Prog-Rock

Prog Rock (auch Progressive-Rock oder kurz Prog) ist ein Musikstil, der vor allem auf bekannten Stilen wie Pop und Rock aufbaut. Im Prog-Rock werden Stilelemente zum Beispiel aus Jazz, Klassik oder Folk beigemischt und die Musiker nutzen gerne alle zur Verfügung stehende Elemente. Den typischen Progressive-Rock Musikern waren die etwas starren Schemata der bestehenden Musik etwas zu eng. Sie wollten komplexere Werke schaffen und andere Stilistiken mit einbeziehen. So entstand in der Regel eine Mischung, die irgendwie grenzüberschreitend wirkt.

Das ist sicherlich eines der Markenzeichen des Progressive Rock - es sollte grenzüberschreitend sein und darf dabei gerne sehr komplex sein. Es muss aber nicht um jeden Progressiv sein, denn gerade Prog kann gnadenlos retro und manchmal anachronistisch wirken. Atonale Komponenten sind erlaubt und gerne gehört. Auch rhythmische Verschiebungen mit ungewöhnlichen Taktarten oder gar mehrere Taktwechseln in einem Song sind durchaus typisch für den Progressive Rock. Typische Prog-Rocker lieben lange Songs und bringen gerne alle möglichen Sounds und Instrumente zu Gehör. Wenn man von modernen gitarrenorientierten Stilistiken absieht, ist des Proggers liebstes Instrument sicherlich das Keyboard. Im klassischen Prog stellte es in jedem Fall meist das dominierende Element dar.

Geschichtlich ist der Anfang des Prog-Rock nicht ganz eindeutig nachvollziehbar. Gemeinhin wird in etwa das Jahr 1968 als Beginn der Prog-Rock Ära angenommen. Allerdings gab es davor schon einige Bands, die grenzüberschreitende Versuche in der Pop-Musik unternahmen und somit streng genommen als Prog bezeichnet werden müssten.

Die Anfänge

Die Anfänge charakterisieren eigentlich noch keinen ganz eigenständigen Prog-Rock. Ab ca. 1965 begannen einige Musiker die engen Strukturen der bestehenden Pop-Musik aufzubrechen. Wichtig waren etwa die Beach Boys und die Beatles. Sie sind keine Prog-Rock Bands, aber beide Bands schufen mit Konzeptalben etwas sehr neues und bislang noch nicht da gewesenes. Die Beach Boys begannen 1966 mit dem legendären Album Pet Sounds, die Beatles zogen mit dem nicht minder legendären Sgt. Peppers Album 1967 nach. Beide Bands blieben letztlich Pop bzw. Beatbands. Aber mit den Alben sprengten sie die bislang bekannten Grenzen. Ebenfalls die ersten stilüberschreitenden Versuche machte in den USA schon 1966 Frank Zappa. In England schufen 1967 die Moody Blues mit The Days Of Future Passed ein grenzüberschreitendes Album. Ebenso nahmen Pink Floyd oder etwa Procol Harum ihre ersten Alben auf, die man letztlich auch als Progressiv bezeichnen kann und dem Prog zuordnen könnte (aber eben nicht muss).

Die Rolle von Frank Zappa auf alles, was abseits des Mainstream liegt, darf man nicht unterschätzen. Er dürfte zu den stilprägendsten modernen Musiker gehören. Immerhin gibt es Stilistiken, die man heute als zappaeske Musik bezeichnet. Meist handelt es sich hierbei um außergewöhnlich strukturierte Musik mit Einflüssen aus Jazz, Freejazz und Rock. Zappa war sicherlich einer der progressivsten Musiker der Rockgeschichte, allerdings wird er deshalb nicht unbedingt in die Schublade des Prog-Rock gesteckt. Sein Einfluss auf die Szene darf aber nicht unterschätzt werden.

Die klassischen Prog-Rockbands

Ab dem Jahr 1968 wird allgemein vom Beginn der klassischen Prog-Rock Phase gesprochen. Als die großen klassischen Prog-Rockbands werden King Crimson, Yes, ELP und Genesis angesehen. Etwas unter den Tisch fällt oft die Band The Nice. Zum erweiterten Kreis der klassischen Progbands zählen außerdem Jethro Tull, Gentle Giant und Van der Graaf Generator. In den folgenden Jahren ergänzten einige weitere Acts und Bands die klassische Prog-Rock Strömung - vor allem handelt es sich dabei um Acts aus Großbritannien. Bekannte Beispiele sind Camel und später Mike Oldfield.

Eine gewisse Problematik ergibt sich in der Grenzziehung zwischen Prog und anderen komplexen Stilen. So werden zum Beispiel Pink Floyd eher selten den klassischen Prog-Rock Bands zugeordnet, obwohl gerade Pink Floyd anfangs experimentell und grenzüberschreitend spielten. Andererseits werden Bands dem Prog-Rock zugeordnet, obwohl sie stilistisch eher anderen Genres zugeordnet werden können (z. B. Deep Purple aus den Anfangsjahren oder Bands der Canterbury-Szene wie Caravan).

Etwas leichter ist die Geschichte der offiziellen Prog-Rock Veröffentlichungen zu fassen. Das erste klassische Prog Album ist nach Meinung vieler Fachleute In The Court Of The Crimson King von King Crimson aus dem Jahr 1969. Im Jahr 1970 folgten die Debütalben von Genesis, ELP und Gentle Giant. Ein Jahr später folgte Yes mit dem Yes Album. Die genannten Bands bestimmten in den folgenden Jahren die Progszene. 1973 konnte dann Mike Oldfield mit seinem Jahrhundertwerk Tubular Bells für Furore sorgen. Eine ebenfalls erwähnenswerte Band der damaligen Zeit ist Camel.

Oft unterbewertet werden Beiträge nichtenglischer Bands zum klassischen Prog. Eine kleine Prog-Szene gab es in den USA. Der US-Prog klang anders, nutzte vielleicht in stärkerem Maß Elemente aus Blues und Country und klang oft etwas härter. Typische Vertreter dieser Richtung sind nach meiner Meinung z. B. Kansas oder auch die Dixie Dregs.

Im Sog der klassischen Bands aus England entstand auch in Deutschland eine Prog-Szene. Sie wurde und wird im geschichtlichen Rückblick meist dem Krautrock zugeordnet. Wichtige Bands waren z. B. Eloy, Novalis, Grobschnitt, Hoelderlin oder SFF. In ganz Europa etablierte sich in den frühen 1970ern schnell eine rege Prog-Szene. Vor allem die Progbands aus Italien konnten sich schnell einen guten Ruf erspielen (etwa PFM oder Banco). Außerdem muss man Frankreich auch als ein wichtiges Land bezüglich des Prog bezeichnen - vor allem Magma genießt heute einen gewissen Kultstatus als Begründer des so genannten Zeuhl.

Die Zeit des klassischen Prog-Rock endete in etwa Mitte der 1970er Jahre. Viele der etablierten Bands schienen müde und verzichteten mehr und mehr auf komplexe Strukturen. Dazu kam ab 1976 der einsetzende Punkboom, der im Prinzip nichts anderes als eine Art Anti Prog-Rock Bewegung war. Viele der großen klassischen Bands änderten ihre Konzepte und wandten sich vom klassischen Prog ab. Genesis versuchte sich nach dem Abgang von Peter Gabriel mehr und mehr im RockPop. Yes veröffentlichten ab 1976 uneinheitliche Werke und landeten mehr oder weniger im Mainstream, auch bei ELP war spätestens mit Erscheinen von Works I etwas die Luft raus, ab 1978 ging eine Weile nichts mehr. King Crimson löste sich 1975 immer mal wieder auf, auch Jethro Tull, Gentle Giant oder Camel hatten um 1978 ihre klassischen Phasen hinter sich gelassen.

Der Neo-Prog

Vom Prog war einige Jahre nicht viel zu hören. Die Musikszene wurde 1976/1977 vom Punk bestimmt. In dessen Folge entstand ab 1978 der New Wave. Schon mit dem New Wave und daraus entstehender Richtungen wie dem Electro-/Dance-Pop war aber erkennbar, dass die Musikhörer sich gerne wieder auf ungewöhnlichere Strukturen einlassen wollten. Ich gehe mal davon aus, dass sich auch deshalb für einige Progbands Möglichkeiten ergaben. Interessant war auch, dass sich viele Bands des Electro-Pop (z. B. OMD) stark auf Bands des Progressiv-Electronic und hier vor allem auf deutsche Bands wie Kraftwerk, Tangerine Dream oder Neu! bezogen.

Ab ca. 1980 betraten einige Bands die Szene, die im Geist des klassischen Prog-Rock agierten. Als eine der wichtigsten dieser Bands wird heute Marillion betrachtet. Sie hielt sich anfangs eng an die Vorgaben der klassischen Bands. Ähnlich verhielt es sich mit anderen Vertretern dieses so genannten Neo-Prog wie IQ oder Pendragon. Sehr typisch für stark Mainstream orientierte Bands, die man entfernt dem Neo-Prog zuordnen kann, wären aus meiner Sicht Saga oder Asia.

Prog Metal

Im Sog des Neo Prog und der parallel entstandenen Heavy Metal/NWOBHM Szene entstand eine Richtung, die Elemente des Prog und des Heavy Metal vermischte. Der so genannte Prog-Metal zog sowohl Heavy Metal Fans als auch Prog-Fans an. Und wahrscheinlich hören auch viele andere Hörer diese Musik. Denn anders ist z. B. der grandiose Erfolg der Band Dream Theater kaum erklärbar. Dream Theater sind die wohl bekanntesten und erfolgreichsten Vertreter des Prog Metal, höchstwahrscheinlich des gesamten modernen Prog.

Dream Theater zeigen auch, wo die wichtigen Stilelemente des Prog Metal liegen: hochvirtuose Musik aller Beteiligten, viel Gitarre (oft als dominierendes Instrument) neben den Keyboards. Bassist und Drummer spielen, auch bei hohen Tempi, extrem timingfest und auf äußerst hohem Leistungsniveau. Neben Dream Theater gehören z. B. Fates Warning, Vanden Plas, Symphony X, Pain Of Salvation, Pagan's Mind oder Queensryche (um nur einige zu nennen) zur so genannten Prog-Metal Szene.

Retro-Prog

Retro Prog ist eine nette Sache, die alles und auch nichts aussagt. Im Grunde genommen handelt es sich um eine Musik, die sich noch etwas stärker auf den klassischen Prog bezieht als viele Neo-Progbands. Im Zuge des Retro-Prog werden dann auch nahezu alle Bands zusammengefasst, welche nach dem Neo-Prog im Geiste des klassischen Prog musizierten. Eine rege Szene des Retro-Prog bildete sich in Skandinavien mit Bands wie The Flower Kings, Änglagard oder Black Bonzo.

Prog aktuell

Die Progszene ist heute sehr rege, viele Bands sind recht erfolgreich. Es gibt heute (vielleicht etwas angestoßen durch die Erfolge der Neo-Progger und vor allem von Dream Theater) mehr Prog Bands als je zuvor. Stilistisch bieten sie eine extrem große Bandbreite. Neben Prog-Metal und Retro-Prog gibt es unglaublich viele Bands, die im Dunstkreis des Prog musizieren und immer wieder erstaunliche Werke hervorbringen (Bsp: Porcupine Tree, The Mars Volta, Coheed And Cumbria, Opeth und viele mehr). Extrem groß ist die Szene, wie oben erwähnt, in Skandinavien. Auch Deutschland verfügt(e) über ein Reservoir guter Bands (Vanden Plas, Versus X, Sieges Even, Weltraum, Haggard - um nur einige zu nennen). Mehr dazu im Listing interessanter Progbands.