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Albumbesprechung Gary Moore - Still Got The Blues

Interpret: Gary Moore

Titel: Still Got The Blues

Erscheinungsjahr: 1990

Genre: BluesRock

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Still Got The Blues ist ein Album des britischen Musikers Gary Moore. Das Album erschien im Jahr 1990. Gary Moore war bei Erscheinen des Albums Still Got the Blues schon lange in der Musikszene unterwegs. Ab 1969 als Hard-Rock Musiker bei Skid Row, dann mit eigener Band, danach als Gitarrist bei Colosseum II, dann wurde er immer mal wieder an der Seite von Phil Lynott gesichtet und schließlich versuchte er sich Solo. Ab 1985 widmete sich Moore dabei dem Hard Rock bzw. dem härteren Melodic Rock. Das Album Still Got The Blues überraschte daher die Musikwelt. Moore verabschiedete sich vom härteren Rock und spielte plötzlich Blues, der Titel macht klar, dass er (nach seiner Meinung) den Blues immer noch hatte. Dieses Projekt war über alle Maßen erfolgreich, der Stehblues Still Got The Blues wurde extrem erfolgreich ausgekoppelt.

Auf dem Album präsentiert sich Moore als versierter (Blues)-Gitarrist. Er spielt über verschiedene Blues-Stilistiken souverän und gewohnt schnell hinweg. Für die meisten Soli nutzt Moore einen ziemlich komprimierten Ton mit langem Sustain. Soweit ich weiß, spielte er die meisten Tracks mit einer Les Paul und einem Marshall ein. Moore schrieb fünf der Songs selbst. Sonst greift er auf mehr oder weniger bekannte Blues-Songs zurück.

Die Songs

"Moving On" ist ein Titel aus der Feder von Gary Moore. Der Uptempo Blues Rock geht mit prägnanter Slide-Gitarre flott los und macht Spaß. "Oh Pretty Woman" ist eine Fremdkomposition, die Moore so spielt, wie sie früher von John Mayall's Bluesbreakers gecovert wurde. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht sehr originell. Moore kann die Bluesbreakers Version nicht überbieten, auch wenn Albert King ein paar Licks beisteuert. "Walking By Myself" ist eine groovige Uptempo Nummer, im Original von Jimmy Rodgers. Die Version ist Moore gut gelungen. Der Song geht gut ab und macht Spaß. "Still Got The Blues" ist ein melancholischer Mollblues. Der Song wurde erfolgreich ausgekoppelt. "Texas Strut" ist auch eine Eigenkomposition. Moore zitiert hier vor allem Billy Gibbons (ZZ Top) und Stevie Ray Vaughan. Das macht er technisch gut, kann aber kaum überraschen. "Too Tired" ist eine groovige Blues Nummer von Johnny Guitar Watson mit Bläsersätzen und schönen Gitarrenlicks von Albert Collins.

"King Of The Blues" ist eine Hommage an Albert King. Eine gute und authentische Eigenkomposition von Moore. Ein Statement für seinen King Of The Blues. Der Song stellt sicherlich einen Seitenhieb Richtung B. B. King dar. Mit "As The Years Go Passing By " und " Midnight Blues " folgen zwei Slow-Blues Songs. Beide klingen nicht sehr aufregend, As The Years Go Passing By zitiert mehr oder weniger stark Peter Green. "That Kind Of Woman" ist eine groovige und lockere Komposition von George Harrison, der auch mitspielt. "All Your Love" ist eine Otis Rush Komposition. Wie auf Oh Pretty Woman hält sich Moore stark an die Bluesbreakers Version. Das klingt etwas lustlos, die Bluesbreakers-Version gefällt mir besser. "Stop Messin' Around" ist eine Peter Green Nummer, welche ziemlich nahe am Original gespielt wird und damit wiederum nicht übermäßig originell klingt. Die Remaster CD bietet noch fünf zusätzliche Songs. Das Instrumental und die vier Covers klingen alle ordentlich, aber selten originell.

Fazit Moore hat sich einige bekannte Musiker mit an Bord geholt, u. a. Bob Daisley (b), Andy Pyle (b), Nicky Hopkins (key), George Harrison, Albert King, Albert Collins (git) oder Brian Downey (dr). Die Band spielt gut und tight, die Gastmusiker fügen sich gut ein. Gary Moore ist gitarrentechnisch über jeden Zweifel erhaben und er singt ordentlich. Das alles sollte eigentlich reichen. Allerdings kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass die Songs doch zu sehr auf Perfektion getrimmt sind. Moore zeigt irgendwie, dass er den Blues hat, aber er lebt ihn eher technisch aus. Seine schnellen und flüssigen Gitarrenläufe sind sehr gut, aber sie passen nicht immer zu den Songs. Der Blues wird hier zum Showcase, wodurch die Ursprünglichkeit etwas verloren geht. Abschließend bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Gitarrenfans dürften ihre Freude haben, Bluesrockhörer dürften es auch mögen - Blues-Traditionalisten dürfte das aber nicht ausreichen. Aber immerhin konnte Moore mit dem Album das Interesse am Blues wieder beleben. Das ist aller Ehren wert.

Trackliste

  1. Moving on
  2. Oh pretty woman
  3. Walking by myself
  4. Still got the blues
  5. Texas strut
  6. Too tired
  7. King of the blues
  8. As the years go passing by
  9. Midnight blues
  10. That kind of woman
  11. All your love
  12. Stop messin' around
  13. The stumble
  14. Left me with the blues
  15. Further on up the road
  16. Mean cruel woman
  17. The sky is crying

Rezensent: MP