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Albumbesprechung Cluster - Zuckerzeit

Interpret: Cluster

Titel: Zuckerzeit

Erscheinungsjahr: 1974

Genre: Electronic, Ambient

Bewertung: Wertung: 9 von 10 Sternen

(9/10 - Rezensionen: 1)
Rezension/Review

Zuckerzeit ist der Titel des dritten Albums der Deutschen Band Cluster. Das Album erschien im Jahr 1974.

Cluster waren Hans-Joachim Roedelius (Guitars, keyboards, electronics, percussion, FX) und Dieter Moebius (Guitars, keyboards, electronics, percussion, FX). Mit dabei war erneut Produzent Conny Plank, der von Michael Rother unterstützt wurde. Mit diesem bildeten Cluster zu der Zeit auch das Projekt Harmonia.

Julian Cope nahm auch dieses Cluster Album in seine Top 50 des Krautrock auf, wobei auch hier seine Begründung bemerkenswert ist. Immerhin bezeichnete er die Musik als Mist (wenn auch brillanten Mist), den man besitzen muss aber selten anhört. Andere zeigten mehr Begeisterung, Brian Eno etwa oder Pitchfork Media, welche Zuckerzeit in ihre Top 100 der 70er Jahre Alben aufnahm.

Die Songs

  • "Hollywood" überrascht gleich zu Beginn. Ein vergleichsweise eingängiger Track mit einem durchgängigen Rhythmus, durchaus vergleichbar mit Neu!
  • Auch "Caramel" hat diesen synthetischen Rhythmusteppich. Sehr fortschrittlich, in der Form fast eine Blaupause des Electronic-Pop (Julian Cope zog konkrete Vergleiche zu Human League).
  • "Rote Riki" ist der erste Track, der etwas experimenteller konzipiert ist. Dennoch hat das eine vergleichsweise klare, fast monotone aber doch spannende Struktur.
  • "Rosa" ist ein weiterer sehr melodiöser Track mit einem Leitmotiv, welches mich irgendwie an Mike Oldfield erinnert. ,
  • "Caramba" hat eine sonderbare schräg-groovige Note. Wieder ein spannender Song, der nach Electro-Pop klingt, aber auch etwas vom Industrial vorwegnimmt.
  • "Fotschi Tong" und "Marzipan" tragen die typische Roedelius Handschrift, irgendwie eingängig und doch immer etwas verschroben. Ähnliches gilt für "Heiße Lippen", interessant hier das asiatische Flair.
  • "James" und "Rotor" tragen dafür die damals typische Moebius Handschrift. Das klingt insgesamt etwas abgefahrener. Im Fall von James hat man einen unbeschreiblichen Gitarrentrack, im Fall von Rotor eine Art Ska-Pogo meets Electronic.

Fazit Was Roedelius und Moebius mit Zuckerzeit vorlegten, war m. E. in seinem schlichten und ergreifenden Minimalismus irgendwie genial. Ein wunderbarer Trip zwischen Electronic und leicht verschrobenem Ambient, durchaus mit einer speziellen Form des Humors versehen. Die beiden hatten irgendwie eine ganz eigene Spielwiese im Bereich des Deutschen Electronic gefunden. Tolles Album.

Trackliste

  1. Hollywood (Roedelius) 4:48
  2. Caramel (Moebius) 2:58
  3. Rote Riki (Moebius) 6:18
  4. Rosa (Roedelius) 4:13
  5. Caramba (Moebius) 3:57
  6. Fotschi Tong (Roedelius) 4:21
  7. James (Moebius) 3:21
  8. Marzipan (Roedelius) 3:14
  9. Rotor (Moebius) 2:40
  10. Heiße Lippen (Roedelius) 2:23

Rezensent: MP