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Albumbesprechung Eloy - Power And The Passion

Interpret: Eloy

Titel: Power And The Passion

Erscheinungsjahr: 1975

Genre: Prog-Rock, Art Rock

Bewertung: Wertung: 6 von 10 Sternen

(6/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Mit Power And The Passion legte die Band Eloy im Jahr 1975 ihr viertes Album vor. Besetzungsmäßig blieb das Line-Up relativ stabil, wie auf Floating waren Frank Bornemann, Luitjen Janssen, Fritz Randow und Manfred Wieczorke mit dabei. Zusätzlich wirkten Detlef Schwaar sowie Mary Davis-Smith mit. Das Album ist, wenn man so möchte, eine Art Konzeptalbum. Es erzählt die Geschichte des Jungen Jamie. Der nimmt eine Zeitdroge, die ihn in die Vergangenheit bringt. Dort widerfahren ihm einige Dinge, die sinngemäß in den Songs verarbeitet werden. Zum Schluss gelingt Jamie mit Hilfe eines Magiers die Rückreise in "seine" Zeit.

Über Sinn und Wert solcher Geschichten kann man natürlich immer streiten. Gerade bei den Eloy Texten scheiden sich oft die Geister. Ich möchte das nicht weiter kommentieren, denn primär wichtig ist natürlich die Musik, die dahinter steht. Eloy hatten sich etwas vom Sound der vorhergehenden Alben entfernt. Die Band versuchte Neues, setzte mehr Synthesizer und erstmals ein Mellotron ein. Insgesamt klang das Ergebnis sphärischer und weniger hart als die Vorgängeralben. Stilistisch stellte die Band die Weichen für die Alben, die bis etwa 1980 herauskamen.

Die Songs

Introduction baut auf einem klassischen Orgelsound a la Bach auf und klingt im weiteren Verlauf relativ stark nach Pink Floyd. Das ebenfalls relativ kurze Jouney Into 1358 klingt mit bluesigen Gitarrenlicks ebenfalls leicht sphärisch. Bemerkenswert ist der immer wieder vorkommende Schreigesang, der ein gewisses Markenzeichen der Band wurde/werden sollte. Love Over Six Centuries ist der erste längere Song. Ein softes Intro mit schönen Gitarrensounds wird ergänzt vom typisch denglischen Bornemann Gesang. Danach steigert sich der Song permanent. Auffallend sind die Basslinien und die anfangs eher sparsame Instrumentierung. Erwähnenswert ist außerdem der schöne weibliche Sprechgesang bzw. der Dialog zwischen den Protagonisten Jamie und Jeanne. Mutiny gehört zu den bekanntesten Eloy Songs, den die Band auch auf dem 1978er Live-Album veröffentlichte.

Imprisonment ist relativ kurz und erzählt die Gefangennahme des Jamie. Der Song startet mit Soundeffekten einer sich öffnenden und schließenden Kerkertür. Danach gibt es eine "mollige" Gitarre und einen Leslie-verfremdeten Gesang. Auf dem Stück kann man auch das Mellotron zum ersten Mal gut wahrnehmen. Daylight ist wieder ein kürzerer Song, der wesentlich bewegter und progressiver als die Vorgängersongs klingt. Insgesamt erinnert die Struktur des Songs stark an Pink Floyd und etwas an Jethro Tull. Danach folgt mit Thoughts Of Home wieder ein kürzeres Stück, das vor allem durch die Keyboardsounds geprägt ist und eine mittelalterliche Stimmung verbreitet. Auch The Zany Magician ist kein ganz langer Song. Die Gitarre klingt hier fett, aber im Sound auch dumpf und topfig. Der Song erinnert musikalisch etwas an Uriah Heep. Back Into The Present zeigt den Protagonisten Jamie zurück in der Gegenwart. Der Song ist abwechslungsreich und überrascht mit jazzrockigen Anflügen. The Bells Of Notre-Dame beschließt das Album etwas schwülstig und pathetisch. Auf der Remaster CD gibt es noch eine remixte Version des letzten Songs als Dreingabe.

Fazit Jau, ein Konzeptalbum haben uns die Jungs hier vorgelegt. Lange nicht das letzte der Band, aber auch lange nicht das beste. Irgendwie klingt das alles noch etwas unentschlossen. Eines ist sicher: das Album unterscheidet sich deutlich von älteren Eloy Alben. Und es kommt klar heraus, dass Eloy mit Power And The Passion die Weichen für den zukünftigen Sound stellten. Über weite Strecken wirkt das aber etwas schwülstig und pathetisch, einmal mehr stört der denglische Akzent Bornemanns etwas. Eloy klingen auf diesem Album außerdem verhältnismäßig stark nach Pink Floyd. Das ist alles nichts Verwerfliches. Aber so richtig überzeugen kann das Album auch wieder nicht, vor allem da nach den ersten vier Songs der Spannungsbogen vernehmlich abfällt.

Trackliste

  1. Introduction (1:10)
  2. Jouney Into 1358 (2:56)
  3. Love Over Six Centuries (10:05)
  4. Mutiny (9:07)
  5. Imprisonment (3:12)
  6. Daylight (2:38)
  7. Thoughts Of Home (1:04)
  8. The Zany Magician (2:38)
  9. Back Into The Present (3:07)
  10. The Bells Of Notre-Dame (6:26)
  11. Remaster edition bonus
  12. The Bells Of Notre-Dame (6:26), Remix

Rezensent: MP