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KurzInfo und Diskographie: Birth Control

Birth Control ist/war eine deutsche Rockband, die in den frühen 1970ern ihre größten Erfolge feiern konnte. Das war in der glorreichen Zeit des Krautrock und Birth Control war sicherlich ein wenig Krautrockband, aber keiner der typischen Vertreter des Krautrock.

Die frühen Jahre bis 1971

Die Band entstand im Jahr 1966 in Berlin. Damals taten sich Reinhold Sobotta (Orgel), Rolf Gurra (Saxofon, Gesang), Hugo Egon Balder (Schlagzeug) und Bernd Koschmidder (Bass) von den aufgelösten Bands Earls und Gents zusammen. Dazu kamen Fritz Gröger (Gesang), Klaus Orso (Gitarre) und Reiner Borchert (Gitarre). In der Anfangszeit beschränkte sich die Band nahezu komplett auf die Interpretation von Fremdkompositionen. Vor einem längeren Gastspiel im Nahen Osten ging Klaus Orso, für ihn kam zunächst Gerd Alsheimer. Hugo Egon Balder verließ die Band ebenfalls (angeblich auf Druck seiner Eltern), für ihn kam Bernd Noske.

Nach der Tour kam die Band ohne Reiner Borchert zurück nach Berlin, für ihn kam Bruno Frenzel als Gitarrist zur Band. Ebenfalls noch 1969 verließen Fritz Gröger und Rolf Gurra die Band. Im selben Jahr erschien das Debütalbum Birth Control, welches die Band schnell zum Geheimtipp des Underground machte. Dies lag u. a. daran, weil das erste Album in eine Pillendose verpackt wurde um damit Kritik an der Geburtenregelung des Papstes zu üben. Die Verkaufszahlen hielten sich allerdings in Grenzen, daher musste sich die Band damals als Begleitband von Michael Holm durchschlagen.

1971 untermauerte die Band mit Veröffentlichung des Albums Operation ihren Undergroundstatus. Das Cover zierte ein kinderfressendes Monster mit dem Papst an seiner Seite, was erneut als direkter Angriff auf die Kirche aufzufassen war und dementsprechend im konservativen Deutschland für großes Aufsehen sorgte. In Großbritannien zierte das Cover zwei Kondome, was dort für Proteste sorgte. Skandale förderten das Geschäft schon damals, der Lohn waren gute Platzierungen bei Rankings in diversen Fachmagazinen.

1972 bis 1977: Durchbruch und kontrovers diskutiertes Album

Reinhold Sobotta ging im Jahr 1972, für ihn kam kurzzeitig Hartmut Schölgens, der bald durch Wolfgang Neuser ersetzt wurde. Die Band tourte viel durch Deutschland und Nachbarländer, meistens gab es Auftritte mit anderen deutschen Bands. Im selben Jahr erschien das Album Hoodoo Man. Für die Band bedeutete das Album den Durchbruch, Hoodoo Man dürfte das bestverkaufte Birth Control Album sein und mit Gamma Ray ist sozusagen ein Deutschrock-Evergreen auf diesem Album enthalten. Erneut war der Lohn vordere Platzierungen in diversen Rankings (vor allem in deutschen Fachzeitschriften). Geld sah die Band allerdings nicht viel, das sie die Rechte an den Songs notgedrungen komplett an die Plattenfirma abgetreten hatte. Mit erfolgreichen Tourneen untermauerte die Band 1973 aber ihren Status als eine der erfolgreichsten Deutschrockbands.

Nach dem Erfolgsalbum musste die Band umgebaut werden. Um den Kern der Band aus Drummer und Sänger Bernd Nossi Noske und Gitarrist Bruno Frenzel formierte sich 1973/1974 eine neue Formation mit Bernd Held (aka Zeus B. Held), Bernd Föller (Bass, Gesang) und dem Gitarristen Dirk Steffens. In der Besetzung wurde das Album Rebirth eingespielt. Steffens verließ die Band schon im Frühjahr 1974, ohne ihn ging die Band erneut auf erfolgreiche Tourneen, die durch ein gutes Live-Album belegt wurden.

1975 erschien das Album Plastic People, auf dem die Band das eine oder andere Experiment wagte und damit klassische Fans etwas verunsicherte. 1976 ging die Band noch einen Schritt weiter und legte das Album Backdoor Possibilities vor. Mit diesem Konzeptalbum waren Birth Control komplett im klassischen Prog angekommen, was ihre Fanbase extrem verunsicherte. Die blieb umgehend den Auftritten fern.

In der Folge ordnete sich die Band wieder neu. Bassist Föller ging, er wurde durch Horst Stachelhaus ersetzt. Außerdem kam Drummer Manfred von Bohr, der Noske entlasten sollte. Mit den beiden neuen (beide zuvor bei Message tätig), wurde das Album Increase aufgenommen. Die Band entfernte sich zwar vom komplexen Material von Backdoor Possibilities, legte aber auch mit Increase ein Album vor, welches nicht nur reinen Hard-Rock lieferte. Das Album erhielt gute Bewertungen, kam aber bei den Fans erneut nicht ganz so gut an. Und wieder spielte die Band spärlich besuchte Konzerte. So beschloss man, zunächst einmal Live eine Pause einzulegen.

1978 bis 1984: Schleppende Verkäufe, Tod Frenzels und Auflösung der Band

1978 war es zunächst ruhig um die Band. Nossi Noske nutzte die Phase, um das Soloalbum Come Out At Night zu realisieren. Das Album blieb aber mehr oder weniger unbeachtet. Schließlich kam die Band wieder zusammen und produzierte das Album Titanic. Das relativ klassische Hard-Rock Konzept wurde von den Fans wohlwollend aufgenommen. Es wurde klar, dass Frenzel und Noske als bestimmende Kräfte den Kurs wieder Richtung griffigem härteren Rock und weg von komplexen Experimenten lenken wollten. Dem Kurs wollte Zeus B. Held nicht folgen, für ihn kam 1979 Wolfgang Horn. Mit Horn wurde die Live-LP Live 79 vorgestellt. Die Band erhielt einen neuen Plattenvertrag und ging an die Aufnahme von Count On Dracula, welches 1980 veröffentlicht wurde. Auch wenn sich das Album nicht überragend verkaufte, so gelang es Birth Control zumindest, die Leute wieder zu ihren Konzerten zu locken. Die folgende Tour war gut besucht, stellenweise waren die Gigs ausverkauft. Nachdem Drummer von Bohr erkrankte übernahm Noske auch Live wieder die Drumparts und man beschloss, ohne von Bohr weiterzumachen. Kurz später ging auch Stachelhaus, für ihn kam im Herbst 1980 Jürgen Goldschmidt. In der neuen Besetzung Noske, Frenzel, Horn, Goldschmidt sowie dem zweiten Gitarristen Stefan Linke ging die Band an die Aufnahmen des Albums Deal Done At Night, welches 1981 veröffentlicht wurde.

Zum 1982er Album Bäng gab es erneut einen Wechsel, für Horn übernahm Uli Klein die Keyboards. Kommerziell war das Album ein Ausfall, Birth Control konnte in der NDW-Phase ihr Publikum nicht mehr aktivieren. Uli Klein hielt es nicht in der Band, für ihn kam Jörg Becker. Allerdings agierte die Band in der Formation nur kurz. Bruno Frenzel hatte schon 1975 während eines Konzerts in der Schweiz einen schweren Stromschlag auf der Bühne erlitten und litt seitdem unter Herzproblemen, welche mittlerweile lebensbedrohende Ausmaße angenommen hatten. Am 21.09.1983 verstarb Frenzel. Da auch der Plattenvertrag ausgelaufen war, entschloss sich Bernd Noske 1984 zur Auflösung der Rock-Institution Birth Control.

1993 bis 2014: Reunion, durchwachsene Erfolge, endgültiges Aus nach dem Tod Noskes

Im Jahr 1993 kam es zu einer Reunion von Birth Control. Mit dabei waren Bernd Noske, Bassist Horst Stachelhaus, Rocco Zodiak (Rolf Klein) und Keyboarder Xaver Fischer. Die Band tourte viel, 1994 erschien die Live-CD Condomium. 1995 trennte sich die Band von Rocco Zodiak, für ihn kam Peter Engelhardt. Mit Engelhardt wurde 1995 die CD Two Worlds eingespielt.

Auf Two Worlds war Nossi Noske schon eher hintergründig als Songwriter tätig, auf den CDs Jungle Life (1996) und Getting There (1998) hatte Xaver Fischer die Position des Hauptsongwriters übernommen.

1998 wurde bekannt, dass Horst Stachelhaus schwer erkrankt war. Er spielte Anfang 1998 sein letztes Konzert, am 20.05.1999 verstarb Stachelhaus. Für Stachelhaus kam Hannes Vesper, der spielte auch schon ein paar Bassparts auf dem 1998er Album Getting There ein. 1998 ging Xaver Fischer, für ihn kam Sascha Sosho Kühn. 2003 erschien das letzte Studio-Album der Band, Alsatian. In der Folge war Birth Control im Prinzip nur noch als Live-Band aktiv. 2011 ging Engelhardt, für ihn kam Martin Ettrich.

Am 18. Februar 2014 verstarb Bernd Nossi Noske. Die verbliebenen Musiker Kühn, Ettrich und Vesper haben geäußert, nicht mehr unter dem Namen Birth Control auftreten zu wollen. Möglich scheinen aber Konzerte mit altem Material unter dem Bandnamen Rebirth.

 

Diskographie Studio/Live

Studioalben

Live

  • Live (1974)
  • Live (1977)
  • Live 79 (1979)
  • Condomium (1994)
  • Live Abortion (2000)
  • Live in Lachendorf (2000)
  • Live in Fulda (2004)
  • 35th Anniversary - Live At Rockpalast (2005)
  • We are Family (2009)
  • Two Eggs - Two Concerts (2013)