieder eine gewisse Nähe zu deutschen Elektronikern. "As If" wird, nach einem flächigen Mellotronintro, relativ jazzig und zeugt von Ratledges Affinität zum Free Jazz. "Hibou, Anemone and Bear" klingt hart und schräg. Crovella zeigt hier einmal mehr, was man aus den Tasteninstrumenten herausholen kann. Man könnte meinen, es gibt eine E-Gitarre, die ein verzerrtes und spaciges Solo zum Besten gibt. "Out-Bloody-Rageous" ist ruhiger angelegt und klingt etwas bluesig. "Pig" ist wieder einer der Songs, die ziemlich eng am Original gehalten sind. Diese permanent wabernde Basslinie und die schönen verzerrten Keyboardlines darüber klingen auch hier mehr als interessant. "Esther's Nose Job" ist wieder vollgepackt mit schönen Ideen und verschiedenen Stilistiken. "Slightly All The Time" hört sich dann wieder spaciger und psychedelischer an.

Crovella beendet das Album mit eigenen Songs, welche von Ratledge beeinflusst sind. Drei Songs entstanden vor den Moon Aufnahmen, drei Songs danach. Auffällig ist, dass die letzten drei Songs praktisch nur vom Piano leben. Auch mit diesen zwei Suiten kann man den Einfluss von Ratledge zwar heraushören, aber die Songs leben doch eher von Crovellas Eigenständigkeit.

Fazit Beppe Crovella macht viel aus der Tribute Idee. Er orientiert sich in der Regel eher grob an den Originalen. Manche Songs sind mehr, manche weniger anhand der Originalvorlage erkennbar. Der Einfluss von Ratledge indes ist unverkennbar. Aber eigentlich müsste man die Originalvorlagen gar nicht unbedingt kennen, weil man What's Rattlin' On The Moon? letztlich als ein eigenständiges Crovella Werk bezeichnen kann. Mit seinen Interpretationen kann Crovella immer wieder überraschen. Für Soft Machine Kenner könnte das ein interessantes Album sein, aber sicherlich auch für viele Prog-Hörer. Und möglicherweise könnten auch Freunde Deutscher Elektronikmusik Gefallen an diesem Werk finden.

Trackliste

Rattlin' All The Time

  1. Tarabos 5.10
  2. Chloe And The Pirates 7.56
  3. All White 6.24
  4. The Man Who Waved At Trains 3.54
  5. As If 4.14
  6. Hibou, Anemone And Bear 3.28
  7. Out-Bloody-Rageous 8.36
  8. Pig 4.28
  9. Esther's Nose Job 6.04
  10. Slightly All The Time 9.32

Before the Moon

  1. Leonardo's E-Mail 4.11
  2. Moonvisions 2.17
  3. Many Moons, Many Junes 3.05

After the Moon

  1. Lunar Impression 1.17
  2. Circular Loines In The Air 2.46
  3. Moon Geezers (to Elton & Hugh) 3.27

Rezensent: MP