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Albumbesprechung Eagles - Hotel California

Interpret: Eagles

Titel: Hotel California

Erscheinungsjahr: 1976

Genre: Country-Rock, Westcoast, AOR

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Hotel California ist das fünfte Studioalbum der Eagles. Das Album erschien im Jahr 1976. Zu dem Zeitpunkt waren die Eagles zwar schon eine Topband in den USA, aber mit Hotel California toppten die Eagles alles bisher da gewesene. Das Album verkaufte sich alleine in den USA über 16 Millionen mal. Für die ausgekoppelten Erfolgssingles Hotel California und New Kid In Town gab es Grammys, den Grammy für das Album des Jahres mussten die Eagles jedoch Fleetwood Mac für deren Megaseller Rumours überlassen.

Hotel California stellte ansonsten für die Band ein durchaus richtungsweisendes Album dar. Die Eagles entwickelten sich von einer Country-Rockband zu einer US-Mainstreamband mit Stadionrockqualitäten. Möglicherweise wirkte sich diesbezüglich der Wechsel vom Countrylastigen Gitarristen Bernie Leadon zu Joe Walsh (ehemals James Gang) aus, ein Stück weit sicherlich auch die Wahl des Produzenten (Bill Szymczyk). Auch sonst überließ die Band scheinbar wenig dem Zufall. Die Arbeiten am Album dauerten über 8 Monate, der ganze Schaffensprozess war sehr demokratisch. Jedes Bandmitglied (Glenn Frey, Don Henley, Randy Meisner, Don Felder und Joe Walsh) brachte sich im Songwriting-Prozess ein und spielte unterschiedliche Instrumente ein. Ein gewisse Dominanz musste man dennoch in Persona Don Henley feststellen. Der Stammdrummer der Band sang die meisten Songs ein und steuerte außerdem für sechs der neun Songs die Texte bei.

Zur damaligen 200-Jahr Feier der USA betrachtete es Henley als eine Notwendigkeit, dass eine Band, die den Namen des US-Nationalsymbols trägt, die Situation der USA kritisch reflektiert. So lieferte Henley Gedanken zum (materialistischen und dekadenten) Lifestyle in Kalifornien, das er im Prinzip als eine Art Mikrokosmos der USA und letztlich der Welt sah. Henley bezeichnete das Album in einem Interview als ein Konzeptalbum, was bezogen auf seine Textarbeit durchaus nachvollziehbar ist. Bei genauer Betrachtung wirkt das aber auch etwas abgehoben.

Egal, die Band klang insgesamt selten so homogen. Musikalisch blieb die Band zwar grundsätzlich bei Ihren Leisten, aber sie wurde insgesamt deutlich Mainstreamtauglicher und entwickelte sich von einer Country-Rock Band für eher kleinere Venues zur massenkompatiblen Arena-Rockband.

Die Songs

  • "Hotel California" ist ein lyrischer Song mit herrlich brüchigem Gesang von Henley und exzellenter Gitarrenarbeit von Don Felder und Joe Walsh. Den Song würde ich als Klassiker der Rockmusik bezeichnen, das Gitarrensolo von Felder und Walsh gehört zum Besten, was die Rockgitarre zu bieten hat.
  • "New Kid In Town" schielt danach mit Country-Pop und Westcoast Flair deutlich Richtung Mainstream. Ein extrem melodiöser Song, der mir aber zu stark Richtung belanglosem Pop driftet.
  • Kerniger ist der Rocker "Life In The Fast Lane". Wieder ein durchaus kritischer Song, der das Leben auf der Überholspur betrachtet. Die rockige Attitüde liefert aus meiner Sicht vor allem Joe Walsh mit seinem Main-Riff. Das ist durchaus ein Fingerzeig darauf, wie er den Sound der Band beeinflusste.
  • "Wasted Time" ist eine heftige Schmonzette. Musikalisch gibt es wenig zu mäkeln, der Tränenfluss wird heftig angeregt. Ähnliches gilt für das instrumentale symphonische Reprise von Wasted Time, welches damals Seite 2 der Schallplatte eröffnete.
  • "Victim Of Love" rockt moderat. Auch wenn es eine Gemeinschaftsproduktion von Felder, Frey, Henley und Walsh ist, erinnert der Aufbau sehr an Soloarbeiten von Joe Walsh. Leider wird die rockige Attitüde in der Strophe durch den schmalzigen Refrain soweit verwässert, dass Victim Of Love in der Summe einer der schwächsten Albumsongs ist.
  • "Pretty Maids All in a Row" ist ein Gemeinschaftswerk von Walsh und Joe Vitale. Viele halten die Ballade für den besten Eagles Song, zweifellos ist es einer der besten Songs von Joe Walsh.
  • "Try and Love Again" ist ein Randy Meisner Song mit schöner Country-Rock Note. Aus meiner Sicht ist es einer der unterbewerteten Songs des Albums: sehr einfach aufgebaut, aber einfach effektiv.
  • "The Last Resort" von Frey und Henley drückt zum Abschluss noch einmal auf die Tränendrüsen. Die beiden haben hier einen stellenweise ergreifend schönen Song gezimmert und darin in subtiler Form eine Art Gesellschaftskritik untergebracht.

Fazit Wenn man Hotel California zum ersten mal hört, dann bleibt in der Regel zuerst einmal nur der Titelsong hängen. Einer der wichtigsten Songs der Rockmusik, der einen mächtigen Schatten wirft. In dem Schatten zeigt sich die Band aber so homogen wie selten zuvor. Henley und Meisner grooven vorzüglich, Felder und Walsh ergänzen sich auf den E-Gitarren exzellent und Frey scheint das Bindeglied des Ganzen zu sein. Mit Erscheinen des Albums waren die Eagles jedenfalls eine Band, die ordentlich rocken konnte und damit Arena-tauglich wurde. Klar ist: wer diese Form von Mainstream Rock mit einem Touch Country-Rock und Westcoast nicht mag, der wird an diesem Album keine Freude haben. Wer diese Etiketten vergessen kann und gute Musik zu schätzen weiß, der sollte fündig würden. Hotel California ist einer der besten Outputs der Eagles.

Trackliste

  1. Hotel California (Don Felder, Don Henley, Glenn Frey) 6:30
  2. New Kid in Town (J.D. Souther, Henley, Frey) 5:03
  3. Life in the Fast Lane (Joe Walsh, Henley, Frey) 4:46
  4. Wasted Time (Henley, Frey) 4:55
  5. Wasted Time (Reprise) (instrumental) (Henley, Frey, Jim Ed Norman) 1:22
  6. Victim of Love (Felder, Souther, Henley, Frey) 4:11
  7. Pretty Maids All in a Row (Joe Walsh, Joe Vitale) 4:16
  8. Try and Love Again (Randy Meisner) 5:10
  9. The Last Resort (Henley, Frey) 7:28

Rezensent: MP