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CD-Kritik: Jethro Tull - Aqualung

Interpret: Jethro Tull

Titel: Aqualung

Erscheinungsjahr: 1971

Genre: Prog-Rock, Folk-Rock

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Aqualung war das vierte Studioalbum der Band Jethro Tull. Es kam im Jahr 1971 heraus. Auf dem Album war zum ersten Mal Bassist Jeffrey Hammond dabei, zugleich war es das letzte Album mit Drummer Clive Bunker. Aqualung wird häufig als ein Konzeptalbum bezeichnet, was aber umstritten ist. Besonders Ian Anderson hat sich immer dagegen gewehrt, dass es sich bei Aqualung um ein Konzeptalbum handelt. Zwar ist die Handlung jeder Seite in sich geschlossen, allerdings kann man nicht das ganze Album als einsträngige Handlung sehen. Die damalige erste Seite befasst sich mit Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen bzw. mit unterschiedlichen Charakteren. Dabei stellen die Charaktere des Aqualung und der Cross-Eyed Mary sozusagen Charakter mit zweifelhaftem Ruf dar, zwei Songs sind autobiographisch gefärbt. Die damalige zweite Albumseite befasst sich dagegen mit religiösen Themen bzw. Gott und der Kirche, wobei es pro Gott und contra Kirche ausgelegt ist.

Stilstisch ähnelt das Album dem Vorgänger Benefit nicht sehr. Viele der Songs auf Aqualung sind eher akustisch gehalten. Bis zum Zeitpunkt des Erscheinens war Aqualung das erfolgreichste Album der Band. Es schaffte in den USA Platz 7 der Charts, im UK kam es auf Rang 4.

Die Songs

Der Titelsong "Aqualung" beginnt mit einem Trademark Introriff der Rockmusik und den unisono von Anderson gesungen Parts. Das klingt anfangs rockig, wird dann aber in einen vorwiegend akustischen Part geführt. Zum Schluss wiederholt die Band das Introthema noch einmal. "Cross-Eyed Mary" beginnt mit Mellotron- und Querflötensounds. Danach wird der Song relativ rockig, mit schönen Flöten- und Gitarrensoli. "Cheap Day Return" ist ein netter folkiger Song, der meines Erachtens auch von Cat Stevens hätte stammen können. "Mother Goose" macht folkig weiter, wobei sich der Song stilistisch stärker an keltischen Wurzeln orientiert. "Wond'ring Aloud" ist ein weiterer Song, der von der Akustikgitarre dominiert wird. Dieses mal gibt es aber auch eine subtile Orchestrierung obendrauf. "Up to Me" wird wieder von der akustischen Gitarre bestimmt, dazu gibt es hier aber schöne E-Gitarrenparts und eine recht interessante Rhythmik. "My God" ist einer der vielschichtigsten Songs des Albums mit akustischen Gitarre- und Pianopart und dem bekannten Mittelteil mit Flöte und Mönchschören. My God dürfte, neben dem Titelsong und Locomotive Breath, zu den bekanntesten Songs des Albums gehören.

"Hymn 43" bricht etwas aus dem bisherigen Schema aus, es handelt sic hum einen recht konventionellen Rocksong. "Slipstream" klingt wieder sehr romantisch, am Anfang getragen von Akustikgitarren und gegen Ende mit Streichersounds angedickt. "Locomotive Breath" gehört zu den größten Hits der Band und ist ohne Zweifel einer der Bandklassiker. In den 1970ern lief der Song auf jeder Party. Neben dem prägnanten Hauptriff ist das jazzige Intro, welches sich in das rockige Hauptthema entlädt, äußerst interessant gestaltet. "Wind Up" beginnt wieder verhalten und ist vorwiegend akustisch instrumentiert. Später gibt es ein zeittypisches Hard-Rock Gitarrenriff, zum Schluss wird es dann wieder softer. "Lick Your Fingers Clean" ist ein Bonustrack, der eine nette Mischung aus folkigem Material und härterem Rockmaterial bietet. "Wind Up (Quad Version)" ist die soundtechnisch aufgemotzte Version des Originalsongs. "Excerpts From the Ian Anderson Interview" gibt ein interessante Einblicke vom Meister selbst. "Songs For Jeffrey", "Fat Man" und "Bouree" kennt man eigentlich schon. Der Sound dieser BBC-Aufnahmen ist sehr bescheiden. Das klingt so, als ob man mit dem Mikro vor dem Lautsprecher saß und etwas aufgenommen hat. Erstaunlich, dass man so etwas als Bonustracks anbietet. Das dürfte nur für Zeitgeschichtlich Interessierte Menschen bzw. Hardcore Fans von Nutzen sein.

Fazit Aqualung zählt zu den Meilensteinen von Jethro Tull. Im Nachhinein muss man sich aber schon fragen, warum das so ist. Aqualung ist ohne Frage ein wichtiges Album der Band, aber sicherlich nicht das wichtigste und kaum das beste Album von Jethro Tull. Tatsache ist aber auch, dass mit Locomotive Breath ein Riesenhit und Klassiker auf dem Album ist. Auch der Titelsong Aqualung oder My God gehören zu den bekannteren Songs der Band. Dazu gibt es ein paar sehr schöne folkige Songs, die aber leider sehr kurz sind. Insgesamt ist Aqualung also eigentlich nicht mehr als eine Mischung aus Rock und Folk. Die Proganteile und experimentellen Ausflüge halten sich sehr in Grenzen. So gesehen bietet die Band mit Aqualung allenfalls ordentliche Rockkost, mehr aber nicht. Ich persönlich ziehe Jethro Tull Alben vor, die eindeutiger Richtung Prog-Rock oder Richtung Folk gehen.

Trackliste

  1. Aqualung 6:31 (Ian Anderson, Jennie Anderson)
  2. Cross-Eyed Mary 4:06
  3. Cheap Day Return 1:21
  4. Mother Goose 3:51
  5. Wond'ring Aloud 1:53
  6. Up to Me 3:15
  7. My God 7:08
  8. Hymn 43 3:14
  9. Slipstream 1:13
  10. Locomotive Breath 4:23
  11. Wind Up 6:01

Bonus tracks

  • Lick Your Fingers Clean 2:46
  • Wind Up (Quad Version) 5:24
  • Excerpts From the Ian Anderson Interview [Mojo Magazine] 13:59
  • Songs For Jeffrey (BBC) 2:51
  • Fat Man (BBC) 2:57
  • Bourée (BBC) 3:58 (Ian Anderson, Johann Sebastian Bach)

Rezensent: MP