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CD-Kritik: Heinz Rudolf Kunze - Eine Form Von Gewalt

Interpret: Heinz Rudolf Kunze

Titel: Eine Form Von Gewalt

Erscheinungsjahr: 1982

Genre: Rock

Bewertung: Wertung: 7 von 10 Sternen

(7/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Eine Form von Gewalt ist ein frühes Werk des Musikers Heinz Rudolf Kunze, es kam im Jahr 1982 heraus. Kunze legte mit dem Vorgängeralbum ein Werk vor, welches einen starken Bezug zu deutschen Liedermachern aufwies. Auf diesem Album wurde Kunze rockiger und subtil massenkompatibler. Aber dennoch lag er mit dem Album noch weit entfernt von eingängigen Werken wie Dein Ist Mein Ganzes Herz. So gesehen, bietet Kunze hier eher Musik für ein intellektuelles Publikum an. Solche Ware ist in der Regel kommerziell weniger erfolgreich, wird aber von so genannten Fachleuten oft hoch gelobt. So war es auch mit diesem Album. Kunze erhielt für das Album sogar den deutschen Schallplattenpreis. Dass dieser Preis jedoch nur geringen Gegenwert besitzt, machen die eher mäßigen Verkäufe klar.

Was man feststellen konnte, war ein gewisser musikalischer Wandel bei Kunze. Im Gegensatz zum ersten Album war Eine Form von Gewalt fast schon rockig angelegt. Textlich ließ Kunze nichts anbrennen, wieder schuf er sehr anspruchsvolle Texte. Dabei waren die Texte zwar oft etwas kryptisch, dennoch kam die ätzende Kritik gut zur Geltung. Kunze drischt dabei auf Politik und Gesellschaft ein, macht auch keinen Halt vor harter Kritik am vermeintlichen Kleinbürger- bis Spießertum. Das kam vielleicht nicht bei jedem gut an.

Die Songs

"Die Kommen Immer Wieder" eröffnet mit heftig erhobenem Zeigefinger und warnt vor einigen Lichtgestalten der Weltpolitik. Ein guter Text, sehr kritisch über die Führer berichtet. Musikalisch liegt das im rockigen Bereich, mit Anleihen in der Neuen Deutschen Welle. "Folgen Sie Mir Weiter" ist eine Führung durch das Irrenhaus der Gesellschaft. Textlich ist das wieder interessant, musikalisch getragener und nachdenklicher. "Keine Reaktion" beginnt geheimnisvoll, danach wird die dunkle Note musikalisch durch harte Töne verschärft. Auch hier passt die Textur gut. "Nicht Einverstanden" zeigt den klassischen Singer Songwriter Kunze. Der Song wird vom Piano getragen, dazu gibt es Sprechgesang von Kunze, in dem er mitteilt, dass er mit dem Gang der Dinge nicht einverstanden ist. "Kinderlied" wirkt fast schon wie ein Kontrapunkt zum bisherigen Geschehen.

"Der Präsident" gibt textlich wieder eine Breitseite gegen die korrupte Politik. Musikalisch tendiert der Song Richtung Neue Deutsche Welle mit schönen schrägen Parts. "Regen In Berlin" ist wieder im Stil einer Pianoballade gehalten. "Das Ultimatum" beschreibt die Rücknahme der Schöpfungsgeschichte in sieben Tagen. Mit der folkigen Akustikgitarre liefert Kunze auch hier wieder einen stimmigen Song ab. "Lamm Gottes" beginnt verhalten, wird aber im weiteren Verlauf schön rockig. "Nachts Um Halb Drei" beendet das Album als relaxter Gitarrenrock. Ein guter Abschluss, wieder mit beißender Kritik - dieses mal an selbstverliebten Machern.

Fazit So ziemlich alles, was Heinz Rudolf Kunze vor 1985 machte, bereitete dem breiten Publikum eher etwas Probleme. Eine Form Von Gewalt macht da kaum eine Ausnahme. Kunze verwirrte mit guten, aber für viele Hörer wohl auch schwer entschlüsselbaren Texten. Das wertet dieses Album für mich jedoch nicht ab. Ganz im Gegenteil: Kunze spielt textlich in einer oberen Liga, stellt aber auch hohe Ansprüche an den Zuhörer. Wer sich darauf einlässt, wird mit gutem Material belohnt. Auch musikalisch kann das durchaus überzeugen. Ein gutes Album aus der Frühphase des Heinz Rudolf Kunze. Wer gut gemachte deutschsprachige Rockmusik mag, sollte mal reinhören.

Trackliste

  1. Die Kommen Immer Wieder 3.49
  2. Folgen Sie Mir Weiter 4.53
  3. Keine Reaktion 5.20
  4. Nicht Einverstanden 5.18
  5. Kinderlied Für Alice Miller 4.24
  6. Der Präsident 4.26
  7. Regen In Berlin 3.10
  8. Das Ultimatum 5.28
  9. Lamm Gottes 4.15
  10. Nachts Um Halb Drei 3.45

Rezensent: MP