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CD-Kritik Coldplay - Viva la Vida or Death and All His Friends

Interpret: Coldplay

Titel: Viva la Vida or Death and All His Friends

Erscheinungsjahr: 2008

Genre: Alternative-Rock, Britpop

Bewertung: Wertung: 8 von 10 Sternen

(8/10 - Rezensionen: 1)

 

Rezension/Review

Viva la Vida or Death and All His Friends ist das vierte Album der englischen Band Coldplay. Das Album erschien im Jahr 2008. Mit ihren Vorgängeralben legten Coldplay praktisch durchgängig Bestseller vor, die vor allem die Kritiker zum Schwärmen brachten. Auch dieses Album war ein Bestseller, die Single Viva La Vida schaffte es als erste Bandsingle auf Nummer 1 der Charts sowohl in den USA als auch im UK. Das Album schaffte es praktisch in allen wichtigen Musikmärkten auf Rang 1 der Charts. Es ist das bestverkaufte Album des Jahres 2008 und erhielt 2009 einen Grammy.

Einige Kritiker mäkelten anfangs an dem Album herum, zogen später aber praktisch alle ihre Kritik doch wieder zurück. Das Album wurde letzten Endes von vielen Fachpublikationen zum Album des Jahres 2008 ernannt. Aber es blieben auch ein paar negativere Bewertugnen bestehen, so wurde das Album vom New Musical Express bzw. den Lesern als Worst Album Of 2008 nominiert, obwohl es gerade dort ursprünglich hoch bewertet wurde. Eine interessante Randgeschichte war die Klage des Gitarristen Joe Satriani, welcher der Band bezüglich der Single Viva La Vida Ideendiebstahl vorwarf.

Die Songs

"Life in Technicolor" entwickelt sich, nach einem verspielten Intro, zu einem instrumentalen Britpop Song. Praktisch übergangslos beginnt "Cemeteries of London". Ein, dem Titel entsprechend, recht dunkler Song. Die Band versteht es, die Stimmung musikalisch vorzüglich umzusetzen. "Lost!" wird praktisch durchgängig von einem fetten Bassdrumbeat und Klatschen plus dickem Orgelsound getragen. Theoretisch könnte man von einer Alternative Version von We Will Rock You sprechen. "42" beginnt als reine Pianoballade, welche dann recht dramatisch mit Streichern aufgeblasen wird. Das erinnert an John Lennon und/oder die Beatles. Schön ist der Break ab ca. 1:35, der den Song aus meiner Sicht auch rettet und schlussendlich in einen gelungenen Part mündet. "Lovers in Japan/Reign of Love" ist eine recht klassische Britpop Nummer, die stellenweise an Bands aus den 1980ern erinnert, wobei Reign Of Love getragener als Lovers in Japan wirkt.

"Yes" ist eine schöne Alternative Nummer mit gewissen Anleihen an die psychedelischen Beatles. Die letzten drei Minuten nimmt der hidden Track Chinese Sleep Chant ein. "Viva la Vida" stellt mit seinen streicherähnlichen Parts und dem extrem eingängigen Aufbau ein Paradebeispiel für perfektes Songwriting dar. Da gibt es nichts zu mäkeln, obwohl mir persönlich der Song nicht so gut gefällt. "Violet Hill" gehört aus meiner Sicht auch zu den Songs, die stilistisch etwas auf die Beatles zurückgreifen. Das Ergebnis ist wieder ein ziemlich perfekter Song, den man aber auch dem Alternative-Rock zuordnen kann. "Strawberry Swing" baut auf einer vergleichsweise minimalistischen Grundidee auf, die dann kontinuierlich durch neue Motive ergänzt wird. "Death and All His Friends" beginnt balladesk und leicht verschroben und steigert sich dann in einen fast schon symphonischen Part. Nach ca. 3:00 Minuten wird dann in den Hidden Track The Escapist übergeleitet, der eine Variation des Introthemas von Life In Technicolor darstellt.

Fazit Wenn man momentan ein Album von Coldplay kritisiert, dann kann das schnell einen Querschläger produzieren. Das zeigen auch die anfänglichen mittelmäßigen Kritiken, welche spätestens Ende 2008 von praktisch jedem Kritiker zurückgenommen wurden. Grundsätzlich muss man festhalten, dass es Coldplay fast schon beängstigend gut gelingt, hervorragende Songs zu schreiben. Die Band spielt mit Melodien und Sounds und kann scheinbar mühelos gut klingende Songs umsetzen. Aus meiner Sicht klingt das manchmal aber etwas zu perfekt und manchmal fehlt die Reibung in der Coldplay Musik. Als überragend würde ich in diesem Sinn auch Viva La Vida nicht bezeichnen, aber es gehört zweifellos zu den wichtigsten Alben in 2008. Die Songs sind, wie gesagt, praktisch alle perfekt gemacht und, aus meiner Sicht, auch spannungsreicher als das Material etwa auf Parachutes. Warum die Band immer mit diesen Hidden-Tracks arbeiten muss, verstehe ich zwar nicht so ganz, aber insgesamt kommt man als Rockmusikhörer um das Album nicht herum. Ich persönlich gehe davon aus, dass man es schon jetzt zu den Meilensteinen des Rock zählen muss.

Trackliste

  1. Don't Panic 2:17
  2. Life in Technicolor 2:29
  3. Cemeteries of London 3:21
  4. Lost! 3:55
  5. 42 3:57
  6. Lovers in Japan/Reign of Love 6:51
  7. Yes (mit hidden Track Chinese Sleep Chant) 7:06
  8. Viva la Vida 4:01
  9. Violet Hill 3:42
  10. Strawberry Swing 4:09
  11. Death and All His Friends (mit Hidden Track The Escapist) 6:18
  12. Lost? (Bonus) 3:40
  13. Lovers in Japan (Bonus, Acoustic Version) 3:49

Rezensent: MP